BISS finanziert seinen Geschäftsbereich (Herstellung der Zeitschrift, Geschäftsführung und Verwaltung, Betriebskosten) durch die Erlöse aus dem Verkauf der Zeitschrift und der Anzeigen.
Um den Vereinszweck erfüllen und seinen Verkäufern sowie anderen armen Menschen Hilfe anbieten zu können, braucht BISS jedoch Spender und Sponsoren. Deswegen möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und dabei die Entwicklung von BISS dokumentieren.

Zusammenfassung Gewinn- und Verlust-Rechnung BISS e.V. 2011
Ertrag EUR Aufwand EUR
1) Betriebliche Erträge (Straßenverkauf, Anzeigen, Abos, Einnahmen angestellter Verkäufer, Zinserträge usw.) 643.256,92 1) Herstellungs- und Materialaufwand für 11 Ausgaben inklusive Honoraren 176.997,78
2) Sonstige Erträge
(Spenden, Patenschaften, Fördermitgliedsbeiträge, Geldbußen, Vermächtnisse usw.)
891.280,08 2) Sonstige betriebliche Aufwendungen
(Miete, Büromaterial, Abschreibungen usw.)
92.867,17
3) Eingliederungszuschuss Arbeitsagentur 17.193,00 3) Aufwendungen für Betroffene (z. B. Wohnraumausstattung, Einzelfallhilfe wie Entschuldung und Zahnersatz, Monatsfahrkarten, Schreibwerkstatt, Betriebsausflug, Unterstützung von sozialen Projekten usw.) *220.946,68
      4) Personalaufwand für 45 Angestellte, ohne Leitung Schreibwerkstatt (davon 37 angestellte BISS-Verkäufer) *829.250,87
Zwischensumme Aufwand 1.320.062,50
Einstellung in Rücklagen 231.667,50
Gesamtsumme 1.551.730,00 Gesamtsumme 1.551.730,00
Der Jahresabschluss wurde von einem Wirtschaftsprüfer erstellt.
*)

2011 setzen sich die Gehälter von 829.250,87 Euro (4.) zusammen aus 262.419,35 Euro für das Fachpersonal und 566.831,52 Euro für die Verkäufer und ehemals obdachlosen Mitarbeiter. Für Betroffene und soziale Projekte, die sich um Obdach- und Arbeitslose kümmern, wurden also insgesamt 787.778,20 Euro (566.831,52 Euro + 220.946,68 Euro (3.)) ausgegeben.

Die Aufwendungen für unser Geschäft (Herstellung der Zeitschrift inklusive Honoraren für Chefredaktion, Journalisten und Fotografen, betriebliche Aufwendungen, Gehälter für das Fachpersonal) erwirtschafteten wir aus den 1,10 Euro, die BISS pro Exemplar eingenommen hat, und aus Anzeigen.

Mit den Bußgeldern, die uns, wie anderen gemeinnützigen Vereinen auch, sporadisch vom Amtsgericht oder der Staatsanwaltschaft zugesprochen werden, füllten wir die Finanzierungslücke bei den Gehältern des Fachpersonals. Alle Spendengelder wurden für Betroffene direkt eingesetzt oder für Menschen und Projekte, die sich um die Belange und Qualifizierung von bedürftigen Menschen kümmern.

Rückblick mit Ausblick

Wie jedes Jahr möchten wir allen, die unsere Zeitschrift lesen und unser Projekt unterstützen, Rechenschaft geben und die Entwicklung von BISS zusammenfassend darstellen

Rückblick: An 2011 erinnere ich mich nicht gern. Denn in diesem Jahr hat die Bayerische Regierung unserem geplanten Projekt Hotel BISS den Garaus gemacht, indem sie das denkmalgeschützte, alte Münchner Frauengefängnis Am Neudeck nicht an BISS, sondern an einen kommerziellen Investor verkauft hat. Es hat die CSU/FDP nicht interessiert, dass wir das Gebäude in ein 4-Sterne-Hotel umbauen und dort 40 Ausbildungsplätze für sozial benachteiligte Jugendliche schaffen wollten. Dass wir eine sichere Finanzierung und Empfehlungsschreiben der Münchner Spitzenhotellerie sowie renommierter Wirtschaftsprüfer vorweisen konnten und sich Hotel BISS finanziell selbst getragen hätte. Auch die Unterschriften von 15 000 Unterzeichnern der Petition „Herr Minister­präsident Seehofer, retten Sie Hotel BISS“ haben nichts genützt, denn die Wahl 2013 war noch zu weit weg. Das war auch der Grund, weshalb die zahlreichen Unterstützerbriefe an Regierung und Abgeordnete ignoriert wurden. Gesamtgesellschaftlicher Gewinn ist für diese CSU/FDP-Regierung kein Kriterium, Machterhalt das einzige Thema, das sie bewegt.

Abgesehen von der Zerschlagung unseres Jahrhundertprojekts war vieles erfreulich. Keiner unserer Verkäufer ist in diesem Jahr gestorben und die meisten sind zufrieden mit ihrem Leben. Wir konnten die verkaufte Auflage der Zeitschrift halten, und seit dem letzten Relaunch im September 2011 sieht unsere Zeitschrift so aus, wie ich sie mir immer gewünscht habe. Ich habe meinen Brustkrebs überstanden und mit großer Freude wieder feststellen können, dass „meine“ Firma auch ohne mich gut läuft. Alles in allem, liebe Freunde, war es eben doch kein schlechtes Jahr.

Ausblick: Im Oktober 2013 feiern wir „20 Jahre BISS“. Darauf freue ich mich schon sehr! Bevor wir aber feiern, werden wir uns im nächsten Jahr mit anderen interessierten sachkundigen Menschen zusammensetzen und beraten, was wir noch tun können, um armen Menschen zu einem besseren Leben zu verhelfen. Dazu veranstaltet die Evangelische Akademie Tutzing in Kooperation mit BISS im Frühjahr eine Tagung. Auch bei der Jahreskonferenz 2013 des INSP (Internationales Netzwerk der Straßenzeitungen), die diesmal in München stattfindet, wird das im Sommer ein Thema sein. Die meis­ten Straßenzeitungen sind gut im Inhalt und Layout. In den Redaktionen und den angegliederten Projekten ist – wie sich das nach so langer Zeit gehört – vieles Routine geworden. Routine ist gut, muss aber immer wieder überprüft werden.

Deshalb werden wir die Instrumente, die wir zur Verfügung haben, zur Diskussion stellen und nach kreativen Möglichkeiten suchen, um unser Potenzial noch besser nutzen zu können und unser Anstellungsmodell weiterzuempfehlen.

Das sind wir als BISS nicht nur unseren Verkäufern schuldig, sondern auch Ihnen allen, die Sie als Leserinnen und Leser, als Spender, Paten und Unterstützer, fest an unserer Seite stehen. Sie statten uns mit dem nötigen finanziellen und moralischen Hintergrund aus. Dank Ihrer Unterstützung kann BISS differenzierte Hilfe zur Selbsthilfe bis hin zu einem regulären Arbeitsplatz anbieten und vieles ermöglichen, was armen Menschen Chancen eröffnet und dem Zusammenhalt der Gesellschaft dient. Wir werden immer nach praktischen Möglichkeiten suchen, wie wir sozial benachteiligte Menschen ausbilden und qualifizieren können. Vorzugsweise in einem eigenen Sozialunternehmen. Und auch wenn wir bislang kein geeignetes Grundstück mehr gefunden haben, so halten wir doch weiterhin die Augen offen für ein Objekt, das sich für ein Hotel der gehobenen Klasse eignet. Und wer weiß? Vielleicht kommen wir im Laufe der Zeit noch auf ganz andere Ideen und machen Sachen, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können. Bei BISS ist alles möglich!

Ich danke Ihnen, liebe Freunde und Unterstützer, von ganzem Herzen für Ihre Treue und großzügige Unterstützung. Unser besonderer Dank gilt der Abtei St. Bonifaz, die seit 20 Jahren eine der tragenden Säulen von BISS ist.

Hildegard Denninger

Die BISS-Maximen

1. Die Prioritäts-Maxime

Der Verkäufer kommt immer zuerst. Die Zeitschrift ist Mittel zum Zweck. Das heißt beispielsweise, die Herstellung der Zeitschrift muss kostengünstig gehalten werden, sie muss aus den Betriebseinnahmen finanziert werden, es dürfen keine Spendengelder in die Herstellung fließen. Dass jeder erwirtschaftete Überschuss wieder den Verkäufern zugute kommen muss, ist ohnehin selbstverständlich und gemeinnützigen Vereinen oder Gesellschaften per Gesetz vorgeschrieben. Verkäufer, die Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, dürfen nur eine gewisse Anzahl an Zeitungen verkaufen, damit sie nicht in Grauzonen geführt werden, auch wenn diese Regelung der Auflage schadet.

2. Die Fifty-fifty-Maxime

Den Verkäufern soll von allen Erlösen mindestens die Hälfte zukommen. Mindestens 50 Prozent des Verkaufspreises eines Exemplars muss an den Verkäufer gehen. Darüber hinaus müssen die finanziellen Zuwendungen an die Betroffenen in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufwendungen für das Fachpersonal und die Herstellungskosten der Zeitschrift stehen. Das heißt, für die Verkäufer sollte auch so viel ausgegeben werden wie für das Fachpersonal, mindestens jedoch 50 Prozent davon. Abhängig vom Konzept einer Straßenzeitung, können diese 50 Prozent sowohl für die Gehälter der Verkäufer als auch für Einzelfallhilfen aller Art (Entschuldung, gesundheitliche Sanierung, Verbesserung der Wohnverhältnisse) ausgegeben werden.

3. Die Transparenz-Maxime

Einmal im Jahr müssen die Einnahmen und Ausgaben in der eigenen Zeitschrift veröffentlicht werden, so dass die Spender wissen, wie gewirtschaftet und wofür das Geld ausgegeben wurde. Durch die Anstellung der Verkäufer hat BISS von April 1998 bis September 2003 den öffentlichen Kassen ein Plus von knapp 1 Million Euro beschert. Es wurden 560.000 Euro eingespart an Sozial- und Arbeitslosenhilfe und 420.000 Euro eingezahlt in die Kassen der Sozialversicherung und des Finanzamts. Die Anstellung der Verkäufer hat sich also für alle gelohnt: für die öffentliche Hand, für die Verkäufer selbst und für BISS. Wir konnten unsere Auflage stabil halten und unseren Verkäufern die Spendenfreudigkeit unserer Freunde und Gönner erhalten. Denn wer investiert nicht gern in Arbeitsplätze und in eine nachhaltige Verbesserung der Lebenslagen armer Menschen?