
Ladislav Dieti an seinem Standplatz | Foto: Barbara Donaubauer
Ich möchte nicht wie ein Miesepeter erscheinen, doch ehrlich gesagt bin ich von meinem Seelenzustand her ein bisschen negativ eingestellt, seit ich behindert bin. Ich wünsche, es wäre anders. Vor zwei Jahren erlitt ich einen Schlaganfall, ich war damals sechzig Jahre alt. Seitdem bin ich linksseitig gelähmt und habe Schwierigkeiten, beim Gehen und Stehen das Gleichgewicht zu halten.
Leute, die mich beobachten, glauben sicher, ich sei stockbesoffen. Dabei habe ich nie getrunken. Das wäre in meinem früheren Beruf als Chauffeur gar nicht gegangen. Von 1980 bis 2005 arbeitete ich tagsüber mit Anzug und Krawatte als Fahrer des Vorstands einer Bank, abends fuhr ich Taxi. Ich saß sieben Tage die Woche sechzehn oder siebzehn Stunden am Steuer. Viel Stress, wenig Schlaf.
Wenn ich heute mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, erlebe ich, dass auf Behinderte keine Rücksicht genommen wird. Neulich machte ein Trambahnfahrer die Tür vor meiner Nase zu, als ich drei Meter vor ihm stand, und die Busfahrer fahren so ruckartig, dass ich schon mehrmals im Bus gefallen bin. So zu fahren ist, denke ich, keine Frage des Könnens, sondern Charaktersache. Auf den Plätzen für Behinderte sitzen oft junge Leute, die mit Kopfhörern Musik hören und mit ihren Handys spielen. Keiner steht auf, um mir einen Platz anzubieten. Aber ich sage nichts.
Seit der Reha bin ich mindestens zehnmal auf der Straße gestürzt. Niemand hat mir geholfen. Ich weiß, dass jeder seine eigenen Probleme hat, dennoch bin ich von der Gesellschaft enttäuscht. Als der Schlaganfall kam, war ich leider nicht krankenversichert. Das brachte mich in große finanzielle Schwierigkeiten. Bei BISS kann ich trotz meiner Behinderung arbeiten und bin wieder kranken- und sozialversichert. Ich arbeite gern und würde mich nicht einmal freuen, wenn mir jemand eine vierzehntägige Urlaubsreise schenken würde.
Viele meiner Kunden sind hilfsbereit. Manchmal schaut mein Vorgänger Pietro Dorigo bei mir vorbei, der früher an diesem Platz die BISS verkauft hat und mittlerweile bei Pflanzen Kölle angestellt ist. Dann fachsimpeln wir über Fußball. Ich habe mein Leben lang gern Fußball gespielt, zuletzt in der sogenannten Grabsteinliga. In dieser Liga sind alle Spieler über fünfzig Jahre alt.