Der Pierrot

Janinas Urlaub war zu Ende. Erholt und guter Laune näherte sie sich ihrem Geschäft, einem Trödelladen, in einer belebten Straße einer großen Stadt. Da bemerkte sie, dass sich vor ihrem Schaufenster ein als Pierrot verkleideter Mann aufgebaut hatte. Sobald ein Passant Geld in die vor ihm stehende Büchse warf, machte er lächelnd eine höfische Verbeugung. “So ist das also”, dachte sie. “Von mir kriegst du nichts.” Aber sie grüßte den Mann freundlich, während sie ihren Laden aufschloss. Wie automatisch verneigte er sich sogleich vor ihr, obwohl sie ihm keinen Cent gegeben hatte. “Ein verrückter Kerl”, dachte sie und betrat kopfschüttelnd ihren orientalisch anmutenden Laden, in dem die Sachen bunt durcheinanderstanden.

Sie hatte auch eine Angestellte, die aber momentan noch im Urlaub war. Bald kamen die ersten Kunden und sie vergaß den Mann. Doch von nun an wiederholte sich jeden Morgen das gleiche Spiel: das Lächeln und die Verbeugung. Bald grüßte Janina ihn nicht mehr freundlich. Sie begann, den Typen zu hassen. Das unnatürliche Gesicht, das übertriebene Gehabe, die Undurchsichtigkeit seiner Maske. Sie bekam schon ein flaues Gefühl in der Magengegend, wenn sie ihn nur sah. Was wollte er von ihr? Sie sehnte sich nach dem Tag, an dem ihre Angestellte zurückkommen würde, dann wäre sie wenigstens nicht mehr allein, denn der Pierrot machte ihr Angst. Und endlich war der Tag da. “Sag mal”, fragte sie, “der Mann da draußen, verbeugt der sich vor dir auch so?” “Nein”, gab diese zur Antwort, “sollte er denn?” Janina zuckte die Schultern. Kunden kamen und wollten bedient werden. Am nächsten Morgen, als der Pierrot wieder sein Spielchen machte, schrie Janina ihn unbeherrscht an: “Was willst du von mir? Geh weg, ich kann dich nicht mehr sehen!” Der Mann sagte nichts darauf.

Als sie am nächsten Morgen wieder ihren Laden aufschloss, grüßte er sie nicht. Auch nicht die Tage darauf und überhaupt gar nicht mehr. Er schaute sie nicht einmal an. “Das hat gewirkt”, dachte Janina zufrieden. Da sah sie durchs Fenster zufällig, wie er jetzt seine typische Verbeugung vor ihrer Angestellten machte, die daraufhin mit einem seltsamen Lächeln an ihre Arbeit ging. Misstrauisch beobachtete Janina dieses Geschehen nun jeden Morgen, die übertrieben ehrfurchtsvolle Verbeugung des Mannes, das Lächeln der Frau. Obwohl Janina ein freundschaftliches Verhältnis mit ihrer Mitarbeiterin pflegte, zog sie sich nun von ihr zurück. Eines Tages kündigte sie ihr. Als der Pierrot merkte, dass die Mitarbeiterin nicht mehr da war, kam auch er nicht mehr.