
BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck
Im April hatte uns die Werbeagentur DDB Tribal nach Berlin eingeladen. Die Flaschensammlerkampagne, die sie BISS im Herbst 2011 gesponsert hatte, war beim Wettbewerb um den Deutschen Dialogmarketing Preis (ddp) in den beiden eingereichten Kategorien für einen Preis nominiert worden. Die Freude war groß, als wir Gold und Silber bei der Verleihung entgegennehmen konnten. Denn BISS hatte durch die geniale Idee, Aufkleber auf leeren Flaschen anzubringen und damit Flaschensammler als Verkäufer anzuwerben, tatsächlich neue Verkäufer gefunden und viel öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Mit den Auszeichnungen hatten nun auch die Agentur und das engagierte Team eine Würdigung ihrer Arbeit erfahren. Es war ein Gewinn für alle: für BISS, die alten und neuen Verkäufer, die Agentur – und nicht zuletzt für die Gesellschaft, weil wieder einmal einige arme Menschen Arbeit und eine Wohnung gefunden und einen Neuanfang gewagt haben.
Ich liebe solche Aktionen, an denen deutlich wird, was man erreichen kann, wenn man zusammenarbeitet und mit vereinten Kräften auf ein Ziel zugeht. Es braucht eine Idee, ein Konzept, einen verlässlichen Chef und engagierte Mitarbeiter. Das ist ein Patentrezept und klappt im Kleinen wie im Großen. Warum funktioniert es dann beispielsweise in einem für die Zukunft so wichtigen Sektor wie der Bildungspolitik nicht? Weil die Politiker es nicht ehrlich meinen. Sie geben vor, für bessere Bildung und Chancengleichheit sorgen zu wollen, machen in Hinblick auf die nächste Wahl aber nur gnadenlos Klientelpolitik. Könnten sonst solche Vorschläge wie das Betreuungsgeld und Bildungsgutscheine auf den Tisch kommen, um nur die absurdesten zu nennen? Ein veraltetes Schulsystem soll zumindest bis zur Wahl 2013 erhalten werden. Aber selbst in dieses System wird kein Geld investiert. Wie erbärmlich und dumm!
Wissenschaftliche Studien, Modellprojekte und die Praxis in anderen Ländern beweisen, dass durch den Ausbau eines guten und für alle sozialen Schichten zugänglichen Bildungssystems schon mittelfristig Geld gespart wird. Erst braucht es zwar mehr Kindergärten, Schulräume, Lehrer und Erzieher, später braucht man dann aber weniger Gefängnisse, Polizei und Auffangprojekte. Wenn Menschen nicht ausgegrenzt werden und die Chance bekommen, Kompetenzen zu erwerben, dann gewinnen sie später auch Preise und wir alle sind die Nutznießer. Wenn wir hier aber versagen, werden wir früher oder später den Preis dafür bezahlen müssen. Und das wird teuer.
Herzlichst

Hildegard Denninger





