
BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck
Kein Land kann unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen, und in Ländern mit einer funktionierenden Staats- und Rechtsordnung wird natürlich überprüft, ob jemand dort arbeiten darf. Nur wer legal arbeitet, zahlt Steuern und Sozialabgaben. Aus dieser Pflicht ergibt sich für die Einzahler das Recht, Sozialleistungen zu empfangen. Klar ist aber auch, dass Asylsuchende arme und oft verzweifelte Menschen sind und es keine Lösung ist, sie zwischen Zweit- und Drittländern hin und her zu schieben oder über Jahre in sogenannten Übergangswohnheimen abzustellen (siehe S. 6). Es ist menschenverachtend, Flüchtlinge über so lange Zeit zur Untätigkeit zu verdammen und sie ohne adäquate Unterstützung in einem fremden Kulturkreis allein zu lassen. Wir sind hier in Bayern, einem christlichen Land, und wir leben – wie die Regierung nicht müde wird, hervorzuheben – im schönsten und reichsten Bundesland. Wir sind überall vornedran. Wir haben die höchsten Berge, die niedrigsten Arbeitslosenzahlen und die trickreichsten Politiker.
Aber auch die werden irgendwann erkennen müssen, dass man Asylbewerber zwar aus einem Ort vergraulen kann, sie sich aber nicht in Luft auflösen. Sie tauchen unter, vielleicht in München, vielleicht in einem anderen Bundesland. Das Sankt-Florians-Prinzip löst keine Probleme, es schafft neue. Man macht Menschen kaputt, wenn man sie behandelt wie eine wertlose Ware und ihnen auf vielerlei Weise zeigt, wie wenig man von ihnen und ihren Fähigkeiten hält. Diese Vertreibungstaktik ist schandbar und dumm. Nur wenn man die Menschen achtet und sie fördert, haben sie eine Chance, sich zu entwickeln.
Meine Schwester hat mir neulich von einer Bekannten erzählt, die eine Tochter und einen autistischen Sohn hat, der hochbegabt ist, aber lange als zurückgeblieben angesehen wurde. Besonders von einer Nachbarin, die die beiden von oben herab behandelte und immer, wenn sich Gelegenheit bot, mit ihren eigenen Kindern prahlte. So fragte sie eines Tages die Schwester des autistischen Jungen: “Kannst du auch schon ‘Zwetschgen’ sagen?” Das kleine Mädchen guckte die Nachbarin an, wartete einen Moment und sagte dann laut und deutlich “Pflaumen”. Die Nachbarin ist heute ziemlich einsam. Die Frau aber hat eine gute Beziehung zu ihrer Tochter und ihrem Sohn. Der hat seinen Wunschberuf erlernt und ist Gärtner geworden. Er kennt sich aus mit Zwetschgen und Pflaumen. Nie aber hätte er sich so entwickeln können, wenn ihn seine Familie nicht nach Kräften gefördert hätte. Wo die Familie das nicht leisten kann, müssen der Staat und seine Bürger einspringen. Dann können diese Menschen auch wieder den Staat unterstützen. Eigentlich einfach.
Herzlichst

Hildegard Denninger





