Sonne im Herzen

BISS-Geschäftsführerin  Hildegard Denninger Foto:Sascha Kletzsch

BISS-Geschäftsführerin
Hildegard Denninger
Foto:Sascha Kletzsch

Der lange, kalte, düstere Winter hat uns alle strapaziert. Für unsere Verkäufer, von denen viele auf zugigen Plätzen oder ganz im Freien stehen, waren diese Monate besonders schlimm. Während der milde Winter 2011/2012 vom Wetter her ideal war für den Verkauf unserer Straßenzeitschrift, ist es diesmal umgekehrt gewesen. Trotzdem haben wir uns wacker gehalten! Sobald sich ein Sonnenstrahl zeigte, stieg die Laune unserer Leute und der Verkauf der Zeitschrift sprunghaft an. Ich bin stolz auf unsere tapferen, motivierten Außendienstler. Und ich habe mich gefreut, ihnen bei der letzten Verkäufersitzung – unseren Spendern sei Dank! – einen verspäteten „Osterhasen“ überreichen zu können, der ein fröhliches Lächeln auf ihre Gesichter zauberte. Trotzdem warten natürlich alle sehnsüchtigst auf den Frühling. Nicht unbedingt, weil sie, wie die vielen Radl-Begeisterten in diesem Heft, aufs Fahrrad steigen wollen, sondern weil die Sonne die Stimmung hebt und ihren geschundenen Körpern gut tut. Unter unseren Verkäufern haben wir viele Fußgänger, U- und S-Bahn-Fahrer, einige wenige Autofahrer und nur etwa ein Dutzend Fahrradfahrer. „Die meisten von uns sind doch schon froh, wenn sie ohne Probleme laufen können!“, meinte neulich einer, als ich ihm Radlfahren empfahl. Ich selbst bin fast nur mit dem Rad unterwegs. Als ich im vergangenen Jahr bei einem Überholmanöver am Fahrradkorb meines Mannes hängen geblieben und vom Rad gefallen bin, habe ich mir das Handgelenk gebrochen. Seitdem bin ich vorsichtiger geworden, aber Radfahren ist immer noch meine liebste Fortbewegungsart. Außerdem haben wir BISSler durch das soziale Projekt Dynamo Fahrradservice, unseren tollen Kooperationspartner, eine besondere Verbindung zu Fahrrädern, Fahrradmonteuren und Zweiradmechanikern. So wie man sich bei Dynamo um die Mitarbeiter kümmert und versucht, mit jedem einzelnen der Zielgruppen-Angestellten einen Weg zu finden, der ihn beruflich und persönlich weiterbringt, so wünschte ich mir, dass es auch im Großen passiert. Der soziale Betrieb ist ein praktisches Beispiel, wie eine solidarische Gesellschaft funktionieren kann. Die Schwächeren werden nicht an den Rand gedrängt, sondern mit gezielter Hilfe, Wohlwollen und Motivationsanreizen verschiedenster Art werden sie dabei unterstützt, Defizite auszugleichen. Wenn die Politiker mehr Verteilungs- und Bildungsgerechtigkeit schaffen wollen, dann dürfen sie nicht nur darüber sprechen, sondern müssen handeln und dafür auch Geld einsetzen. Es lohnt sich! Denn es bringt Sonne in die Herzen und nützt der ganzen Gesellschaft.

Herzlichst

Ihre Hildegard Denninger

Nicht nur Ricola

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger Foto: Sascha Kletzsch

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Sascha Kletzsch

Wer hätte das gedacht! Ausgerechnet die Schweiz zieht dagegen zu Felde, dass einige wenige ihren persönlichen Profit auf Kosten der gesamten Gesellschaft maximieren. Das trifft sowohl für Finanzhaie wie auch für das gierige Internationale Olympische Komitee (IOC) zu. Zuerst zwingen die Schweizer ihren Staat, ein Gesetz einzubringen, das Managergehälter deckelt, und stimmen für ein neues Raumplanungsgesetz, das die Alpen schützen soll. Und dann gewinnen bei einer Volksabstimmung in Graubünden auch noch die Neinsager zu  Olympia 2022. Der Mehrheit im Kanton sei bewusst, dass Olympia selten von nachhaltigem Nutzen für enge Täler und naturgeschützte Landschaften sei, meinte dazu der Schweizer Schriftsteller Alex Capus neulich in einem Radiointerview. Er sei über die Abstimmungsergebnisse nicht verwundert. Zwar seien die Schweizer konservativ, aber sie hätten außer Ricola (ein Kräuterbonbon) ja auch die Love Parade erfunden. Und das Bankgeheimnis sei sowieso  nur wichtig für eine kleine Kaste. Wir warten lange ab, so Herr Capus, „aber wenn’s einmal reicht, dann reicht’s!“

Auch vielen Menschen in Deutschland reicht es, dass aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre bestimmte Gruppen in unserer Gesellschaft auf Dauer außen vor bleiben, während eine kleine Minderheit sich schamlos bereichert. Immer lauter werden die Stimmen, die fordern, Mindestlöhne einzuführen, endlich mehr in Bildung zu investieren, sodass alle Kinder gleiche Startchancen bekommen, die Gehälter der Manager zu deckeln, die Banken zur Kasse zu bitten, Käufe und Verkäufe der Investmentbanker zu besteuern und  Steuern für Reiche zu erhöhen. Jetzt im Wahljahr fordern das plötzlich auch  Politiker, die selbst in der Regierungsverantwortung stehen. Die Koalitionspartner schieben sich abwechselnd die Verantwortung zu, dass bislang nichts passiert ist und Gesetzesvorlagen nicht zustande gekommen sind. Dass es auch anders geht, erfahren wir BISSler fast täglich. Viele Menschen spenden und übernehmen Patenschaften für unsere angestellten Verkäufer, damit ihr Arbeitsplatz erhalten bleibt und sie unabhängig werden können von öffentlichen Geldern. BISS ist immer auf der Suche nach innovativen Ideen und praxistauglichen Modellen zur Armutsbekämpfung. Daher veranstalten wir auch Ende April zusammen mit der Evangelischen Akademie Tutzing die Tagung „Agenda 2020. Mutig gegen Armut“. Ganz entspannt werden wir uns in schönem Ambiente darüber unterhalten, wie wir die solidarische Gesellschaft stärken können. Vielleicht sehe ich Sie ja in Tutzing – wäre schön!

Herzlichst

Ihre Hildegard Denninger

Ein guter Benker

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger Foto:Sascha Kletzsch

Es war Mitte der 80er-Jahre, als ich Siegfried Benker kennenlernte. Damals war er Mitarbeiter der Fraktion der Grünen im Rathaus, und ich lieh mir von ihm ein Comicbuch aus, um Material für die Gestaltung eines Heftes zum fünften Geburtstag des Münchner Kommunikations Vereins (MKV) zu haben. Mit dem MKV hatte ich zu tun, weil mein Mann, zusammen mit Siegfried Benker und einem Professor der Münchner Fachhochschule für Sozialwesen, Vorstand des Vereins war. Der MKV war wiederbelebt worden, um eine Plattform für Sozialpädagogen zu schaffen, die Beschäftigungsprojekte initiieren wollten, und um gegebenenfalls als gemeinnütziger Träger für die ersten Jahre zur Verfügung zu stehen. So starteten beispielsweise Dynamo Fahrradservice, Bauforum oder Kultur auf Rädern unter dem Dach des MKV. Das waren beileibe nicht die einzigen Projekte, die Benker mit angestoßen hat. Refugio oder AIDA sind zwei von vielen, die er mit gegründet oder deren Gründer er vor und hinter den Kulissen unterstützt hat. Sigi Benker ist einer meiner Helden. Er ist ein Gerechter, der immer für die Schwachen Partei ergreift und furchtlos gegen Ausgrenzung von Menschen und für den Zusammenhalt der Gesellschaft kämpft. In den 29 Jahren im Rathaus (davon sechs Jahre als Fraktionsmitarbeiter, fünf Jahre als Mitarbeiter der ersten grünen Bürgermeisterin, 18 Jahre als Stadtrat, davon wiederum 16 Jahre als Fraktionsvorstand) hat er gelernt, Bündnisse zu schmieden und strategisch zu agieren. Aber er ist sich und seinen Idealen stets treu geblieben. Vieles, wofür die Münchner Sozialpolitik heute gelobt und bewundert wird, wurde in den 20 Jahren Rot-Grün von Benker mit initiiert.
Jetzt verlässt er die Rathauspolitik und wird ab April Geschäftsführer der Münchenstift, das heißt, er ist dann der Chef aller städtischen Altersheime. Als Benker jung war, hat er ein leer stehendes Haus mit besetzt, um für obdachlose Punker einen Ort zu schaffen, an dem sie bleiben konnten. Wenn er sich nun im letzten Drittel seines Arbeitslebens um alte Menschen in unserer Stadt kümmert, dann schließt sich ein Kreis. Und die Alten dürfen sich freuen, denn Siegfried Benker, ein integrer Mensch, der sein Fähnchen nie nach dem Wind hängt, meint es nicht nur gut, sondern er kann auch gut! In einem Land wie Bayern, in dem die Regierung samt Ministerpräsident zweimal wöchentlich ihre Meinung über gesellschaftlich relevante Themen ändert, sind Politiker wie Benker ein Segen. Es gibt sie auch heute noch, die guten Politiker, denen es um die Sache und nicht um bloße Machterhaltung geht. Man muss sie nur wählen.

Herzlichst

Ihre Hildegard Denninger

Die Sylter Woche

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger Foto:Sascha Kletzsch

Wenn es irgendwie geht, fahren mein Mann und ich seit Jahren im Januar für eine Woche nach Sylt. Zu dieser Zeit ist die Insel fast menschenleer, das Meer ist aber noch da und man kann bei jedem Wetter am Strand auf und ab laufen, reden und sich den Wind um die Nase wehen lassen. Das ist sehr erholsam, und was unsere Unterhaltungen anbelangt, immer sehr ergiebig. Das Private kommt dabei nicht zu kurz, aber wir reden natürlich auch über BISS. Darüber hatten wir diesmal besonders viel zu reden, da 2013 ein ganz besonderes Jahr ist: Anlässlich unseres 20-jährigen Jubiläums werden wir im April, im Juli und im Oktober verschiedene Veranstaltungen ausrichten. Die Planungen dazu sind bereits weit gediehen, aber wir wollten doch noch einmal alles – fern vom Alltag – in Ruhe durchsprechen und diskutieren. Bei unseren Spaziergängen am Strand zwischen Wenningstedt und List wurde jeden Tag etwa zwei Stunden lang ein BISS-Thema behandelt. Die Geistesblitze wurden entweder sofort oder später beim Essen im Restaurant auf meinem handlichen kleinen Block notiert. Wenn die Veranstaltungen so lebendig werden, wie es unsere Unterhaltungen am Meer waren, dann wird es kein schlechter 20. Geburtstag.
Eine Angelegenheit, die uns auf der Seele lag und für die ich schon seit längerer Zeit Geld zurückgelegt habe, wurde im Januar, zum Auftakt des Jubiläumsjahrs, nun verwirklicht: Wir haben die Gehälter unserer angestellten Verkäufer um 12 bis 20 Prozent angehoben. Damit kommen sie in etwa auf den Mindeststundenlohn, dessen Einführung wir in allen Branchen für unabdingbar halten. Unsere Verkäufer haben keine Zeit-, sondern eine Verkaufsvorgabe. Aber nach 19 Jahren können wir einschätzen, wie lange man in etwa zum Verkauf von 400, 600 oder 1000 BISS-Heften braucht. Die Erhöhungen haben wir nicht linear gemacht, sondern die Gehälter jener Verkäufer überproportional erhöht, die damit ganz von der Sozialhilfe wegkommen. Am letzten Abend auf Sylt sind wir noch zum „Christlichen Skat“ gegangen, bei dem sich einheimische Skatbrüder und -schwestern alle zwei Wochen im Pastorat von Wenningstedt treffen. Auch Inselgäste dürfen mitspielen, allerdings ist hier der Gast nicht König. Auch wenn es nur um wenig Geld geht, wird hier scharf gezockt! Am Ende gibt es Preise für alle, die in Naturalien ausgezahlt werden. Vom Sonntagsbraten bis zur Tafel Schokolade darf sich der Reihe nach jeder Teilnehmer etwas aussuchen. Leider hat es bei mir nur zum 15. Platz gereicht – ich habe zweimal einen Grand mit 60 verloren, aber immerhin noch eine Stange Salami gewonnen.
Herzlichst

Ihre Hildegard Denninger

Auf einem guten Weg

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger Foto:Sascha Kletzsch

Wir veröffentlichen jedes Jahr in unserer Zeitschrift eine Statistik, aus der unter anderem zu ersehen ist, wie viele Menschen mit Migrationshintergrund die BISS verkaufen. Bis 2010 waren es höchstens 20 Prozent, seit 2011 sind es nun 30 Prozent der Verkäufer. Die Entwicklung unserer Gesellschaft spiegelt sich bei BISS wider. Zusätzlich zu Arbeitslosen und Rentnern, die – wie arme Deutsche auch – hier jahrzehntelang schwer gearbeitet haben, aber nicht von ihrem Geld leben können, kommen Menschen aus Süd- und Osteuropa zu uns, die bei der bitteren Not in ihrer Heimat keine Chance für sich sehen. Wir prüfen, ob sie Kenntnisse in Deutsch und eine Arbeitsgenehmigung haben und in unseren BISS-Rahmen passen. Spricht ein Bewerber kein Deutsch, kann er die BISS (noch) nicht verkaufen. Wir bieten ihm aber an, einen Deutsch-Intensivkurs zu finanzieren, auch wenn er danach nicht bei BISS bleibt und sich einen anderen Arbeitsplatz sucht. 2012 haben wir unseren ersten rumänischen Verkäufer angestellt. Der arbeitslose Mann, der jahrelang als Hilfsarbeiter im Großraum München tätig war, kann wegen gesundheitlicher Probleme keine schwere Arbeit mehr verrichten. Nachdem er einen Monat mit Wissen des Jobcenters als freier Verkäufer gearbeitet hatte, bekam er aufgrund seiner Leistung und seiner höflichen Art einen Vollzeit-Arbeitsvertrag. Im Oktober haben wir seine Lebensgefährtin in Teilzeit angestellt. Sie konnte außerhalb von BISS nichts finden, und die Familie wollte unbedingt ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Hilfe sichern – auch wegen ihres achtjährigen Sohnes. Nachdem sie das erste Mal mit dem Ausweis „angestellte BISS-Verkäuferin“ an ihrem Platz stand, rief eine Kundin an und fragte, ob wir denn eine Angestellte hätten, die aussehe wie eine Roma. Als wir es bejahten, meinte die Anruferin, es freue sie so, dass diese nette Frau eine Arbeit hat und nicht betteln oder handlesen muss, um zu Geld zu kommen. Das fanden wir stark, denn wir hatten schon befürchtet, fremdenfeindliche Sprüche zu hören. Nur mit dem Wohlwollen und der Toleranz aller kann es gelingen, Arme und Schwache in die Gesellschaft zu integrieren. Wir können von der Politik entsprechende Rahmenbedingungen verlangen, aber in unserer eigenen Nachbarschaft müssen wir selbst für die Umsetzung sorgen. Nur so geben wir unseren Kindern ein gutes Beispiel und können auf eine gerechtere Gesellschaft hoffen. Wir sind dann auf einem guten Weg, wenn die Mehrzahl der Bürger auch gegen den Widerstand
Ewiggestriger sowohl Kindergärten, Spiel- und Bolzplätze als auch Unterkünfte und Wohnungen für Obdachlose oder Asylbewerber in ihrer Nachbarschaft durchsetzt.

Herzlichst

Ihre Hildegard Denninger

Münchner Bescherung in Mexiko

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger Foto:Sascha Kletzsch

Zwei unserer Verkäufer erhielten schon im Oktober ein tolles Weihnachtsgeschenk: Sie durften für eine Woche zur Obdachlosen-Fußball-Weltmeisterschaft, dem „Homeless Worldcup 2012″, nach Mexiko fliegen. Nicht als Teil des deutschen Teams, sondern als Zuschauer und Touristen. Denn obwohl unsere beiden Reisenden noch unter 50 sind, so sind sie doch nicht so gut beisammen, dass sie bei einem Fußballturnier mithalten könnten. Das sollen mal lieber andere machen! Wir haben seit dem Spätsommer auch ohne Sportverletzte viele Krankheitsfälle unter unseren Verkäufern. Das reicht von leichteren Operationen, Brüchen und den üblichen saisonalen Erkrankungen bis hin zur Herzoperation. Aber gemeinsam haben es unsere alten und neuen Verkäufer dann doch hingekriegt, die verkaufte Auflage zu halten und manchmal sogar noch zu steigern.

Ich werde deshalb bei unserer Weihnachtsfeier am 3. Dezember unsere Verkäufer schwer belobigen für ihren Einsatz und ihre Loyalität. Und weil viele unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde, Gönner und Paten, BISS mit Spenden unterstützen, bleibt es nicht nur bei schönen Worten, sondern ich darf auch schöne Geschenke verteilen. Das mache ich, ehrlich gesagt, am liebsten: In Ihrem Namen Nikolaus spielen. Es freut mich, weil ich ja nicht nur für Belobigungen zuständig bin, sondern manchmal auch mahnen und Grenzen setzen muss. Ich sehe es Menschen in sozialen Schwierigkeiten nach, wenn sie nur ihre sehr eigenen Interessen wahrnehmen und in ihrer Zwangslage an nichts und niemanden sonst denken (können). Trotzdem ist es mein Job dafür zu sorgen, dass nicht Einzelne auf Kosten des Gesamtprojekts BISS ihre Interessen durchsetzen. Durch den Zeitungsverkauf verdienen sich etwa 100 Menschen in München ihren Lebensunterhalt, über ein Drittel davon sogar ausschließlich. Ihre Arbeitsplätze und damit Chancen auf ein besseres Leben stehen bei BISS im Mittelpunkt. Mit der Sorge für den Geschäftsbetrieb und die Angestellten unterscheidet sich das Sozialunternehmen BISS nicht von anderen Firmen.

Was andere Firmen aber nicht haben, ist ein Netzwerk, wie BISS eines hat. Sie, liebe Freunde, sind für uns der Fels in der Brandung. Nur gemeinsam mit Ihnen können wir weiterhin nachhaltig Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, deshalb ist uns Ihre Unterstützung Verpflichtung. Sie können auf uns genauso zählen wie wir auf Sie. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihr Vertrauen und Ihre Spenden und wünsche Ihnen – auch im Namen unserer Verkäufer, der Redaktion und des Vereins BISS – frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.

Herzlichst


Hildegard Denninger

Für gute Erinnerungen sorgen

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger | Foto: Stephan Höck

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck

Als im September zwei unserer dienstältesten Verkäufer, Karl-Heinz Wendicke und Ante Mazuran, innerhalb einer Woche starben, waren wir alle traurig, denn sie waren BISS-Urgestein. Im Falle von Herrn Mazuran kamen noch Fassungslosigkeit wegen seines plötzlichen Todes und die Unsicherheit dazu, ob wir seinen Bruder in Kroatien erreichen würden. Denn auf Wunsch des Toten sollte der Sarg in seine Heimat überführt werden.

Wir hatten uns unnötig Sorgen gemacht. Zwei Tage später meldete sich ein junger Mann bei uns, der ankündigte, dass Herr Mazurans Bruder nach München kommen und er ihn begleiten würde, bis alles geregelt sei. So geschah es dann auch. Einen Tag lang gingen sie miteinander in München von einer Stelle zur anderen, der junge Mann telefonierte, faxte und organisierte alles bestens. Ich dachte erst, er sei ein besonders mitfühlender, professioneller Dolmetscher. Dann sagte er mir aber, dass er in München lebe und arbeite, ursprünglich aber aus demselben kroatischen Dorf wie Herr Mazuran stamme, und dass er sich freue, jetzt etwas für diesen und seine Familie tun zu können. Denn der Verstorbene sei für ihn wie ein guter Onkel gewesen, weil er ihm früher, als er noch ein kleiner Junge war, immer ein Eis gekauft habe, wenn er mittags aus der Schule kam und an der Eisdiele vorbeiging, in der Herr Mazuran seinen Kaffee trank.

Das Beispiel von Herrn Mazuran zeigt, dass einen die Menschen in guter Erinnerung behalten, wenn man sie anständig behandelt. Gerade Kinder haben ein sehr gutes Gedächtnis und ein Gespür dafür, wer es ehrlich mit ihnen meint. Wenn also die bayerische Regierung Flüchtlingskinder in Abbruchbuden steckt, ihnen statt Geld Essenspakete offeriert, deren Inhalt keinem schmeckt, dann ist das nicht nur perfide, sondern volkswirtschaftlich dumm. Denn es sind nicht Herr Seehofer und Frau Haderthauer, deren Ruf hier ruiniert wird, sondern unser aller guter Ruf – und ein Teil unseres Potenzials an gut ausgebildeten Nachwuchskräften dazu. Und wenn der bayerische Sozial- und Bildungsetat für das „untere Fünftel“ der Kinder im Wahljahr ein bisschen aufgestockt, aber ansons­ten konzept- und lustlos weitergewurstelt wird, dann werden das nicht Herr Seehofer und Herr Spaenle auszubaden haben. Es hat für uns alle horrende Folgekosten, wenn 20 Prozent der Kinder in diesem Land zu Bildungsverlierern werden und zu einem Leben am Rand der Gesellschaft verdammt sind. Deshalb hoffe ich, dass die Klientelpolitikmacher, die so laut nach Betreuungsgeld schreien, 2013 auf der Oppositionsbank sitzen, denn eine ausgrenzende Bildungspolitik können selbst die engagiertesten Ehrenamtlichen (s.S. 10) nicht ausgleichen.

Herzlichst


Hildegard Denninger

Gipfelstürmer und andere

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger | Foto: Stephan Höck

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck

Heimlich hatte ich gehofft, dass sich unsere beiden Kinder ein verlängertes Wochenende in einem schönen Hotel wünschen würden, wo man im Liegestuhl lesen kann und einem am Pool ein Cocktail serviert wird. Da sie sich als Bonus für ihre Bachelorabschlüsse aber eine dreitägige Wanderung durch die Dolomiten gewünscht hatten, gingen wir mit Rucksäcken los und übernachteten in Hütten, die auf zweieinhalbtausend Meter Höhe lagen. Und wider Erwarten hat es mir gefallen.

Wir gingen bei bestem Wetter auf gut markierten Wegen dahin und blieben ab und zu stehen, um auf die herrliche Landschaft zu blicken. Auf Berge, die, wenn sie auf der Sonnenseite lagen, golden glänzten und aussahen, als wären sie in feine Spinnwebennetze gehüllt, während die gezackten Gipfel auf der Schattenseite düster und angsteinflößend in den Himmel ragten. Beim Wandern kann man wunderbar seinen Gedanken nachhängen. Ich dachte, wie schnell doch die Zeiten vergehen, in denen Eltern ihre Kinder führen müssen. Hier mussten die Kinder uns helfen. Mir bei den Abstiegen und meinem Mann bei einem der steilen Aufstiege. Und als sich der Himmel am Abend des zweiten Tages zuzog und das Wetter schlecht wurde, begleitete mich unser Sohn bis kurz vor die Hütte und stieg dann noch mal den Berg hinauf, um an einer Weggabelung auf die beiden Nachzügler zu warten und mit ihnen abzusteigen. Einmal habe ich mich kurz verlaufen, aber auf meinem Umweg dafür schöne Ausblicke gehabt.

Genauso ist es doch im richtigen Leben. Es gibt immer den geraden Weg, aber es gibt auch viele andere, die zum Ziel führen. Nehmen wir zum Beispiel die Bildung. Im besten Fall heißt die “Direttissima”: Grundschule, Gymnasium, Abitur, Studium oder Ausbildung und danach ein guter Job. Dann gibt es die Kinder, die Umwege gehen (müssen). Was heißen kann: Grundschule, Hauptschule mit oder ohne Abschluss, Berufsförderschule, abgebrochene Lehre, und danach – wenn überhaupt – ein schlecht bezahlter Job. Diese jungen Menschen haben aber auch Potenzial. Oft sind sie mehrsprachig und haben auf ihren Umwegen Fähigkeiten erlernt, die gut behütete Kinder gar nicht entwickeln können. Die Politik muss unbedingt mit guten Konzepten und genügend Geld dafür sorgen, dass sie eine Chance bekommen, ihre Talente für die Gesellschaft und nicht gegen sie einzusetzen. Diese benachteiligten und manchmal “verirrten” Kinder müssen wieder dazugehören. Unsere alternde Gesellschaft braucht alle: die Gipfelstürmer und die Umweggeher. Sie alle müssen vor dem Unwetter die schützende Hütte erreichen können. Und dort auch willkommen sein.

Herzlichst


Hildegard Denninger

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