Eine Klarstellung

Beim Stichwort „Lösungsmodelle“ fällt mir für die Probleme Armut und Ausgrenzung natürlich gleich unser BISS-Modell ein. Ein großer Teil seines Erfolges liegt sicher an unserer wichtigsten Maxime „Geld ist Mittel zum Zweck“. Der Zweck: Menschen, die durch Armut und Obdachlosigkeit an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, wieder zurückzuholen. Das gelingt über Arbeit, soziale Kontakte, Entschuldung und medizinische Versorgung. So werden aus Außenseitern Bürger mit Rechten und Pflichten. Die Zeitschrift ist das Mittel, um Arbeit zu schaffen und soziale Kontakte herzustellen, und die Spendengelder sind das Mittel, um die individuellen Hilfen zu finanzieren. Das BISS-Modell funktioniert, weil unsere Zeitschrift Ihr Interesse findet und unser Projekt auf vielen Schultern ruht. Es wird getragen von der ganzen Stadt und noch weit darüber hinaus. Wie wichtig eine breite Basis ist, wurde gerade beim Tod von Rudolph Moshammer deutlich. Er fehlt in vielerlei Hinsicht, doch ist unser Projekt nicht gefährdet, weil sich unsere anderen Freunde und Gönner weiterhin engagieren. Diese Kontinuität ist sehr wichtig, denn bei BISS geht es meist um Menschen, die keine Alternative haben. Aus diesem Grund ist BISS Arbeitgeber geworden, mit verbindlichen und langfristigen Konzepten. Unsere Konzepte existieren nicht nur in den Köpfen der Chefredakteurin und der Geschäftsführerin, sondern auch auf dem Papier. So dass selbst bei einem plötzlichen personellen Ausfall Zeitschrift und Projekt weitergehen würden – sicher etwas anders, doch sicher auch geordnet und ausgerichtet an unseren Zielen. Unserem Projekt droht nur Gefahr, wenn plötzlich viel weniger Spenden eingehen, weil die Menschen aufgrund von missverständlichen Presseartikeln glauben, BISS würde das Geld aus den Moshammer-Versteigerungen bekommen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle klarstellen: • Weder BISS noch seine Verkäufer bekommen einen Cent aus der Versteigerung der Autos und Juwelen. Alles Geld geht an den „Rudolph Moshammer Verein Licht für Obdachlose e. V.“. • Das Geld muss zwar irgendwann in den nächsten 20, 30 oder mehr Jahren den BISS-Verkäufern ausschließlich in Form von Gehaltszahlungen zukommen, jedoch entscheidet der oben genannte Verein, wann wie viel Geld an BISS überwiesen wird. • Der Vereinsvorsitzende, Rechtsanwalt Florian Besold, teilte uns mit, dass der Verein künftig jährlich zwei bis vier Patenschaften übernehmen wolle (siehe Seite 5), um die Gehälter für die entsprechenden Verkäufer langfristig zu sichern. Für diese Absicherung sind unsere Verkäufer Rudolph Moshammer sehr dankbar, doch werden sie seine Einladungen und Besuche vermissen, und das nicht nur, weil es von ihm immer auch ein Geldgeschenk gab. Rudolph Moshammers Vermächtnis zeigt, dass er unser Konzept verstanden und uns die Umsetzung zugetraut hat. Dass er von unserem Standpunkt – nur die Schaffung sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze macht eine dauerhafte Wiedereingliederung für die Betroffenen möglich – überzeugt war. Trotz dieses großzügigen Vermächtnisses brauchen wir Sie also weiterhin alle. Sie sind unser Netz: die Leserinnen und Leser, die Paten sowie die Freunde und Gönner (siehe auch Seite 24/25). Und es ist doch auch schön, zu uns zu gehören! Denn dauerhaft gute Lösungen wie das BISS-Modell haben Seltenheitswert. Wo sonst noch kann man so viele interessante Dinge lesen wie in unserer Zeitschrift und sich mit so interessanten Leuten wie unseren Verkäufern unterhalten? Und eine Geschäftsführerin, die nebenbei Bilanzen erstellt und Kolumnen schreibt, die bekommen Sie gratis mit drein. Hildegard Denninger