„Sie war einfach fällig!“

Für ihr Lebenswerk wurde Hildegard Denninger mit dem Martinsmantel geehrt

Von links nach rechts: Andrea Haagn, Abt Johannes Eckert, Hildegard Denninger, Friedrich Gaffe und Alois Bierl | Foto: Stephanie Dillig

vlnr: Andrea Haagn, Abt Johannes Eckert, Hildegard Denninger, Friedrich Gaffe und Alois Bierl | Foto: Stephanie Dillig

Das katholische Medienhaus Sankt Michaelsbund hat am Freitag, dem 11. November 2011, der BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger den Martinsmantel verliehen. Mit dem Preis wird jedes Jahr zum Martinstag eine Persönlichkeit geehrt, die sich für das Wohl sozial Benachteiligter und Obdachloser einsetzt. “Der Martinsmantel passt zu BISS wie die Faust aufs Auge”, freute sich Hildegard Denninger sichtlich gerührt über die Auszeichnung, “denn das Fifty-fifty-Prinzip ist das wichtigste Prinzip aller Straßenzeitungen auf der Welt. Wir teilen ja auch unsere Einnahmen mit den Verkäufern, so wie Sankt Martin den Mantel halbiert und dem Armen gegeben hat. Von daher passen wir hervorragend zusammen.” Lesen Sie weiter bei »„Sie war einfach fällig!“«…

Die Nimmermüde

Miladinka Milenkovic zählt zu den eifrigsten BISS-Verkäuferinnen.

BISS-Verkäuferin Miladinka-Milenkovic Foto: Irmgard Geelen

arbeitet auch mit 77 Jahren noch bei BISS: Miladinka Milenkovic. Foto: Irmgard Geelen

Mit einem Zug voller Gastarbeiter kam Miladinka Milenkovic 1969 aus Jugoslawien nach Deutschland. Beim Umsteigen Richtung Königsfeld, wo die junge Schneiderin ihre erste Arbeitsstelle hatte, betrat sie das erste Mal den Münchner Hauptbahnhof. Heute ist hier ihr Stammplatz als BISS-Verkäuferin. Seit der hoffnungsvollen Ankunft in der neuen Heimat sind über 40 arbeitsreiche Jahre vergangen: Nachdem der Ehemann nach Deutschland nachgezogen war, kamen die zwei Kinder, später die Arbeit in der Gastronomie und als Hausmeisterin, die Scheidung, die psychische Krankheit des Sohnes, der Verlust ihrer Arbeitsstellen.

Heute, mit 77 Jahren, arbeitet sie als BISS-Verkäuferin, weil die kleine Rente zum Leben nicht reicht. „Gefällt! Gefällt!“, lobt Milenkovic ihren Job im Untergeschoss zwischen U- und S-Bahn-Aufgang. Wenn sie hier um acht Uhr morgens ihren Hocker aufstellt, hat sie daheim schon für den kranken Sohn vorgekocht, der bei ihr lebt, und wenn sie abends nach Hause kommt, erledigt sie die übrige Hausarbeit. Sonntags hilft sie ihrem kranken Ex-Mann beim Kochen und Putzen. „Gott sei Dank bin ich noch stark und gesund! Noch BISS verkaufen, vielleicht bis 80 Jahre“, sagt sie lachend.

Die Verunsicherung hat viele Gesichter

Soziologieprofessor Franz Schultheis über Armut, die Angst davor
und über die Folgen der aktuellen Hartz-IV-Debatte

In Ihrer Forschungsstudie „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ sprechen Sie von der Prekarität. Was genau ist das?
Prekarität ist nicht dasselbe wie Armut, sondern ein Zustand ökonomischer, oft auch statusmäßiger Unsicherheit. Man darf das Phänomen Armut nicht auf die manifeste Armut derjenigen begrenzen, die unter der offi ziellen Armutsgrenze leben, sondern es gibt eine Grauzone, die Prekarität, aus der man jederzeit zum Beispiel durch Scheidung, Arbeitsplatzverlust, einen Unfall oder die Geburt eines weiteren Kindes in den Zustand der Armut hinunterstürzen kann. Lesen Sie weiter bei »Die Verunsicherung hat viele Gesichter«…

Auf der Suche

Wichtig ist, daran zu glauben, dass in jeder Krise eine Chance steckt

Die Nachricht kam nicht ganz überraschend. Die Betriebswirtin wusste, dass die Umsatzzahlen des Unternehmens nichts Gutes verhießen. Als der Chef ihr kürzlich mitteilte, dass sie demnächst einen Aufhebungsvertrag erhalten würde, war sie trotzdem geschockt. „Rein betriebswirtschaftlich ist es sinnvoll, ich fühle mich nicht ungerecht behandelt, und doch fragt man sich: warum gerade ich?“ Christine Hannemann* ist hoch qualifiziert, steht seit 15 Jahren im Berufsleben und spricht vier Sprachen. Lesen Sie weiter bei »Auf der Suche«…

Wohin mit den Jungen?

Hotel BISS – die Idee: Benachteiligte junge Menschen sollen nicht BISS-Verkäufer werden, sondern eine Ausbildung machen

In den vergangenen Jahren haben sich häufiger junge Leute bei BISS vorgestellt, die für sich keine andere Perspektive sahen, als BISS-Verkäufer zu werden. BISS hat sich in diesen Fällen immer bemüht, die Bewerber an andere Einrichtungen zu vermitteln, die weiterführend qualifizieren, weil BISS-Verkaufen für junge Menschen nichts ist. “Die brauchen eine richtige Ausbildung, sie sind schließlich unsere Zukunft”, sagt Hildegard Denninger, und weil sich die Geschäftsführerin von BISS e.V. mit dem Ausbildungsnotstand bei benachteiligten Jugendlichen einfach nicht abfinden mag, arbeitet sie zusammen mit ihrer Freundin Karin und und ihrem Ehemann, dem Sozialpädagogen Johannes Denninger, seit Jahren an einem vielversprechenden Projekt: dem Hotel BISS. Lesen Sie weiter bei »Wohin mit den Jungen?«…

Reich?

Die Wirtschaft boomt, die Zahl der arbeitslosen Menschen ist niedrig, doch manche Jobs bringen nicht genug zum Leben ein

Zwar sind sich die Bayern politisch keineswegs so einig,wie manche Mitbürger aus anderen Bundesländern das vermuten, doch fragt man zurzeit nach der wirtschaftlichen Situation im größten deutschen Bundesland, bestätigen Minister, Oppositionspolitiker, Wirtschaftsvertreter und Gewerkschafter gleichermaßen: Gut schaut’s aus! – generell zumindest. Bayern hat wie Baden-Württemberg mit 4,1 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland*. Das reale Wirtschaftswachstum ist im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent gestiegen – auch damit liegt Bayern, mit Baden- Württemberg und Hamburg, an der Bundesspitze –, die Zahl der Hartz-IV-Empfänger in Relation zur Einwohnerzahl ist die niedrigste in ganz Deutschland. Der Wohlstand Bayerns beruht in erster Linie auf den hochtechnologischen Industrien und dem Dienstleistungsgewerbe. Lesen Sie weiter bei »Reich?«…