Standplatz: überall und nirgends

Michael Kropfhammer

BISS-Verkäufer Michael Kropfhammer verkauft überall und nirgends

Durch die vielen Kontakte beim BISS-Verkaufen hat sich mein Menschenbild geändert. Früher mochte ich eigentlich keine Menschen. Ich ging davon aus, dass alle so egoistisch sind, wie ich es war. Nun aber erlebe ich dauernd, dass viele Leute so eine Güte haben – was ich vorher nie geglaubt hätte. Ich verkaufe BISS nicht wie die meisten meiner Kollegen an einem festen Standplatz, sondern im Gehen an die Passanten.

Wegen einer schweren Krankheit muss ich Medikamente einnehmen, die mein Immunsystem schwächen, sodass ich schnell krank werde, wenn ich friere oder irgendwo stehe, wo es zieht. Daher bewege ich mich lieber. München kenne ich gut, schließlich habe ich immer hier gelebt und wandere jetzt seit eineinhalb Jahren durch die verschiedenen Stadtviertel. Ich mag München, manche Gegenden natürlich mehr als andere, die Au mit der Isar zum Beispiel oder auch Laim. In Haidhausen und in der Maxvorstadt sind die Leute recht locker und kaufen gut.

Die Leopoldstraße hingegen ist nicht so mein Ding – zu viele Menschen, das stresst mich, wie überhaupt so vieles. Ich bin nicht besonders belastbar, deshalb mag ich an meinem Job, dass ich relativ frei bin. Keiner sagt mir, wann ich wo zu sein habe. Aber gleichzeitig strengt mich die Arbeit auch sehr an: Ich möchte niemandem auf die Nerven gehen, keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen, aber um mein Geld zu verdienen, muss ich schließlich die Leute ansprechen. Die meisten reagieren positiv. Falls nicht, heißt es, die Zähne zusammenbeißen.