Man spürt es schon wieder, wie die Luft frischer wird und es gleich richtig kalt wird, sobald die Sonne weg ist. Schlimm finde ich jedes Jahr, wenn der Schneeregen anfängt, aber dafür hat man ja die warmen Wintersachen im Schrank. Wenn ich auf der Fürstenriederstraße mit meinen BISS-Heften stehe, bin ich von oben bis unten dick vermummt angezogen, trotzdem dringt nach einer gewissen Zeit die Kälte in den Körper ein. Dennoch hat auch der Winter seine schönen Seiten, zum Beispiel eine Tasse Glühwein am Weihnachtsmarkt oder ein Spaziergang bei Sonnenschein im verschneiten Wald. Wenn ich an Winterabenden von der Arbeit heimkomme, freue ich mich auf ein heißes Kamillenbad. Das genieße ich mit geschlossenen Augen und denke mir dabei, wie schön es ist, ein Zuhause zu haben. Es gibt viele Obdachlose, die im Winter in irgendwelchen Hauseingängen oder unter Brücken schlafen und sich nach einem warmen Bett sehnen.
In den siebziger Jahren war ich viel auf Friedensdemos, wo wir uns gegen alle möglichen Ungerechtigkeiten in der Welt starkmachten. Ich war früher ein ganz anderer Mensch als heute und hatte auch ganz andere Meinungen. Als junger Mann wohnte ich zwei Jahre im Raum Duisburg und war dort mit Leuten aus der linken Szene befreundet, die in dem besetzten Bahnhof Duisburg-Hamborn lebten; das war damals eine Aktion gegen die Schließung des Bahnhofs.
Wir waren viel unterwegs und verteilten Flugblätter, zum Beispiel über soziales Wohnen und Arbeitsplatzabbau. Auch auf mehreren Anti-Atomkraft-Demos war ich mit meinen Freunden. Wir demonstrierten zum Beispiel 1977 mit einem lange vorausgeplanten Auto-Konvoi auf der Autobahn zwischen Duisburg und Kalkar gegen den Schnellen Brüter bei Kalkar. Heute würde ich das nicht mehr machen, weil ich kein Interesse mehr an so etwas habe, mir keinen Ärger einhandeln möchte und auch weil ich wegen der Arbeitsplätze gar nicht mehr so entschieden gegen Atomkraft bin.
Weitere Artikel aus der BISS-Schreibwerkstatt rund um das Thema “Protest” finden Sie auf den Seiten 16 und 17 in der Juni-Ausgabe der BISS.




