
BISS-Verkäufer Hartmut Jacobs an seinem Standort im Untergeschoss der S-Bahn Rosenheimer Platz
Wer die Rolltreppe von der S-Bahn hochkommt, den begrüße ich oben mit einem freundlichen „Guten Morgen“. Damit kann ich selbst den Leuten ein Lächeln entlocken, die in der Früh noch morgentranig sind. Weil ich schon seit zwölf Jahren am Rosenheimer Platz stehe, gehöre ich dort fast zum Inventar. Immer mit dabei ist meine Hündin Schetziena. Wenn sie ein Leckerchen haben will, stellt sie sich auf die Hinterfüße und winkt mit den Vorderpfoten. Manche Kinder, Stammkunden oder die Damen und Herren von der Bahnwache kommen eigens, um sich das vorführen zu lassen.
Bei keiner anderen Arbeitsstelle habe ich es je so lange ausgehalten wie bei BISS, ich mache den Job wirklich sehr gern. Eigentlich bin ich von Beruf Einzelhandelskaufmann und Maler und Lackierer; ich habe schon Teppichböden verlegt, im Farbengeschäft verkauft, Hochspannungsmasten gestrichen, und ein Jahr lang bin ich sogar als Decksmann zur See gefahren.
Mit 30 wurde ich krank: eine Schädigung im Kleinhirn. Motorik und Gleichgewichtssinn sind stark gestört, ich bin zu 60 Prozent schwerbehindert. Acht Jahre lang lebte ich von Sozialhilfe und fing während dieser Zeit heftig zu trinken an. Dann hat mich ein inzwischen leider verstorbener Freund zu BISS gebracht. Dadurch ist das Leben wieder lebenswert geworden.
Seit 2001 bin ich fest angestellt, ich bekomme keinen Cent mehr aus öffentlichen Geldern. Ich will es so. Ich will arbeiten, denn da lerne ich viele Leute kennen. Ich gehe auf jeden ein und habe ein offenes Ohr für jeden, der das Gespräch mit mir sucht, auch wenn er nichts kauft. Gewöhnlich stehe ich dienstags bis freitags von halb neun bis sechs Uhr an meinem Standplatz. Wenn ich mir mal was Besonderes leisten möchte, wie vor zwei Jahren einen neuen großen Fernseher, dann sogar bis halb acht.





