Politiker, packt es an!

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck

Wir machen seit vielen Jahren im Frühjahr eine Woche Urlaub im Engadin. Mein Mann, die Kinder und deren Freunde fahren Ski, ich gehe spazieren, lese, fahre mit der Gondelbahn auf die Berge und esse Eisbecher mit Sahne.

Es ist immer schön dort, aber diesmal war es optimal: die ganze Zeit Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, klare Luft und die Schneeverhältnisse waren noch so gut, dass man überall Ski fahren konnte. Auf der Diavolezza, meinem Lieblingsberg, waren sogar noch Liegestühle frei, sodass ich Auge in Auge mit dem Piz Palü einen Espresso trinken konnte. Man kann es hier gar nicht vermeiden, glücklich zu sein. Deshalb nehme ich mir jedes Mal vor, irgendwann einmal mit einem Bus voller BISS-Verkäufer ins Engadin zu fahren, damit sie das auch erleben können. Ich weiß nicht, ob es jemals klappt, denn auch in der Nachsaison ist die Schweiz noch sehr teuer. Was mich dann tröstet, ist, dass wir unseren Verkäufern ja nicht nur feste Arbeitsplätze und Hilfe bei der Überwindung ihrer Probleme anbieten, sondern ihnen auch die schönen Seiten des Lebens nahebringen. Unsere Verkäufer haben im Laufe der Jahre auf unseren Betriebsausflügen alle bayerischen Seen und die dazugehörigen Berge gesehen, und auch nach Berlin sind wir schon einmal gefahren.

Davon können Leiharbeiter nur träumen. Sie werden als Verfügungsmasse betrachtet, können von ihrem Lohn nicht leben und sind ausgeschlossen von allem, was das Leben lebenswert macht. Auf ihrem Buckel machen Großunternehmen Rekordgewinne, indem sie Stammpersonal ausstellen und oft dieselben Leute als Zeitarbeiter mit weniger Lohn und weniger Rechten wieder einstellen. Von diesen Gewinnen profitieren dann in der Hauptsache ein paar Großaktionäre, die Ausschüttungen in unvorstellbarer Höhe bekommen. Was für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit!

So eine Welt wollen wir nicht! Auch wenn solch ein Verhalten nicht gegen derzeit gültige Gesetze verstößt, diese Art von Kapitalismus verstößt gegen die Menschenwürde. Arbeit wird im Vergleich hoch besteuert, die großen Vermögen und die Finanzströme werden geschont. Man gibt vor, dass das große Geld sich verflüchtigen würde, sobald man es einer Steuer unterwirft. Das ist Quatsch! Bis jetzt ist das Kapital immer dahin zurückgekommen, wo es geordnete Verhältnisse gibt. Geordnete Verhältnisse gibt es nur, wo soziale Gerechtigkeit herrscht, eine Regierung die Wertvorstellungen ihrer Bürger in Gesetzen festschreibt und dafür sorgt, dass diese auch umgesetzt werden. Hallo Politiker, packt es an, sonst seid ihr fehl am Platz und wir wählen andere!

Herzlichst


Hildegard Denninger

Orchideenkinder

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck

Neulich habe ich im Bayerischen Fernsehen eine Dokumentation gesehen, in der es darum ging, wie schlimme Erfahrungen und ein schlechtes Leben der Elterngeneration auch die Entwicklung zukünftiger Generationen negativ beeinflussen können. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das nicht nur bei den Betroffenen selbst Depressionen und andere psychische Erkrankungen auslöst, sondern sich auch die Gene verändern und so diese Dispositionen vererbt werden. Unumkehrbar ist das aber nicht. Wenn sich das Leben und das soziale Umfeld dieser Menschen zum Guten verändern, dann wirkt sich das längerfristig auch wieder positiv auf ihre Gene und die der Nachkommen aus.

In der Sendung unterschieden die Forscher zwei Typen: Löwenzahn- und Orchideenkinder. Löwenzahnkinder sind robust und kämpfen sich überall durch. Löwenzahn wächst und gedeiht, auch wenn Untergrund und Witterungsbedingungen nicht optimal sind. Orchideen hingegen sind zart und empfindlich, sie brauchen ein sonniges Plätzchen und die richtige Pflege. Wenn sie das aber haben, bringen sie wunderhübsche Blüten hervor und sind von einer unglaublichen Vielfalt und Farbenpracht. Die Schlussfolgerung aus der wissenschaftlichen Forschung ist klar: Wir müssen in unserer Gesellschaft ein gutes soziales Umfeld für möglichst viele Menschen schaffen.

Auch bei BISS gibt es Orchideenkinder – die Kinder unserer Verkäufer. Sie machen uns viel Freude! Einige dieser Kinder stehen schon auf eigenen Beinen, haben ihre Lehre abgeschlossen und arbeiten erfolgreich in ihren Berufen. Zwei studieren noch, und drei von den jüngeren haben uns gerade ihre Halbjahreszeugnisse gebracht. Es waren gute Zeugnisse, unser jüngstes Orchideenmädchen ist sogar Klassensprecherin. Wir, ihre BISS-Onkel und -Tanten, sind stolz auf die klugen, hübschen Kinder unserer Verkäufer und ihre gute Entwicklung. Es brauchte etwas Zeit, aber dann zeigten sich Erfolge. Wir nutzten die Angebote der Stadt München wie Nachhilfe, Ferien- und Familienangebote und haben diese unsererseits sinnvoll ergänzt. Beispielsweise um eine Belohnung für gute Zeugnisse, Zuschüsse zum Ferienlager aus unserem Spendentopf oder um das Versprechen, beim FC Bayern wegen einer Eintrittskarte nachzufragen, wenn ein unterschriebener Lehrvertrag vorliegt.

Man muss am Ball bleiben. Zeit, Geld und genug Lehrer für die Kinder einsetzen. Die Landesregierung bestimmt durch die Höhe der Finanzmittel den Rahmen für die Bildungspolitik. Ein guter Kultusminister muss dafür kämpfen, dass genügend Geld für Bildung zur Verfügung steht, damit auch Orchideenkinder wachsen und gedeihen können.

Herzlichst


Hildegard Denninger

Auf Kur

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck

Mit Kuren hatte ich bislang keinerlei Erfahrung. Als ich nach meiner abgeschlossenen Brustkrebstherapie beschloss, mich darauf einzulassen, wusste ich nur, was ich auf keinen Fall wollte: nämlich morgens um vier Uhr Massagen zu bekommen. Wir hatten vor langer Zeit eine Mitarbeiterin, die ganz normal war, bevor sie zur Kur ging, und danach völlig verdreht zurückkam. Wir führten das auf die vielen Anwendungen zurück, die sie sich zu sehr unüblichen Zeiten verordnet hatte.

Meine Kur ist kein selbst verordneter Wellnessurlaub, sondern eine AHB, eine Anschlussheilbehandlung, die jeder bekommt, der sie braucht. Sie wird entweder von der Krankenkasse oder der Rentenversicherung bezahlt und dauert mindestens drei, bei Bedarf auch vier Wochen oder länger. In dieser Zeit sollen sich Menschen, die eine schwere Krankheit hinter sich haben, körperlich und seelisch erholen. Damit sie wieder einsteigen können in den Alltag, in den Beruf, in die Familie oder sich so lange wie möglich selbst versorgen können.

Man sagte mir, dass nur in Deutschland solche Reha-Maßnahmen bezahlt werden. Dieses System der Sozialversicherung haben unsere Urgroßeltern erkämpft, und es wurde von unseren Großeltern und Eltern hochgehalten und ausgebaut. Sie haben erkannt, wie wichtig es für eine Volkswirtschaft und für den sozialen Frieden ist, dass Menschen nicht nur in der akuten Phase einer Krankheit gut von Ärzten behandelt werden, sondern dass für eine vollständige Wiederherstellung der Gesundheit gesorgt wird. Und zwar unabhängig vom Geldbeutel – das ist das Soziale an unserer Sozialversicherung. Unsere Vorfahren, die selbst schwere Zeiten durchleben mussten, wollten, dass alle Bürger ihre volle Arbeitskraft für den Staat einsetzen und im Gegenzug dafür in Frieden und in geordneten Verhältnissen leben können. Wir können stolz auf sie sein, auf ihre Weitsicht und ihre Menschlichkeit, und wir müssen deshalb unser Sozialsystem mit Klauen und Zähnen verteidigen: gegen Neoliberale, die alles privatisieren wollen außer ihre Spekulationsverluste. Gegen sogenannte Konservative, die nicht mehr an Werte glauben, sondern nur noch für sich und ihre privilegierten Seilschaften die Macht erhalten wollen. Gegen Geizige und Gierige, die nur an sich selbst denken.

Mein persönliches Ziel für die zweite Kurwoche ist, beim Nordic Walking Beine und Arme im richtigen Takt zu schwingen. Lachen Sie nicht, das ist für unsportliche Menschen wie mich gar nicht so einfach. So, und jetzt muss ich zum Essen, wo ich mit Vera, Monika, Willi, Boris und Erich am Tisch sitze. Wir unterhalten uns prächtig. Manchmal reden wir auch über unsere Krankheiten. Aber meistens über Gott und die Welt.

Herzlichst


Hildegard Denninger

Das Sank-Florians-Prinzip

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck

Kein Land kann unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen, und in Ländern mit einer funktionierenden Staats- und Rechtsordnung wird natürlich überprüft, ob jemand dort arbeiten darf. Nur wer legal arbeitet, zahlt Steuern und Sozialabgaben. Aus dieser Pflicht ergibt sich für die Einzahler das Recht, Sozialleistungen zu empfangen. Klar ist aber auch, dass Asylsuchende arme und oft verzweifelte Menschen sind und es keine Lösung ist, sie zwischen Zweit- und Drittländern hin und her zu schieben oder über Jahre in sogenannten Übergangswohnheimen abzustellen (siehe S. 6). Es ist menschenverachtend, Flüchtlinge über so lange Zeit zur Untätigkeit zu verdammen und sie ohne adäquate Unterstützung in einem fremden Kulturkreis allein zu lassen. Wir sind hier in Bayern, einem christlichen Land, und wir leben – wie die Regierung nicht müde wird, hervorzuheben – im schönsten und reichsten Bundesland. Wir sind überall vornedran. Wir haben die höchsten Berge, die niedrigsten Arbeitslosenzahlen und die trickreichsten Politiker.

Aber auch die werden irgendwann erkennen müssen, dass man Asylbewerber zwar aus einem Ort vergraulen kann, sie sich aber nicht in Luft auflösen. Sie tauchen unter, vielleicht in München, vielleicht in einem anderen Bundesland. Das Sankt-Florians-Prinzip löst keine Probleme, es schafft neue. Man macht Menschen kaputt, wenn man sie behandelt wie eine wertlose Ware und ihnen auf vielerlei Weise zeigt, wie wenig man von ihnen und ihren Fähigkeiten hält. Diese Vertreibungstaktik ist schandbar und dumm. Nur wenn man die Menschen achtet und sie fördert, haben sie eine Chance, sich zu entwickeln.

Meine Schwester hat mir neulich von einer Bekannten erzählt, die eine Tochter und einen autistischen Sohn hat, der hochbegabt ist, aber lange als zurückgeblieben angesehen wurde. Besonders von einer Nachbarin, die die beiden von oben herab behandelte und immer, wenn sich Gelegenheit bot, mit ihren eigenen Kindern prahlte. So fragte sie eines Tages die Schwester des autistischen Jungen: “Kannst du auch schon ‘Zwetschgen’ sagen?” Das kleine Mädchen guckte die Nachbarin an, wartete einen Moment und sagte dann laut und deutlich “Pflaumen”. Die Nachbarin ist heute ziemlich einsam. Die Frau aber hat eine gute Beziehung zu ihrer Tochter und ihrem Sohn. Der hat seinen Wunschberuf erlernt und ist Gärtner geworden. Er kennt sich aus mit Zwetschgen und Pflaumen. Nie aber hätte er sich so entwickeln können, wenn ihn seine Familie nicht nach Kräften gefördert hätte. Wo die Familie das nicht leisten kann, müssen der Staat und seine Bürger einspringen. Dann können diese Menschen auch wieder den Staat unterstützen. Eigentlich einfach.

Herzlichst


Hildegard Denninger

Frauen und Hosen

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck

Wir BISSler sind meistens unserer Zeit voraus. Das trifft auch bei der Quote für weibliche Führungskräfte zu. Während die Belegschaft zu 80 Prozent aus Männern und 20 Prozent aus Frauen besteht, sind in der Vorstandschaft des Vereins die Frauen in der Überzahl und die Chefredaktion sowie die Geschäftsleitung sind ebenfalls weiblich. Bei BISS haben also die Frauen die Hosen an.

Ich wundere mich manchmal selbst darüber, dass sich das so ergeben hat, denn früher war es mir immer lieber, wenn im Büro mehr Männer als Frauen um mich waren. Ich fand, dass es unkomplizierter ist, mit Männern zusammenzuarbeiten. Sie sind nicht so zickig, fand ich. Und nach meiner kurzen Erfahrung mit Spielplatz-Müttern hatte ich einen regelrechten Horror vor reinen Frauengruppen. Sie gingen mir auf die Nerven. Und ich lebte in dem Glauben, dass Frauen, wenn sie nur wollten, sehr wohl gleichberechtigt sein könnten. Hätten sie sich halt auch einen emanzipierten Mann suchen müssen, der sie mit der Erziehung der Kinder und dem Haushalt nicht alleine lässt. Müssen sie halt auch gucken, dass sie genug Geld verdienen, damit sie auch die Familie ernähren können. Müssen sie sich halt kümmern, dachte ich.

Irgendwann im Laufe meines Lebens merkte ich dann, dass das zwar stimmt, aber alles nicht so einfach ist. Dass nicht alle Menschen – und da hat meine Arbeit bei BISS einen maßgeblichen Anteil daran – die gleichen Chancen haben und schon gar nicht alle Frauen. Und ich bemerkte auch, dass bei Frauen Verstand und Herz oft besser zusammengehen als bei Männern und dass das nicht nur für ein Sozialunternehmen sehr von Vorteil ist. Frauen geben weniger an, sind zurückhaltender, ihre Vorteile und ihr Können anzupreisen. Aber wenn sie sagen, dass sie etwas können, dann ist das auch so. Ich habe bislang keine gnadenlosen Selbstvermarkter weiblichen Geschlechts getroffen, aber viele männliche Exemplare kennengelernt. Und ich habe mich oft gewundert und wundere mich noch, wie lange manche Leute in der Wirtschaft, in der Politik und auch im Sozialsektor ungestraft damit durchkommen.

Aber ich bin nicht voreingenommen. Mir geht es einfach darum, kompetente, kluge Mitarbeiter zu haben, die ihren Job hervorragend beherrschen, hochmotiviert sind und sich überdurchschnittlich engagieren. Und natürlich müssen sie warmherzig sein und wissen, worauf es ankommt im Leben. Wenn Ihnen so ein Mann über den Weg läuft, schicken Sie ihn doch zu BISS. Denn unsere Frauenquote haben wir ja schon erfüllt.

Herzlichst


Hildegard Denninger

Was für ein Jahr!

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck

Ich bin froh, dass sich dieses Jahr dem Ende zuneigt. Denn nach alldem, was passiert ist, hätte man leicht zwei draus machen können. Das Schmerzhafteste war, dass die bayerische CSU/FDP-Regierungsmehrheit im Mai unserem sozialen Projekt Hotel BISS, in dem wir 40 Ausbildungsplätze für benachteiligte junge Menschen geschaffen hätten, den Garaus gemacht hat (S. 29). Schnelles Geld, mit dem man Finanzlöcher stopfen kann, wurde einem langfristigen gesellschaftlichen Gewinn vorgezogen. Die Spenden und die Unterstützung von Zehntausenden von Menschen wurden genauso ungerührt beiseitegewischt wie die Zukunftschancen junger Menschen und unsere Arbeit der letzten zehn Jahre. Dieses Desaster war ein vermeidbares, verursacht von in Routine erstarrten Politikern mit einer Arroganz und Gleichgültigkeit, die ihresgleichen suchen. Deshalb brauchte es einige Zeit, bis unsere Trauer und unser Zorn überwunden und unsere Tränen getrocknet waren.

Nicht auf menschlichem Versagen beruhte, dass ich mich kurz danach einer Brustkrebsoperation unterziehen musste und anschließend noch eine vorbeugende Chemotherapie gemacht habe, die bis Ende Oktober dauerte. Vier Monate lang habe ich es geschafft, nach vorne zu blicken und die Nase oben zu behalten. Die letzten vierzehn Tage habe ich dann die Geduld verloren und es packte mich der Neid auf alle Gesunden. Das ist nun glücklicherweise auch vorüber. Denn ich habe persönlich und als Geschäftsführerin von BISS viele Gründe, dankbar zu sein: Ich habe alles gut überstanden und konnte sogar während der ganzen Zeit – von zu Hause aus – die für BISS notwendigen Arbeiten erledigen. Mein Mann vertrat mich nach außen, und meine Mitarbeiter, die Redaktion und die Verkäufer leisteten – jeder an seinem Platz – gute Arbeit. Die BISSler, meine Familie und Freunde hatten quasi einen Schutzwall um mich gebaut. Und Ihre Briefe, Karten und Mails, liebe Leserinnen und Leser, haben mir sehr gutgetan. Genauso wie die Klöße mit Soße und grünem Gemüse aus Oberfranken, die ich immer essen konnte, auch wenn sonst nichts mehr ging.

Ganz besonders dankbar aber bin ich Ihnen, liebe Leser und Freunde und Gönner von BISS, weil Sie an unserer Seite bleiben und uns so großzügig unterstützen. Wir brauchen Sie auch weiterhin und hoffen, dass Sie uns nach der Erhöhung des Heftpreises auf 2,20 Euro treu bleiben. Das wünsche ich mir sehr! Und Ihnen wünsche ich von ganzem Herzen – auch im Namen unserer Verkäufer, der Redaktion und des Vereins BISS – frohe Weihnachten und ein gesundes und friedliches neues Jahr.

Herzlichst


Hildegard Denninger

Ein Plan für B

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck

Ich kann mich noch gut an eine Elternversammlung vor etwa zehn Jahren erinnern. Im Gymnasium meiner Kinder waren über viele Wochen hinweg Unterrichtsstunden ausgefallen. Meine Kinder liebten ihre Schule und mochten die meisten ihrer Lehrer. Auch deshalb wollte ich mithelfen, das Problem mit den Stundenausfällen schnell zu lösen, und machte einige Vorschläge. Da kam ich dem stellvertretenden Schulleiter aber gerade recht! Pensionierte Lehrer zurückholen, nichtpädagogische Fachleute aus der Wirtschaft anfragen, dem Ministerpräsidenten schreiben, dem Kultusminister gemeinsam mit den Eltern auf die Pelle rücken? Absurd! Und das Entwickeln von Bildungsplänen solle ich bitte dem Kultusministerium überlassen. Über ein Jahrzehnt später kam das Bayerische Kultusministerium auf die gleichen absurden Ideen – es wurden sogar 80-Jährige in den Schuldienst zurückgeholt. Einen Plan für B wie Bildung gibt es allerdings bis heute nicht.

Neulich stand in der SZ zu lesen, dass kurz nach Schulanfang wieder Notbetrieb gefahren werde, die mobile Lehrerreserve aufgebraucht und der Geldtopf für Aushilfslehrer fast leer sei. Der Kultusminister “hoffe” (na prima!), dass er den Kampf gegen den Unterrichtsausfall bald mit mehr finanziellen Mitteln unterlegen könne. Also alles wie damals? Nicht ganz. Wertkonservative Bürger aus allen politischen Lagern beginnen gegen diese Art der Volksverdummung aufzubegehren: Es kann doch nicht sein, dass die Regierung einerseits vorgibt, Bildung sei Chefsache, aber gleichzeitig nicht ausreichend Geld für die Schulen bereitstellt, sodass der Unterricht wie geplant stattfinden kann. Eltern fordern auf öffentlichen Veranstaltungen, dass die Regierung Geld für die Lehrkräfte bereitstellen muss, wie für andere Projekte in Bayern, die der Politik offensichtlich wichtiger sind.

Ich finde, dass die öffentlichen Schulen bestens ausgestattet sein müssen, denn Kinder sollen in der Schule erfahren, dass sie der Gesellschaft etwas wert sind, dazu gehören engagierte Lehrer, genügend Bücher und ordentlich renovierte Klassenzimmer. Dazu gehört auch, dass Kinder aus kleinen Verhältnissen Nachhilfe bekommen, wenn sie eine brauchen. Das ist mit einem bürokratischen Monster wie dem Bildungspaket nicht zu erreichen, sondern dazu braucht es außer einem langfristigen, durchdachten Plan mehr Krippen-, Kindergartenplätze und Ganztagsschulen, damit Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten miteinander und voneinander lernen können. Das kostet Geld, aber dieses Geld bekommt die Gesellschaft mit Zinsen zurück – in harter und in weicher Währung.

Herzlichst


Hildegard Denninger

Wir suchen Verstärkung!

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger

BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger
Foto: Stephan Höck

Die ersten BISS-Verkäufer waren obdachlose Menschen. Durch unsere Werbekampagnen, durch Medienberichte sowie durch Sozialarbeiter, die uns weiterempfahlen, wurden sie auf BISS aufmerksam. Viele Verkäufer der ersten Stunde sind uns bis heute treu geblieben. Zusammen mit ihnen und unseren Freunden und Gönnern haben wir das BISS-Modell verwirklicht, das auf Festanstellung und Generalsanierung setzt (s. S. 27). Wir unterstützen seit 1998 die Verkäufer bei der Altersvorsorge und haben den Moshammer- Bonus für Altersteilzeit entwickelt, damit unsere langjährigen Verkäufer nicht zum Sozialamt müssen, wenn sie gebrechlich werden und ihre Stunden am Verkaufsplatz reduzieren müssen.

Wir wollen nun, wie andere kluge Unternehmen auch, rechtzeitig Nachwuchs rekrutieren, damit wir unsere Auflage auch in Zukunft halten und den Geschäftsbetrieb weiterhin mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Zeitschrift und durch Anzeigen finanzieren können. Mit unserer neuen BISS-Kampagne (s. S. 21) werben wir daher um Menschen, die sich vielleicht von einem Modell überzeugen lassen, das bessere Erwerbschancen und ein festes Arbeitsverhältnis im Angebot hat. Wir haben uns als Zielgruppe die Flaschensammler ausgesucht. Oft sind das arbeitslose Menschen, die aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen keine Arbeit finden. Oder ältere Rentner, die in guten Zeiten zwar das Existenzminimum zur Verfügung haben, aber in Not geraten, sobald sie krank werden. Wir möchten, dass diese Menschen von unserem Angebot hören und zu uns kommen, um im Gespräch mit uns herauszufinden, ob BISS eine Alternative für sie ist.

Ich hoffe, dass unsere Kampagne ein Erfolg wird, denn wir haben so viel anzubieten: Zuzahlungen zu Medikamenten, Zahnsanierungen, Hilfe bei der Wohnungssuche und dem Möbelkauf, Entschuldungen und vieles mehr. Und natürlich die Einbindung in ein mittelständisches, lebhaftes Unternehmen, nette Kollegen, eine fast immer gut gelaunte Chefin und die treuesten und liebenswürdigsten Kunden, die eine Firma haben kann.

Auch Sie können uns helfen, die Kampagne unter den Flaschensammlern bekannt zu machen. Wenn Sie einer der 6000 Käufer sind, in deren Magazin ein Bogen mit Aufklebern beiliegt, können Sie damit Glas-Pfandflaschen bekleben und sie an Orten abstellen, wo sie gefunden werden.

Dank der guten Sozialpolitik der Stadt ist es in den letzten zwanzig Jahren gelungen, die Obdachlosigkeit abzubauen. Noch gibt es im Vergleich zu anderen Großstädten wenige obdachlose Menschen in München. Mit unserem Angebot möchten wir dazu beitragen, dass dies so bleibt.

Herzlichst


Hildegard Denninger