Wildnis tut einer Stadt gut

Architekt Christian Herde über Schönheit und Langeweile. Und warum in München Lücken fehlen

Ist München aus architektonischer Sicht schön? Es ist auf jeden Fall eine Stadt, in der ich gern lebe und mich wohlfühle. Aber ob München schön ist oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab und hat nur am Rande etwas mit Architektur zu tun.

Macht schöne Architektur eine Stadt etwa nicht lebenswert? Doch, schon. Aber zu einer Stadt gehören nicht nur die schönen Seiten, sondern auch die Rückseiten und schmutzigen Stellen. Das ist wie bei einem Gesicht: Wenn die Nase etwas schief sitzt oder ein Pickel auf der Backe wächst, dann stört das nicht. Makellosigkeit dagegen wirkt künstlich. Damit eine Stadt wirklich lebenswert ist, braucht sie mehr als Schönheit. Wenn alles toll renoviert und vorzeigbar ist, entsteht nicht zwangsläufig Schönheit, sondern etwas wie Disneyland. Lesen Sie weiter bei »Wildnis tut einer Stadt gut«…

Profiteure des Mangels

In München haben Immobilienmakler leichtes Spiel – sie müssen kaum etwas tun und kassieren hohe Provisionen

Immobilienmakler lieben München. Denn hier gibt es viel zu wenig Wohnungen, unverschämt hohe Mieten sowie jede Menge Gutverdiener und Zuzügler. Ein Traum. Wer sich nicht total dämlich anstellt, kann ein Vermögen verdienen – ohne sich allzu sehr anzustrengen. Maklerverbände beteuern zwar, dass sie selbst unter dem Wohnungsmangel litten, schließlich verursache er limitierte Einnahmequellen. Doch wenn die Einkünfte tatsächlich so niedrig sind, warum reißen sich dann allein in München rund 2500 Makler um Aufträge? Dagegen, dass eine Berufsgruppe mit wenig Arbeit viel Geld verdient, ist nichts einzuwenden. Soll sie nur. Lesen Sie weiter bei »Profiteure des Mangels«…

Das gefühlte Todesurteil

Thomas stand mitten im Leben. Dann kam der Krebs. Der Kampf gegen ihn ist noch nicht zu Ende. Und doch sagt Thomas  heute: „Ich bin froh, dass es passiert ist“

Drei Wochen nach meinem 41. Geburtstag stürzte meine Welt ein. „Sie müssen ins Krankenhaus. Blasentumor!“, sagte meine Urologin. Ich und ein Tumor? Zum letzten Mal im Krankenhaus war ich mit 14. Seitdem hatte ich keine schweren Krankheiten oder Unfälle mehr. Ich war mir sicher: Jemand wie ich bekommt keinen Tumor. Ich mache Sport, ernähre mich gesund, rauche nicht – und jetzt das. Mir wurde schwindelig. Langsam breitete sich in meinem Kopf ein fieses Stechen aus. Ich zitterte. Vor der Praxis erste Telefonate übers Handy: Freundin, Eltern, Geschwister. Sie reagierten geschockt. Lesen Sie weiter bei »Das gefühlte Todesurteil«…

Wundermittel Wort

Wer krank ist, braucht einen Arzt, der sich Zeit nimmt. Dann können sogar Gespräche helfen, um schneller gesund zu werden

Rein, raus. Und zwar schnell. In deutschen Arztpraxen zählt jede Minute. Die Wartezimmer sind voll, der Umsatz muss stimmen, und für ausführliche Gespräche oder aufmunternde Worte ist kaum Zeit. Viele Patienten fühlen sich abgefertigt und alleingelassen. Offenbar fehlt etwas ganz Entscheidendes: Menschlichkeit. Schon Hippokrates, der Vater der Medizin, wusste: „Manche Patienten werden – obgleich sie sich der Bedrohlichkeit ihrer Lage bewusst sind – allein schon durch ihr gutes Einvernehmen mit ihrem Arzt wieder gesund.“ Dennoch ist Vertrauen die Ausnahme. Lesen Sie weiter bei »Wundermittel Wort«…

Hartz IV ist ein Ärgernis!

Münchens oberster Armutsbekämpfer, Friedrich Graffe, über das gute soziale Netz in München – und den Skandal, dass die Armut trotzdem steigt

Wie würden Sie einem kleinen Kind in einfachen Sätzen Ihren Job als Sozialreferent erklären?
Meiner zweijährigen Tochter sage ich immer: Ich gehe arbeiten.

Reicht ihr das? Ja. Manchmal sagt sie dann: Ich auch arbeiten! Aber wie sollte ich ihr kindgerecht erklären, was genau im Sozialreferat geschieht? Lesen Sie weiter bei »Hartz IV ist ein Ärgernis!«…

Hauptsache, kein Hartz IV!

Arm trotz Arbeit: Beschäftigte im Niedriglohnsektor

Kurierfahrer, Putzfrauen, Wachmänner, Küchenhilfen und Verkäufer: In diesen Berufen arbeiten immer mehr Menschen für Löhne, die nicht einmal für Miete und Lebensmittel reichen. Im Niedriglohnsektor werden beispielsweise bei Frisören nur rund fünf Euro pro Stunde bezahlt. Ganz offiziell, ganz legal. „Ich bekomme einen Stundenlohn von sechs Euro. Jeder kann sich ausrechnen, dass man damit in München kaum über die Runden kommt“, sagt Thomas Lesler, der als sogenannte Servicekraft in einer Gaststätte in der Nähe des Hauptbahnhofs arbeitet. Sein Lebensstandard liegt nur einen Hauch über dem eines Hartz- IV-Empfängers. Lesen Sie weiter bei »Hauptsache, kein Hartz IV!«…

Worauf schwören Ärzte?

Die Bestimmungen im Gesundheitswesen machen es Ärzten schwer, sich an ihre ethischen
Grundsätze zu halten

Dr. Hans Krezdorn überlegt nicht lange. Der Internist mit Praxis in der Münchner Innenstadt beantwortet die Frage nach der Bedeutung des hippokratischen Eids sofort: „Die Grundsätze dieses Gelöbnisses sind für mich der Motor, der antreibt. Sie haben einen hohen Stellenwert. Den Patienten zuzuhören und versuchen zu helfen – das ist die Prämisse.“ Dr. Krezdorn, der rund 850 Kassenund 150 Privatpatienten betreut,muss an manchen Tagen bis zu 80 Gespräche und Behandlungen bewältigen.„Wenn man in Anbetracht dieser harten Arbeit und der extrem verschlechterten Rahmenbedingungen nicht Grundsätze hätte, denen man sich verpflichtet fühlt, würde man vor der Belastung davonlaufen. Nur wer diesen Job gern macht, hält das auf Dauer durch“, sagt der 54-Jährige. Allerdings: Wie nahezu alle Ärzte hat auch Dr. Krezdorn den Eid weder öffentlich noch im Kreis von Kollegen geleistet, jedoch mit dem Antrag auf Approbation die für Mediziner geltenden Grundsätze schriftlich bestätigt. Lesen Sie weiter bei »Worauf schwören Ärzte?«…