Standplatz: vor dem Pflanzen Kölle in Unterhaching

Eberhard Stephan an seinem Standplatz

Eberhard Stephan an seinem Standplatz | Foto: Nikolas Fabian Kammerer

Was glauben Sie, was mein Hund Windsor so alles zu fressen kriegt, seit ich hier die BISS verkaufe? Fünfzig Prozent der Leute kommen nur seinetwegen auf mich zu, manche bringen sogar eine Dose Futter für ihn mit. Ich kann meinen Hund nicht allein zu Hause lassen, er ist seit zwölf Jahren bei mir, also zeit seines Lebens. Ich bin seit einem dreiviertel Jahr bei BISS. Da ich nur eine kleine Rente bekomme, die zum Leben kaum reicht, habe ich eines Tages einfach einen BISS-Verkäufer angesprochen und ihn gefragt, wie man zur BISS kommt.

Ein paar Tage später war ich auch dabei. Meinen Verkaufsplatz habe ich eigenständig aufgetan, das heißt, es war eigentlich ein Tipp meiner Schwester, die gesagt hat, dass hier so viele Leute sind, gutes Publikum, Haute Volée. Es ist zwar umständlich für mich, hierherzukommen, erst mit dem Bus, dann mit der U-Bahn, dann noch einmal mit der S-Bahn und wieder mit dem Bus, insgesamt dauert das eine dreiviertel Stunde, aber es lohnt sich. Es gibt viele Pflanzenfreunde, die hier täglich ein und ausgehen, die kaufen immer mal wieder eine Blume, und viele freuen sich, dass sie hier nun auch die BISS bekommen. Ich genieße es, mich mit den Leuten zu unterhalten. Wenn man immer allein zu Hause sitzt, bekommt man nur Depressionen.

Manche Menschen hätten sicher Hemmungen, sich wie ich als “Bürger in sozialen Schwierigkeiten” zu erkennen zu geben, aber ich habe damit kein Problem. Meinen erlernten Beruf Teppichweber gibt es nicht mehr, deshalb habe ich bis zur Rente elf Jahre lang bei der Bahn gearbeitet. Ich habe im Speisewagen bedient und bin als Servicemann mit der Mini-Bar durch die Abteile gefahren. Finanziell stehe ich heute nicht so gut da, weil ich damals nicht so viel verdient habe. Als BISS-Verkäufer kann ich mir nun wieder leisten, worauf ich längere Zeit verzichten musste, zum Beispiel ein neues Paar Schuhe oder etwas zum Anziehen. Für den Winter, wenn es vor dem Pflanzengeschäft zu kalt wird, muss ich mich um einen anderen Verkaufsplatz bemühen, vielleicht in einem U-Bahnhof.