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BISS-Flashmob singt mit Hans Well Winter ade!
Pressemitteilung
Winter ade, scheiden tut weh! Die Hotel BISS – Initiatoren singen dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Bayerischen Landtags, Georg Winter (CSU) ein Ständchen zu seinem Rücktritt. Hans Well von der Biermösl-Familie begleitet sie dazu mit dem Akkordeon
Ort und Zeit: Auf der Brücke vor dem Maximilianeum,
Donnerstag 2. Mai 2013, 14 Uhr
Im Mai 2011 hat der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags unter Federführung von Georg Winter entschieden, dass das ehemalige Frauengefängnis Am Neudeck nicht an die gemeinnützige Stiftung BISS verkauft wird, sondern an einen kommerziellen Immobilieninvestor. Georg Winter war es auch, der mit aller Macht und Verfahrenstricks verhinderte, dass die Befürworter des sozialen Projekts Hotel BISS vor der Abstimmung im Landtag noch einmal zu Wort kamen und so vielleicht einen Sinneswandel hätten herbeiführen können. Denn die Veräußerung des Grundstücks an die Stiftung BISS zum Verkehrswert wäre im Rahmen des Bayerischen Haushaltsrechts möglich gewesen. Seither ist nichts mehr passiert, das alte Gefängnis steht seit 2009 leer. Ende 2011 wurde öffentlich, dass eine Bankverbindung des Investors „geplatzt“ war und er den Kaufpreis zunächst nicht entrichtet hat, über dessen tatsächliche Höhe die Bayerische Regierung trotz Anfragen von Bürgern und Parteien keine Auskunft gibt.
Ministerpräsident Seehofer und das Finanzministerium konnten sich auf Georg Winter verlassen. Er hat dafür gesorgt, dass nicht die Wertschöpfung für die Gesell-schaft das Kriterium bei der Vergabe war, sondern der kurzfristige finanzielle Gewinn.
Über Hotel BISS
BISS wollte das ehemalige Münchner Frauen- und Jugendgefängnis Am Neudeck unter Einhaltung des Denkmalschutzes und Erhalt des alten Baumbestandes in ein Hotel der gehobenen Klasse umbauen, um damit 40 jungen Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten eine umfassende, erstklassige Ausbildung zu ermöglichen. Hotel BISS konnte zum Zeitpunkt, als die bayerische CSU-/FDP-Regierung das Grundstück einem kommerziellen Immobilienverwerter verkaufte, Folgendes vorweisen:
- die Förderung der Bayerischen Landesstiftung in Höhe von 2,5 Millionen Euro
- die Förderzusage der Landeshauptstadt München in Höhe von 500.000 Euro
- über 1,5 Millionen Euro an Spenden
- über 1,3 Millionen Euro an privaten Darlehen
- die Zusage der Bank über die Gesamtfinanzierung von 18 Millionen Euro
- eine positiv beschiedene Bauvoranfrage durch die Landeshauptstadt
- über 15.000 Unterschriften unter die Online-Petition „Herr Ministerpräsident Seehofer: Retten Sie Hotel BISS!
- Die langjährige Unterstützung von Tausenden Befürwortern aus allen Schichten der Gesellschaft.
Auskunft gibt BISS-Geschäftsführerin Hildegard Denninger, Tel. 089-332033
Weitere Informationen finden Sie auch auf, www.hotelbiss.de und www.stiftungbiss.de.
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Von Ingobert Köhler
EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT
Geboren wurde ich 1955 in Halle an der Saale. Aufgewachsen bin ich in einem Dorf in der Nähe. Meine Schulzeit war geprägt davon, dass mein Vater mein Schuldirektor und meine Mutter meine Klassenlehrerin war. Erst als ich die Erweiterte Oberschule in Halle besuchte, merkte ich, wie sehr mich diese Umstände geprägt hatten, vor allem der Erwartungsdruck der beiden. Nach dem Abitur und der Armee arbeitete ich in der Schuhindustrie. Nach wenigen Jahren wurde ich der Verantwortliche für die Aufbau- und Ablauforganisation mit über 45 000 Beschäftigten. In dieser Zeit absolvierte ich ein Fernstudium an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt, welches ich als Diplomingenieurökonom abschloss. Nach der Wende arbeitete ich als Unternehmensberater und Arbeitsvermittler. Persönlich war mein Leben eng mit meiner Familie verbunden. Ich heiratete 1980, 1984 wurde meine Tochter geboren. Im Jahr 2002 baute ich ein Haus in der Nähe meines Elternhauses, damit wir uns um meine Eltern kümmern konnten. Mein Vater war an Parkinson, meine Mutter an Demenz erkrankt. Auch deshalb kam es nach fast 30 Jahren zu Problemen in unserer Ehe. 2009 wurden meine Eltern ins Seniorenheim eingeliefert. In dieser Zeit entspann sich eine Auseinandersetzung mit meiner Tochter und meiner Frau darüber, wer sich um die Eltern kümmern und das Haus erhalten sollte. Der Streit endete damit, dass meine Eltern mir eine Generalvollmacht erteilten und mich zum Alleinerben machten. Das hat das Verhältnis zu Frau und Tochter weiter getrübt – bis ich Hausverbot für mein eigenes Elternhaus bekam. Seitdem habe ich keinen Kontakt mehr zu beiden. Mit Mitte 50 stand ich vor einem Scherbenhaufen. Doch mich packte der Ehrgeiz, mein Leben zu gestalten. In Jena wurde ich Verkäufer der Straßenzeitung „Notausgang“. Durch Kontakte der Redaktion zu BISS entschloss ich mich im Oktober 2012, nach München zu gehen und hier Verkäufer zu werden. Mir wurde der Standplatz an der Münchner Freiheit zugewiesen. Schnell entwickelten sich Kontakte zu den Kunden. Schon Anfang 2013 war ich angestellter Verkäufer. Ich bekam aber Probleme mit der Halswirbelsäule. Nach einer Behandlung geht es mir nun besser und ich starte neu durch. Es ist aber notwendig, dass ich ein Bett zum Schlafen habe. Aus diesem Grund suche ich derzeit eine mittelfristige Lösung in einem Arbeiterwohnheim. Langfristig hoffe ich auf eine eigene Wohnung.
VON USCHI GRASSL
Es war Mitte Februar vor zwei Jahren. Ich kam halb erfroren vom BISS-Verkaufen heim und wurde mit mehreren Miaus von meinem Kater Pauli begrüßt. Nachdem ich mich aus einem Wust von Kleidern geschält hatte, wollte ich mir ein Bad einlassen, als es an meiner Türe läutete. Mein Nachbar war draußen, und er erzählte mir von seinen Katzen. Ich kannte die zwei Katzen, ich sah sie immer an seinem Fenster sitzen. Er erzählte mir, dass er sie im Keller gefunden hatte. Die Mutter und ein lebendes Baby, daneben zwei tote. Die Mutter schrie immer wieder um Hilfe, darauf schaute er im Keller nach, was los sei. Mutter und Sohn einzufangen war ein schwieriges Unterfangen, denn sie lebte bestimmt schon länger auf der Straße und war verwildert. Der Nachbar bemerkte es, und ein paar Tage stellte er Futter und Wasser hin. Er legte auch Decken aus, damit es die beiden warm hatten. Bald entwickelte sich eine Freundschaft zwischen dem Mann und der Kätzin. Sie wusste die Zeiten, wann er kam, und wartete dann schon auf ihn. Langsam legte sie ihre Furcht ab. So kam es, dass er sie und ihr Junges bald in seine Wohnung nehmen konnte. Ja, und jetzt müsse er längere Zeit auf Kur, sagte er mir. Für die Kätzin war gesorgt, aber den Einjährigen wollte keiner. Er erzählte etwas von „Katzenklappe in Solln“. Ich sagte, dass ich ihn gern nehme, denn Pauli war nach dem Tod meiner Kätzin Jeannie doch sehr einsam. Ich wollte ihn dann ganz haben. Der Nachbar willigte ein. Er nahm meine Transportbox, und nach einer halben Stunde kam er mit einem jämmerlich schreienden Kater wieder. Der Kleine schoss aufgeregt durch die Küche und floh auf den Kleiderschrank, wo er zwei Tage lang sitzen blieb. Das Futter stellte ich in die Nähe. Er schrie zwei Stunden, dann legte sich die große Panik. Ich versuchte, ihn zu ignorieren, aber beobachtete ihn. Am nächsten Tag war das Futter leer und er noch immer oben. Oder schon wieder. Also neues Futter. Nach zwei Tagen zog er um. Er fand Platz hinter dem Wohnzimmerschrank, und ich stellte sein Futter in die Nähe. Vielleicht aß er, wenn ich weg war? So ging es eine Zeit. Eines Tages aber kam er zu unserem Ritual. Das geht so: Wenn ich abends vom Verkaufen komme, gibt es ein paar Leckerli. Und da war er auch dabei. Aber streicheln ließ er sich nicht, während Pauli sich seine Streicheleinheiten abholte. Mit Pauli verstand er sich immer besser und zeigte sich öfter. Er kam auch mit Pauli an die Futterstelle, die sich in der Küche befindet. Langsam gewöhnte er sich an seinen neuen Namen: Felix heißt „der Glückliche“, und das sollte er werden. In der Folgezeit suchte Felix auch meine Nähe und ließ sich streicheln. Das alles dauerte zwei Jahre. Bis heute ist Felix scheu. Wenn Besuch kommt, dann verkriecht er sich, und das Einfangen, wenn wir zum Tierarzt müssen, ist ein Drama. Ich hole dann sein Exherrchen. Felix fürchtet wahrscheinlich, wegzumüssen. Aber alles in allem hat sich der kleine Kater gut eingelebt. Zuweilen ist er auch ein wenig frech, und wie sein Kumpel Pauli ist er ein richtiger Gourmet geworden – und beide sind anhänglich wie Hunde.
Immer mehr Bürger in Deutschland sind vom wirtschaftlichen Reichtum des Landes ausgeschlossen. Mit ihrem Buch „Wir müssen leider draußen bleiben – Die neue Armut in der Konsumgesellschaft“ macht sich die Münchner Autorin Kathrin Hartmann zur Anwältin der Armen. Im Interview erläutert sie unter anderem, warum Tafeln gegen die Armut nicht helfen
INTERVIEW ANDREAS GLAS
Frau Hartmann, ist Armut in München sichtbar?
Kaum. Weil viele Menschen versuchen, ihre Armut zu verstecken. Zu den Tafeln kommen die Leute teilweise in Anzug und Pelzmantel, das habe ich selbst erlebt. In anderen Städten, zum Beispiel im Ruhrgebiet, ist die Armut offensichtlicher. In München begegnet sie einem erst auf den zweiten Blick: wenn jemand zum Beispiel einen etwas zu vollen Trolley hinter sich herzieht, aus dem zwei leere Pfandflaschen schauen, die er vorher aus dem Mülleimer gefischt hat.
Was sagt dieses Versteckspiel über die Stadt München aus?
München ist eine sehr reiche Stadt, in der es traditionell einen gewissen Glamour gibt und viele Leute einen auf dicke Hose machen. Und immer da, wo die gesellschaftlichen Unterschiede besonders groß sind, ist auch die Verachtung für Arme größer. Man wird sofort als fauler Sozialschmarotzer abgestempelt. Da ist es besser, die eigene Armut zu verstecken, als so verurteilt zu werden.
In Ihrem Buch „Wir müssen leider draußen bleiben – Die neue Armut in der Konsumgesellschaft“ beschweren Sie sich ganz massiv über solche Klischees. Warum?
Weil Armut mit dem Klischee des Sozialschmarotzers nichts zu tun hat. Die Armut tritt heute massenhaft auf und kann jeden erwischen. Vielen ist nicht bewusst, dass der Abstieg ganz schnell gehen kann – gerade in einer Stadt wie München, in der die Mieten und Lebenshaltungskosten unglaublich hoch sind. Erst kannst du deine Miete nicht mehr bezahlen, dann verlierst du die Wohnung und den Anschluss an das gesellschaftliche Leben – weil du es dir nicht mehr leisten kannst und weit weg davon bist.
Und dann kommt die Resignation, die viele als Faulheit verurteilen?
Nicht bei allen, viele Arme arbeiten ja und können trotzdem nicht davon leben. Aber dass Demütigung, Ausgrenzung und Verachtung und das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, zu Depressionen und Alkoholismus führen, ist ja nur verständlich. Aber beides sind Krankheiten und kein Fehlverhalten. Trotzdem heißt es dann: Die sind faul und versaufen alles. Diese Schuldzuweisung hört man ganz oft. Das ist fürchterlich.
Lesen Sie weiter bei »Gerechtigkeit statt Amosen«…
Der lange, kalte, düstere Winter hat uns alle strapaziert. Für unsere Verkäufer, von denen viele auf zugigen Plätzen oder ganz im Freien stehen, waren diese Monate besonders schlimm. Während der milde Winter 2011/2012 vom Wetter her ideal war für den Verkauf unserer Straßenzeitschrift, ist es diesmal umgekehrt gewesen. Trotzdem haben wir uns wacker gehalten! Sobald sich ein Sonnenstrahl zeigte, stieg die Laune unserer Leute und der Verkauf der Zeitschrift sprunghaft an. Ich bin stolz auf unsere tapferen, motivierten Außendienstler. Und ich habe mich gefreut, ihnen bei der letzten Verkäufersitzung – unseren Spendern sei Dank! – einen verspäteten „Osterhasen“ überreichen zu können, der ein fröhliches Lächeln auf ihre Gesichter zauberte. Trotzdem warten natürlich alle sehnsüchtigst auf den Frühling. Nicht unbedingt, weil sie, wie die vielen Radl-Begeisterten in diesem Heft, aufs Fahrrad steigen wollen, sondern weil die Sonne die Stimmung hebt und ihren geschundenen Körpern gut tut. Unter unseren Verkäufern haben wir viele Fußgänger, U- und S-Bahn-Fahrer, einige wenige Autofahrer und nur etwa ein Dutzend Fahrradfahrer. „Die meisten von uns sind doch schon froh, wenn sie ohne Probleme laufen können!“, meinte neulich einer, als ich ihm Radlfahren empfahl. Ich selbst bin fast nur mit dem Rad unterwegs. Als ich im vergangenen Jahr bei einem Überholmanöver am Fahrradkorb meines Mannes hängen geblieben und vom Rad gefallen bin, habe ich mir das Handgelenk gebrochen. Seitdem bin ich vorsichtiger geworden, aber Radfahren ist immer noch meine liebste Fortbewegungsart. Außerdem haben wir BISSler durch das soziale Projekt Dynamo Fahrradservice, unseren tollen Kooperationspartner, eine besondere Verbindung zu Fahrrädern, Fahrradmonteuren und Zweiradmechanikern. So wie man sich bei Dynamo um die Mitarbeiter kümmert und versucht, mit jedem einzelnen der Zielgruppen-Angestellten einen Weg zu finden, der ihn beruflich und persönlich weiterbringt, so wünschte ich mir, dass es auch im Großen passiert. Der soziale Betrieb ist ein praktisches Beispiel, wie eine solidarische Gesellschaft funktionieren kann. Die Schwächeren werden nicht an den Rand gedrängt, sondern mit gezielter Hilfe, Wohlwollen und Motivationsanreizen verschiedenster Art werden sie dabei unterstützt, Defizite auszugleichen. Wenn die Politiker mehr Verteilungs- und Bildungsgerechtigkeit schaffen wollen, dann dürfen sie nicht nur darüber sprechen, sondern müssen handeln und dafür auch Geld einsetzen. Es lohnt sich! Denn es bringt Sonne in die Herzen und nützt der ganzen Gesellschaft.
Herzlichst

Ihre Hildegard Denninger
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