
Kräftezehrend: Angehörige von psychisch Kranken fühlen sich oft überfordert. Illustration: Bernhard Zölch
Wer sich um ein psychisch krankes Familienmitglied kümmert, darf eines nicht vergessen: sich selbst. Leseprobe der Reportage zum Schwerpunkt “Verrückt”.
Anfangs denkt Monika Hanauer*, ihr Sohn sei in der Pubertät. Daniel ist wortkarg, rasiert sich immer seltener. Nachts sitzt er in seinem Zimmer und sieht durchs offene Fenster in die Finsternis. „Sei nicht so faul! Warum arbeitest du nichts?“, fragt sein Vater, schließlich soll der Sohn mal den Betrieb übernehmen. „Lasst mir doch meine Ruhe“, sagt der.
Als Daniel seine Ausbildung abgeschlossen hat, muss er ausziehen. Der Kontakt bricht ab. Nach drei Jahren steht er wieder vor der Tür. Abgemagert, in zerrissener Kleidung, mit fettigen Haaren, müden Augen und der Frage: „Darf ich mich bei euch ausruhen?“ Natürlich darf er. Aber wovon ausruhen?, fragen sich seine Eltern.
Eines Tages, Monika Hanauer bügelt gerade Hemden, geht Daniel nervös in der Diele auf und ab. „Ich halte die Schmerzen in meinem Kopf nicht mehr aus! Ich muss auf die Straße!“, schreit er plötzlich, will mit nacktem Oberkörper hinaus. Seine Mutter bringt ihn davon ab, doch sie wagt es nicht, ihn anzufassen. Sie hat Angst vor ihm. Und sie versteht: Mein Sohn ist nicht faul. Mein Sohn ist nicht in einer schwierigen Phase. Mein Sohn ist krank.
Viele Monate und Arztbesuche vergehen, bis die Diagnose feststeht: Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis. Für Daniels Eltern ein Schock. Und irgendwie auch eine Erleichterung: „Endlich wussten wir, was mit ihm los ist.“
Berichte über psychische Erkrankungen drehen sich meist um neue Behandlungsmethoden, um die volkswirtschaftlichen Kosten von Arbeitsausfällen und um die Kranken selbst. Deren Zahl, heißt es dann, habe sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Es gibt aber noch eine andere Gruppe von Betroffenen. Sie ist noch größer. Auch ihre Zahl hat sich verdoppelt. Und oft ist ihr Leben nicht weniger betroffen als das des Patienten selbst: die Eltern, Geschwister, Partner und Freunde psychisch Kranker.
*Namen der Betroffenen geändert
Die ganze Reportage lesen Sie in der September-Ausgabe der BISS, erhältlich bei mehr als 30 BISS-Verkäufern in ganz München.




