Wann ist jemand alkoholkrank? Professor Hans Förstl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie der TU München, über die Sucht und den langsamen Weg zurück
Abends ein Schoppen Wein oder eine Halbe – ist man denn da schon alkoholsüchtig? Zuverlässige Richtwerte gibt es nicht. Allgemein ist ein Mensch dann süchtig, wenn er sein Interesse stark auf das Genussmittel einengt. Gleichzeitig kommt es oft zu einer Toleranzentwicklung, das heißt, man gewöhnt sich an die Droge. Um die gleiche Euphorie oder Entspannung wie am Anfang zu erreichen, muss die Dosis immer weiter gesteigert werden. Als weiteres Kriterium gibt es dann die Entzugserscheinungen, wenn die Droge nicht verfügbar ist. Aber nicht bei jedem Süchtigen sind alle Kriterien gleichermaßen ausgeprägt. Lesen Sie weiter bei »Man kann auch ohne Symptome abhängig sein«…
Sie wollen ja aufräumen, aber sie schaffen es nicht. Wie es zwei Messies doch noch gelungen ist, Ordnung in ihre Wohnungen zu bringen – und in ihr Leben
Ingo Schmidt* hatte lange darüber nachgedacht, wie er sich umbringen sollte. Schließlich fiel ihm ein 18-stöckiges Gebäude im Münchner Osten ein: Von dem wollte er springen. Doch dann erinnerte er sich an einen Film über Albatrosse, den er mal gesehen hatte: Diese großen, schweren Vögel stürzen sich von Klippen, um überhaupt losfliegen zu können. Knapp über dem Wasser kriegen sie die Kurve nach oben und lassen sich vom Aufwind davontragen. Lesen Sie weiter bei »Bis es sich türmt«…
Peter Ernst spritzte schon als Zwölfjähriger Heroin, hatte eine Überdosis und mehrere Entzüge. Seine Geschichte gibt Aufschluss über ein Leben mit harten Drogen
Um nicht in Versuchung zu geraten, flüchtet Peter Ernst unter die Erde. Die Sonne wärmt, ein schöner Tag, es wären nur 50 Meter quer über den Sendlinger-Tor-Platz. Aber schon versinkt Ernst, der in Wirklichkeit anders heißt, mit der Rolltreppe in der U-Bahn-Station, sucht seinen Weg durch die Neonlicht-Welt, taucht auf der anderen Seite wieder auf. „Der Platz da ist heiß“, sagt Peter Ernst, kurz rasierte Haare, normale Statur. Er überquert den Platz nie überirdisch, denn er fürchtet die Versuchung: diejenigen, die auf Bänken rund um die Tramgleise sitzen. Manche haben ungepflegte Gesichter und abgewetzte Kleidung, einige halten sich an Bierflaschen fest, blicken ins Leere. Lesen Sie weiter bei »Ich könnte schon mehrmals tot sein«…
Geht es um Computerspiele, gilt: Aufregen ist einfach, auskennen schwierig. Die Suchtforscherin Regine Pfeiffer berichtet aus der fremden Welt der Spieler
Seit drei Jahren bin ich dabei, dem Spiel „World of Warcraft“ (WoW), auf Deutsch „Welt des Kriegshandwerks“, auf die Schliche zu kommen: Ohne selber zu spielen, im Unsichtbar- Modus gewissermaßen, in dem virtuelle Angreifer sich ihren Opfern nähern, besichtige ich regelmäßig die Zauberwelten von Azeroth, dem riesigen WoW-Land. Und ich sitze als teilnehmende Beobachterin neben bezahlten Spielern, verfolge die Wege ihrer Avatare. Avatar nennt man die Figur, die ein Spieler spielt, also sein virtuelles Alter Ego. Ich höre zu, wie sich Spieler miteinander unterhalten, und analysiere mitgeschnittene Videoclips. Zusätzlich lese ich auf Internet-Seiten die Berichte von Menschen, die sich selber für WoW-süchtig halten oder beschreiben, wie sie die Abhängigkeit überwunden haben. Lesen Sie weiter bei »Spionin in „World of Warcraft“«…
Frauen, die drogenabhängig waren, können bei „Viva Clara“ im Catering-Service arbeiten
„Du stehst morgens auf und hast schon einen Entzug. Du frühstückst nicht, wäschst dich nicht, sondern machst dich nur startklar, um zum Arzt zu gehen. Erst wenn du deine Medikamente genommen hast, kannst du was mit dir anfangen. Und alles bleibt liegen. Es ist dir einfach alles egal. Hauptsache, du hast dein Zeug.“ So beschreibt Jeanette Miller* die Zeit, als sie den Heroinersatzstoff Methadon täglich auf Rezept erhielt. Die junge Mutter ist eine von 31 Frauen, die momentan in der „Arbeits- und Qualifizierungseinrichtung Viva Clara“ arbeiten. Ihre langen braunen Haare umrahmen ein hübsches Gesicht – auch wenn die Sucht Spuren auf Haut und Zähnen der 31-Jährigen hinterlassen hat. Lesen Sie weiter bei »Drogenfreie Köchinnen«…
Wer krank ist, kann nicht arbeiten, so einfach ist das. Und so schwer. BISS-Verkäuferin Halina Massouras hat es erlebt. Und trotzdem nicht aufgegeben
Das Kreuz ist kaputt. Autounfall. Der Magen? Die zweite Spiegelung ist in ein paar Wochen. Der Daumen? Ein Arbeitsunfall mit dem Küchenmesser. Die Lunge? Zu lange im Kühlraum des Restaurants gestanden und keine warme Weste über das verschwitzte T-Shirt gezogen. Die Füße? „Einmal wurde ich gefragt, ob ich zu kleine Schuhe habe.“ Aber an den Schuhen lag es nicht, dass Halina Massouras nur noch in Trippelschritten vorwärtskam. Es lag daran, dass sie einfach nicht mehr konnte. Dass die Nerven in ihrem Rücken nicht mehr mitspielten, dass auch der Rest ihres Körpers nicht mehr mitspielte und dass der Alkohol sein Übriges tat. Lesen Sie weiter bei »Wenn der Körper streikt«…
Thomas stand mitten im Leben. Dann kam der Krebs. Der Kampf gegen ihn ist noch nicht zu Ende. Und doch sagt Thomas heute: „Ich bin froh, dass es passiert ist“
Drei Wochen nach meinem 41. Geburtstag stürzte meine Welt ein. „Sie müssen ins Krankenhaus. Blasentumor!“, sagte meine Urologin. Ich und ein Tumor? Zum letzten Mal im Krankenhaus war ich mit 14. Seitdem hatte ich keine schweren Krankheiten oder Unfälle mehr. Ich war mir sicher: Jemand wie ich bekommt keinen Tumor. Ich mache Sport, ernähre mich gesund, rauche nicht – und jetzt das. Mir wurde schwindelig. Langsam breitete sich in meinem Kopf ein fieses Stechen aus. Ich zitterte. Vor der Praxis erste Telefonate übers Handy: Freundin, Eltern, Geschwister. Sie reagierten geschockt. Lesen Sie weiter bei »Das gefühlte Todesurteil«…
Arzt und Armutsforscher Gerhard Trabert über Missstände in der medizinischen Versorgung
Wie wirkt sich Armut auf die Gesundheit aus? Professor Trabert: Es gibt eindeutig einen Zusammenhang zwischen Armut und Lebenserwartung. Für den dritten Armutsbericht der Bundesregierung hat das Robert Koch-Institut das reichste Viertel der Bevölkerung mit dem ärmsten Viertel verglichen. Das Ergebnis: Arme Frauen haben eine um acht Jahre geringere Lebenserwartung als reiche, bei armen Männern liegt die Lebenserwartung sogar um zwölf Jahre niedriger. Bei einer früheren Studie betrug der Unterschied lediglich fünf beziehungsweise zehn Jahre. Die Schere geht also immer weiter auseinander. Die Zahlen wurden dann in dem Bericht nicht verwendet. Lesen Sie weiter bei »Bist du arm, stirbst du früher«…