Gute Beobachter

Nachahmung als Programm: Wer von Kindern ein Verhalten frei von Rollenklischees möchte, muss es ihnen vorleben

Gene oder Erziehung – was macht kleine Buben zu Fußballfans und kleine Mädchen zu Puppenmüttern? Um es gleich vorwegzunehmen, die ewige Frage nach der Ursache „typisch weiblichen“ und „typisch männlichen“ Verhaltens ist auch unter Wissenschaftlern heute keineswegs eindeutig geklärt. Während einige Forscher in erster Linie Hormone und die bei Frauen und Männern unterschiedliche Spezialisierung der rechten und linken Gehirnhälfte für geschlechtstypisches Verhalten verantwortlich machen, beleuchten andere die teils subtilen, teils massiven Einflüsse der Umwelt, die uns von frühester Kindheit an prägen. „Umwelt und Anlage lassen sich nicht auseinander dividieren“, sagt Hartmut Kasten, Professor für Entwicklungspsychologie und Pädagogik am Bayerischen Staatsinstitut für Frühpädagogik. „Geschlechtsspezifische Verhaltensweisen entstehen durch vielfältige Wechselwirkungen zwischen den genetischen Anlagen und der Außenwelt.“ In welchem Maße sich „mädchen-“ beziehungsweise „bubenhaftes“ Verhalten auf biologische Geschlechtsunterschiede zurückführen lässt,wird man wahrscheinlich nie herausfinden können, denn vom ersten Lebenstag an unterliegt jedes Kind den Erwartungshaltungen und Einflüssen seiner Umgebung, denen es sich nicht entziehen kann. Selbst Eltern, die sich bemühen, ihre Söhne und Töchter gleich zu behandeln, sind nicht gegen Geschlechtsrollenstereotypen und Klischees gefeit. Außerdem saugen Kinder in sich auf, was sie bei Verwandten und Freunden, in Kinderbüchern, Fernsehen, Werbung und in der Spielzeugabteilung sehen. Über Jahrhunderte eingespielte Rollenmuster sind tief in unserer Kultur verankert und werden ständig neu hervorgebracht, sie lassen sich nicht einfach ändern oder verleugnen. In Experimenten und Beobachtungen (Baby X-Studien) konnte nachgewiesen werden, dass Erwachsene sogar Neugeborene schon unterschiedlich behandeln, je nachdem, ob diese ihnen als Mädchen oder als Jungen vorgestellt werden: Schreit ein rosa gekleidetes Baby, vermeintlich ein Mädchen,wird es als ängstlich und erschrocken bezeichnet, schreit dasselbe Baby, aber in Hellblau gekleidet und als Junge vorgestellt, interpretiert man sein Schreien als Ärger.Dementsprechend reagiert man darauf. Insgesamt wird das Verhalten eines angeblich männlichen Säuglings eher als aktiv, munter, unabhängig, aggressiv und klug beschrieben und das angeblicher Mädchen als friedlich, nett, lieb, zart und passiv. Dabei sind Männer und Erwachsene, die wenig Kontakt zu Kindern haben, mit klischeehaften Urteilen schneller bei der Hand als Frauen und Erwachsene, die täglich mit Kindern zusammen sind. Da männliche Säuglinge wegen ihrer schwächeren Konstitution meist häufiger quengeln, werden sie in den ersten sechs Lebensmonaten öfter hochgehoben, gewiegt, gestreichelt und berührt als weibliche Säuglinge. Diese werden dagegen häufiger durch Lächeln, Sprechen und Lautbildungen angeregt. Manche Forscher vermuten darin den Grund für die höhere Sprachkompetenz von Mädchen. Buben verfügen dagegen über ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen als Mädchen, was manche Wissenschaftler darauf zurückführen, dass ihr Gleichgewichtssinn durch das häufigere Hochheben und Wiegen in den ersten Lebensmonaten stärker gefördert wurde. Deutlicher werden die unterschiedlichen Behandlungsweisen, wenn die Kinder laufen lernen. Jungen werden meistens viel stärker dazu animiert, ihre Umgebung zu erforschen, während man Mädchen eher ängstlich besorgt zurückhält. „Das ist eigentlich himmelschreiend ungerecht und paradox“, meint Hartmut Kasten, denn nachgewiesenermaßen seien Buben in den ersten Lebensjahren aufgrund ihrer biologischen Entwicklung weniger robust. Sie sind anfälliger für Infekte und ihre Sterblichkeit ist deutlich höher als die von Mädchen. Die geschlechtsrollentypische Behandlungsweise nehme darauf aber keine Rücksicht. Vor allem konservative Väter pushen ihre kleinen Söhne kräftig zu kleinen Machos. Sie sollen weder Schwäche noch Angst zeigen, draufgängerisch und mutig sein. Mädchen hingegen, die aufgrund ihrer stärkeren Konstitution eigentlich mehr Bewegungsbedarf hätten, würden eher an die kurze Leine genommen. Im Verlauf des dritten Lebensjahres entwickeln Kinder allmählich das Gefühl für ihre eigene Geschlechtszugehörigkeit und beginnen, zwischen Männern und Frauen zu differenzieren. Dreijährige haben bereits relativ klare Vorstellungen davon, welche Tätigkeiten von welchem Elternteil gewöhnlich ausgeübt werden. Im Kindergarten spielen die Buben dann bevorzugt in der Bauecke, die Mädchen in der Puppenecke. Beim Papa-Mama- Kind-Spielen ist die Mutterrolle bei Jungen nicht sehr begehrt, während Mädchen darum eifern, beobachtet Karsten Schumacher, Erzieher in einem Schwabinger Kindergarten. „Aber es gibt auch immer wieder Ausnahmen, Kinder, die dem Klischee nicht entsprechen.Manche Buben sind sehr sensibel und manche Mädchen ziemlich wild.“ Mädchen wie Buben mimten beim Rollenspiel gern mal laut brüllende Tiger und Löwen, wobei Mädchen aber öfter die Niedlich-Variante des Babytigers oder Babylöwen wählen. „Ich würde die Kinder gern jenseits der Klischees erziehen“, sagt der Erzieher, „damit sie so viele Lernerfahrungen wie möglich machen, auch solche, die den üblichen Rollenverteilungen widersprechen.“ Das klappe eigentlich recht gut, denn Kinder im Kindergartenalter seien so neugierig und offen, dass sie für alles zu begeistern seien.Auf die Frage,wer mit rauskomme zum Fußballspielen, meldeten sich zwar gewöhnlich mehr Jungen als Mädchen, aber wenn sie dann auf dem Bolzplatz seien, „dreschen die Mädchen ordentlich rein“. Buben dagegen drehen auch gern Kordeln oder backen Kuchen, wenn man sie dazu ermutigt, sagt Schumacher. Im letzten Kindergartenjahr und vor allem dann in der Schule sei zu beobachten, dass Mädchen meist lieber mit Mädchen und Jungen lieber mit Jungen spielen. Bis zur Pubertät trennen sich nun meist die Wege der Geschlechter. Doch der Erzieher ist davon überzeugt, dass die Kinder, die in den frühen Lebensjahren einen unbefangenen Umgang sowohl mit „weiblichen“ als auch mit „männlichen“ Beschäftigungen kennen gelernt haben, sich später leichter tun, offen und weniger klischeebehaftet mit dem anderen Geschlecht umzugehen. Damit Kinder und junge Erwachsene aber wirklich frei von Geschlechtsrollenstereotypen zu ihren ureigensten Interessen und Begabungen finden, bedürfte es grundlegender struktureller Veränderungen. Alle verbalen Ermutigungen von Eltern und Erzieherinnen nutzen nicht viel, wenn sie selbst nicht vorleben (können), was sie predigen. Denn Kinder beobachten sehr genau, was „normal“ und demnach nachahmenswert ist. Sie lassen sich kein Y für ein X vormachen. Die Mutter oder Erzieherin, die selbst nicht Fußball spielt,wird ein Mädchen schwerlich dafür begeistern, und solange es kaum männliche Erzieher und Grundschullehrer gibt, werden Buben annehmen, dass der Umgang mit Kindern eher Frauensache ist. Daran ändert dann auch die Alibipuppe zu Weihnachten nichts.

Simone Kayser

Mit etwa drei Jahren bekommt man ein Gefühl dafür, ob man Mädchen oder Junge ist

Hartmut Kasten Weiblich – Männlich. Geschlechterrollen durchschauen. Ernst Reinhardt Verlag München, 2003, 14,90 Euro.

Klippen umschifft

Gemeinsam alt werden, heißt Entwicklung zulassen

Hilde, 72, und Werner, 78, sind seit 50 Jahren ein Paar.
Hilde M.: „Natürlich haben wir jede Menge durchgemacht, und es war nicht immer leicht. Aber ich kann sagen, dass ich meinen Mann heute noch liebe.Wir haben uns nach jeder Krise immer wieder zusammengerauft. Und Krisen gab es schon einige. Als unsere beiden Töchter das Haus verließen, war das schon eine Riesenumstellung.Vor allem wohl für Werner. Ich hatte nämlich plötzlich das Gefühl, ich muss noch etwas erleben. Ich war noch sehr jung, als die Kinder kamen, und ich musste meine eigenen Wünsche und Vorstellungen zurückstecken. Natürlich hat es mir Spaß gemacht, eine Familie zu umsorgen und mich um den Haushalt zu kümmern.Aber als das dann wegfiel, wollte ich etwas für mich tun. Ich fing an, halbtags in einer Buchhandlung zu arbeiten und besuchte abends Kurse in der Volkshochschule. Da war ich natürlich oft nicht da, wenn Werner von der Arbeit kam. Er musste sich sein Abendessen selbst machen und sich in der Küche zurechtfinden. Das war er nicht gewohnt, und es gefiel ihm auch nicht besonders, dass ich so oft weg war. Er wollte eben, dass alles so blieb, wie es war. Es dauerte eine Weile, bis er sich an die neue Situation gewöhnt hatte, und es gab auch so manchen Krach. Aber wir haben darüber geredet, und ich konnte ihm klar machen, dass ich ein bisschen ‚Eigenes‘ brauche. Er fand das ja auch grundsätzlich gut, wollte aber nicht, dass ich quasi die ganze Woche mein Eigenes machte.Wir haben dann einen Kompromiss gefunden, der für uns beide passte. Ich denke, für eine gute Ehe ist es absolut wichtig, dass man miteinander redet und Lösungen findet, die für beide in Ordnung sind. Wir machen auch sehr viel gemeinsam. Als wir in Rente gingen, war das erst ein bisschen komisch, weil wir so aufeinander hockten. Aber dann konnte ich Werner nach einer Weile dazu ermuntern, mit mir ins Theater oder Museum zu gehen oder einmal übers Wochenende zu verreisen. Anfangs war er da eher skeptisch, er wollte daheim rumwerkeln, doch jetzt ist er derjenige, der mich zu allen möglichen Veranstaltungen schleppt und Reisen plant. Es macht uns beiden viel Spaß, Dinge gemeinsam zu erleben.Wir haben uns wieder ein bisschen ineinander verliebt.“

Regina, 61, und Peter, 64, sind seit 35 Jahren verheiratet.
Regina L: „Peter war beruflich immer sehr viel unterwegs, wir haben uns lange Zeit nur am Wochenende gesehen. Das war manchmal schwierig, aber das hat unsere Beziehung frisch gehalten. Schließlich hatten wir nie den Alltag, der eine Ehe so leicht in ein langweiliges Routinefahrwasser bringt.Wenn Peter am Wochenende kam, habe ich mich immer sehr gefreut. Manchmal fühlte ich mich ein bisschen wie eine Geliebte, und das gab unserer Beziehung durchaus eine gewisse Würze. Das war natürlich nicht immer so leicht, besonders für mich.Wenn man oft allein ist, kommen einem schon so manche Gedanken – und ich habe mich zuweilen ganz schön reingesteigert in Eifersucht und Angst, dass Peter vielleicht ein Doppelleben führt. Davon liest man ja immer wieder. Wir hatten schon ein paar Mal heftigen Streit, weil Peter gestresst von einer Arbeitswoche heimkam und sich dann mit meiner Eifersucht herumschlagen musste.Aber wir haben unsere Krisen gemeistert, weil wir immer sehr großen Wert darauf gelegt haben, miteinander zu reden, auch wenn es anstrengend war. Und jetzt, wo wir beide bald in Rente gehen, freuen wir uns, gemeinsam etwas zu unternehmen, und planen schon alle möglichen Reisen.“

Anneliese, 68
„Günther und ich sind seit über 30 Jahren verheiratet. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht hin und wieder an Scheidung gedacht hätte. Aber irgendwie habe ich mich nie getraut, diesen Schritt zu machen. Erst wegen der Kinder nicht und dann … – man gewöhnt sich halt aneinander. Über die Jahre streitet man weniger,weil man weiß, was den anderen herausfordert, oder weil man merkt, dass bestimmte Diskussionen nichts bringen. Ich weiß bei Günther, woran ich bin, das finde ich gar nicht schlecht. Wir haben gelernt, uns Freiräume zu geben, jeder tut, was er gern macht. Das klingt vielleicht etwas deprimierend für junge Leute, die gerade frisch verliebt sind. Aber ich genieße die Freiheit, und je älter wir werden, desto besser können wir uns beide so sein lassen, wie wir sind.“

Protokoll: Bettina Wenzel

Zeit der Vorbehalte

Im mittleren Alter bestimmen eher Angst und weniger Liebe und Leidenschaft das Geschehen

Beziehungsunfähig. Diese Diagnose stellte Christina, 40 Jahre, sich selbst, nachdem sie ihre sämtlichen Beziehungen unter die Lupe genommen und das immer gleiche Muster darin entdeckt hatte. Nach drei Jahren innerer Einkehr, Besinnung auf sich selbst und einer Art Eremitendasein mit Hund, Katze, Pferd auf dem Land glaubte die Flugbegleiterin die Ära der One-Night-Stands und Affären überwunden und die Zeit und sich selbst reif für eine echte Partnerschaft. Aber kaum zurück auf der freien Wildbahn, lässt sie es wieder krachen, bringt die Kerle reihenweise um den Verstand und arbeitet sich mit Vorliebe an jenen ab, die ihr so lange wie möglich widerstehen. „Ich stecke im selben Schlamassel wie eh und je“, gesteht sie einer Freundin am Telefon. „Im Grunde hat sich nichts verändert seit der Zeit, als ich 14 oder 24 oder 34 war. Der einzige Unterschied: Inzwischen habe ich so viel Abstand zu mir selbst, dass ich neben mir stehen und mir dabei zusehen kann, wie ich bei vollem Tempo in eine Sackgasse rase.“ Nur eingreifen, es anders machen als bisher – das schafft sie immer noch nicht. Nach wie vor hält sie sich konsequent an jene Männer, die ihren Ansprüchen nicht im entferntesten genügen:Muss der Richtige rein theoretisch unbedingt Vegetarier, Tierfreund und, wenn möglich, passionierter Reiter sein, sich sowohl in ländlicher als auch urbaner Kulisse zu bewegen wissen, kulturell und politisch interessiert sowie gesellschaftlich engagiert sein, sich durch Zuverlässigkeit,Verantwortungsbewusstsein und Einfühlungsvermögen auszeichnen und es verstehen, sie sowohl sexuell als auch intellektuell zu stimulieren, macht in der Realität ein ums andere Mal der chaotische Taugenichts das Rennen. Für eine Nacht oder ein Wochenende, manchmal auch zwei, werden Illusionen von Nähe und Geborgenheit erzeugt und sämtliche Wünsche und Erwartungen in den Pseudopartner hineinprojiziert. „Ich genieße es einfach,morgens in seinen Armen aufzuwachen“, sagt Christina dann. Oder: „Er hat sogar Frühstück gemacht. Er ist so zauberhaft.“ Der Zauber hält nur meist nicht lang. Doch statt die Ernüchterung als Anlass für den Absprung zu nehmen, wird es für Christina hier erst richtig interessant. Immer wieder lässt sie sich ein auf dieses Spiel aus trotziger Verweigerung und neuerlicher Annäherung und der – zeitweisen – Erkenntnis: Im Grunde bin ich nicht mal in ihn verliebt. Eigentlich kann ich ihn nicht mal richtig leiden. Es geht nur darum, haben zu wollen. Nicht allein sein zu wollen. Mal wieder zu jemandem gehören zu wollen. Und sei es nur für die Dauer eines langen Wochenendes. Oder einer kurzen Nacht. Das Wort, das man am häufigsten zu hören bekommt, wenn man Männer und Frauen nach ihren Erfahrungen miteinander, nach ihren Erwartungen, Ansprüchen und Wünschen aneinander oder nach ihrer Meinung übereinander befragt, ist: Angst. Nicht Liebe, nicht Sex, nicht Leidenschaft – bloße Angst scheint der Grund zu sein, wenn die einen zusammen bleiben, die anderen auseinander gehen und wieder andere gar nicht erst zusammenkommen.Und so ist Angst vermutlich auch der Grund für den unerträglichsten aller Zustände: den zwischen Noch-nicht-loslassen- und Nicht-mehrertragen- können. „Ich hoffe immer noch, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben“, erklärt Sonja, 28 Jahre, obwohl ihre Beziehung zum gleichaltrigen Gregor zurzeit alles andere als stabil ist. „Gregor interessiert sich einfach viel mehr für mich und alles, was mich bewegt, als frühere Partner. Ich bin immer wieder fasziniert, dass er sich an jedes Detail erinnert, das ich ihm jemals über mich erzählt habe.“ Aber reicht das als Basis für ein gemeinsames Leben? Wissenschaftler wissen längst, das es für Verliebtheit keinen stärkeren Auslöser gibt als den Eindruck, dass man selbst von der anderen Person begehrt wird. Mehr als alles andere sind wir nämlich in die Idealvorstellung verliebt, die der andere anfangs von uns hat. Doch was,wenn die erste Verliebtheit weg und man erkennen muss, dass sonst nichts Verbindendes da ist? „Gemessen an unseren Erwartungen, ist die Realität fast immer enttäuschend“, schreibt Felicitas von Lovenberg in ihrem Buch „Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie?“ Zumal die emotionalen Höchstleistungen, die manch einer erbringt, vom Partner unter Umständen nicht einmal als solche erkannt werden. Was dem einen ein Liebesopfer, ist dem anderen im besten Falle eine Selbstverständlichkeit. Im schlimmsten Falle bemerkt er oder sie es nicht einmal. „Nähe und Vertrautheit“, so von Lovenberg, „lassen sich eben auf keiner objektiven Skala messen, sondern unterliegen der momentanen Einschätzung der Beteiligten, die nur einen Richtwert kennen: ihre Erwartungen.“ Und Erwartungen ändern sich. Empfanden Sonja und Gregor ihre unterschiedlichen Charaktere, Einstellungen und Wertvorstellungen anfangs noch als Bereicherung, erlebt Sonja diesen Zustand zunehmend als Bedrohung: Sie fühlt sich durch Gregor unter Druck gesetzt, klein gemacht und verunsichert. Angefangen hat alles mit ihrer Verzweiflung und Niedergeschlagenheit, als ein Jahr nach dem Studium immer noch keine einzige ihrer Bewerbungen Erfolg hatte: „Mein Selbstbewusstsein war total im Keller. Manchmal hätte ich mir einfach gewünscht, dass er mich in den Arm nimmt und mich tröstet. Stattdessen hat er ständig an mir herumgenörgelt und mir das Gefühl gegeben, nicht zu genügen. Nicht nur, was die Jobsuche betraf, sondern überhaupt.“ Und auch sonst können die beiden nicht gerade auf Gemeinsamkeiten aufbauen: Sonja ist emotional, offen, spontan und unangepasst, während Gregor bei allem extrem diszipliniert, rational und lösungsorientiert vorgeht, sehr sicherheitsorientiert ist und sich so unauffällig und angepasst wie möglich verhält. Während Sonja zu ihrer Familie nur sporadischen Kontakt pflegt, ist für Gregor der Besuch bei seinen Eltern fester Bestandteil der Wochenendplanung. Zündstoff ohne Ende. „Alle Beziehungen, die nicht auf echter Gleichheit basieren, führen irgendwann zu Problemen“, schrieb die Feministin und Autorin Erica de Jong zum Thema „Liebe“. Deshalb müsse in einer ungleichen Partnerschaft früher oder später die Ungleichheit überwunden werden, oder die Beziehung zerbricht. Denn eines ist klar: Je ähnlicher ein Mensch uns ist, umso leichter fällt es uns, ihn zu verstehen und sein Verhalten nachzuvollziehen. „Ähnlichkeit“, erklärt deshalb auch Felicitas von Lovenberg, „vermittelt uns Sicherheit und Geborgenheit, während das Fremde uns nach anfänglicher Neugier mehr und mehr irritiert.“ „Mit zunehmendem Alter fürchtet man außerdem immer mehr das böse Erwachen und wägt genauer ab“, erklärt Jürgen, 40 Jahre, sein Single-Dasein. „Die Sensibilität für die Unzulänglichkeiten des Gegenübers wird immer ausgeprägter. Man bildet sich eine Meinung über den anderen, verwirft sie wieder, klopft das Ganze auf die Vereinbarkeit mit den eigenen Ansprüchen und Wertmaßstäben ab, kommt zu keinem befriedigenden Ergebnis und verzweifelt mit der Zeit an den eigenen widersprüchlichen Gefühlen.“ Dabei fragt man sich: Beraubt man sich damit der Chance, die oder den Richtige(n) wirklich kennen zu lernen? Oder erspart man sich dadurch eine Aneinanderreihung von Irrtümern? Die Methode „Trial and Error“ kann auf Dauer nämlich zur echten Belastungsprobe werden. Woran erkennt man überhaupt die oder den Richtige(n)? Woher scheinen alle anderen immer zu wissen, was sie wollen und wie sie es bekommen – nur man selbst nicht? Welche Kompromisse darf, ja sollte man eingehen, und welche Opfer verbieten sich? Warum ist das, was man zu wollen geglaubt hat, wenn man es erst einmal hat, nur selten das, was man wirklich gesucht hat? Und wieso erkennt man so oft erst dann, dass man etwas ändern muss, wenn es bereits zu spät ist? André, 30, hört Lieder, die ihm Tränen in die Augen treiben. Er schreibt Briefe, die er nie abschickt. Er gibt sich reumütig, einsichtig und gelobt Besserung – sollte er eine letzte Chance bekommen. Er schläft kaum noch, raucht viel zu viel und trinkt noch mehr. Und leidet wie ein Hund.Wie das echte Kerle eben tun, wenn ihnen die Frau abgehauen ist, die sie lieben. Und dann sucht er Trost. Auf dieselbe Art, wie er das eben immer gemacht hat: Frei nach dem Motto:„Mein Typ Frau ist immer gerade der, der mich die andere vergessen lässt“, landet er bei der Nächstbesten. Immer wieder. Dabei will er doch nichts anderes als der einen beweisen, dass er das nie wieder tun wird – sie betrügen. „Vom Verstand her“, sagt André, „habe ich längst kapiert, dass sie gar nicht anders konnte, als zu gehen.“ Zu viel habe er sich geleistet in den vergangenen neun Jahren. Zu achtlos sei er mit ihrer Liebe umgegangen. Zu oft habe er Bestätigung bei anderen Frauen gesucht. „Ich weiß, dass ich eigentlich gar nichts erwarten darf. Trotzdem hoffe ich, dass sie zurückkommt. Und natürlich ist mir klar, dass wir nicht einfach dort weitermachen könnten, wo wir aufgehört haben.Und dass es nicht reicht, meine Fehler einzusehen, sondern dass ich wirklich was ändern muss.“ Es klingt, als wollte er vor allem sich selbst davon überzeugen, dass er dazu fähig ist: „Ich hatte doch nur Angst. Angst, mich wirklich auf sie und diese Beziehung einzulassen und dann kläglich zu scheitern.“ Dabei wird persönliche Reife und Entfaltung durch kaum etwas so herausgefordert wie durch eine Liebesbeziehung. So haben Robert, 31, und Isa, 28 Jahre, ihre einzige wirkliche Krise nach vier Jahren Beziehung als Herausforderung betrachtet. Das war vor neun Jahren, und beide sind froh, damals nicht aufgegeben zu haben: „Wir haben das überwunden, indem wir beide sehr selbstkritisch zunächst einmal die eigenen Fehler hinterfragt haben“, erzählt Robert, „und auch sonst alles aufgeschrieben und besprochen haben, was uns nicht gepasst hat“, fügt Isa hinzu. Und heute? „Werden Probleme möglichst sofort angesprochen“, sagt Robert. Und die grobe Richtung, wohin es in Zukunft gehen soll, haben sie ohnehin längst gemeinsam festgelegt. „Isa steht für mich definitiv an der ersten Stelle“, erklärt Robert. Das erwartet er umgekehrt auch von ihr. Das muss aber nicht mehr täglich neu verhandelt werden.Was zählt, sind gemeinsame Erfahrungen, Erinnerungen und Ziele, finden sie. „Und die Gewissheit, dass wir bisher alles gemeinsam meistern konnten“, betont Isa. Dass Susanna, 30, sich in ihrer jetzigen Beziehung wesentlich unabhängiger und gleichzeitig viel aufgehobener fühlt als in allen anderen davor, liegt nicht nur daran, dass, wie sie betont, „Achim in jeder Hinsicht außergewöhnlich ist“. Es liegt vor allem an ihrer persönlichen Entwicklung: „An meine früheren Beziehungen hatte ich so gut wie keine Erwartungen, weshalb immer alles etwas schwammig blieb. Wer aber immer nur irgendwas will, der bekommt auch nur irgendwas. Inzwischen kenne ich mich und meine Bedürfnisse nicht nur besser, ich gehe auch sorgfältiger damit um.Obwohl ich mit Achim erst seit sechs Monaten zusammen bin, sind meine Vorstellungen, was unsere Zukunft betrifft, bereits sehr konkret. Das hat natürlich mit meinem Alter zu tun, aber auch mit der Tatsache, dass ich zwei Kinder habe, die oberste Priorität haben, und nicht zuletzt damit, dass Achim und ich nicht in derselben Stadt leben und eine Fernbeziehung führen. Da findet sehr viel Alltag automatisch ohne den andern statt.Aber letzten Endes ist es gerade die Distanz, die mir erlaubt, diese Nähe überhaupt zuzulassen und ein Stück meines Lebens mit ihm zu teilen, etwas wachsen und sich entwickeln zu lassen, ohne Angst haben zu müssen, mich in seinen Erwartungen und Gewohnheiten zu verlieren. Unsere Beziehung ist von sehr viel gegenseitigem Respekt geprägt. Und ich genieße es, einen Mann an meiner Seite zu wissen, der sich nicht mehr ständig etwas beweisen muss, der ohne Einschränkungen verlässlich ist und mit dem ich Zukunft wagen kann.“ „Jedes Paar“, erklärt der Züricher Psychologe und Autor Peter A. Schröter, „entwickelt seine eigene Dynamik von wechselseitigem Herausfordern, Begrenzen und Unterstützen.“ Romantische Verklärung oder leidenschaftliche Höhenflüge bilden dabei absolut nicht den Kern der Beziehung. Vielmehr gilt es, die Balance zu finden zwischen Miteinander und Alleinsein, Bindung und Freiheit, Geben und Nehmen. Denn die Liebe, ganz anders als die großzügig veranlagte Leidenschaft, ist pedantisch. Sie verlangt nach klaren Regeln und Absprachen, fordert Verbindlichkeit und Verlässlichkeit – und zeigt nicht selten genau darin ihre wahre Größe. Denn wie zwei Menschen tief in ihrem Inneren füreinander empfinden, lässt sich nirgendwo so deutlich wie in den kleinen unscheinbaren Gesten und im täglichen Miteinander erkennen. „Wir zeigen uns auch im Alltag, wie sehr wir uns lieben“, erzählt Leonie, 27 Jahre. „Das kann durch kleine Zettelchen sein, die der andere vorfindet, wenn er nach Hause kommt, oder dass man beim Einkaufen an den Joghurt denkt, den der andere so gern mag, den man aber selbst niemals kaufen würde.“ „Liebe heißt für mich, dass man so viel wie möglich zusammen macht und trotzdem jeder seinen Freiraum behält“, sagt Rosalie, 51, die ihre große Liebe vor sieben Jahren gefunden hat. „Es heißt aber auch, mich um die Bankgeschäfte zu kümmern, weil mein Mann sich weder dafür interessiert noch Ahnung davon hat. Stattdessen kocht und spült und putzt er und hilft mir auch sonst, wo er kann. Natürlich erfordert es Arbeit, dass das Leben nicht zur Routine verkommt“, betont Rosalie. „Das beginnt damit, sich immer wieder bewusst vor Augen zu halten, was für ein Glück man gefunden hat.“ Das ist ganz im Sinne von Felicitas von Lovenberg, für die ohnehin diejenigen die wahren Romantiker sind, die begreifen, dass Liebe eine Sisyphosarbeit ist, bei der es nicht genügt, den richtigen Menschen zu finden. Vielmehr muss man auch selbst der richtige Mensch sein.Vor allem aber muss man sich guten Mutes auf eine lebenslange Anstrengung ohne Erfolgsgarantie und Haltbarkeitsversprechen einstellen.

Daniela Walther

Mannsein beim Arzt

Der verkannte Patient: Männer beißen die Zähne zusammen und lassen sich meist zu spät medizinisch behandeln

“Ist gesundheitsbewusstes Verhalten unmännlich?” Diese provokante Frage wurde im Rahmen eines Seminars im Zentrum für Geschlechterforschung der Charité in Berlin erörtert. Der Grund liegt auf der Hand. Etwa viermal mehr Männer als Frauen kommen laut Gesundheitsstatistiken durch alkoholbedingte Krankheiten und Verkehrsunfälle ums Leben. Auf die Gesundheit zu achten zählt nicht zu den Stärken eines Mannes. “Zwar hört er es, wenn der Motor seines Autos stottert, eigene körperliche Schwächen beachtet er jedoch nicht”, sagt der Urologe Professor Dr. Lothar Weißbach an der Euromed Clinic in Fürth. Wer gleich bei jedem Zipperlein herumjammert, gilt als unmännlich. “Männer haben eher ein instrumentelles Gesundheitsverständnis”, erklärt Birgit Babitsch von der Charité. Wenn überhaupt, gehen sie erst zum Arzt, wenn es richtig wehtut. “So ist es nicht verwunderlich, dass Männer im Durchschnitt häufiger und früher an Krebs, Herz- Kreislauf-Erkrankungen und durch Berufsunfälle sterben oder Selbstmord begehen”, so Professor Weißbach.Nach Angaben der AOK nehmen nur 18 Prozent der männlichen Versicherten die Angebote zur Vorsorgeuntersuchung in Anspruch. Bei Frauen gehen dagegen 63 Prozent regelmäßig zur Vorsorge. Der leichtfertige Umgang mit der eigenen Gesundheit hat viele Gründe, einige liegen in der Kindheit. Jungs sind wilder, spielen waghalsiger und verletzen sich dabei öfter als Mädchen. Soziologin Birgit Babitsch: “Jungs haben einen anderen Körperaufbau. Und ein anderes Körperempfinden.” Doch männliches Verhalten wird ihnen auch von den Erwachsenen vermittelt.Wer würde schließlich dem Wunsch des fünfjährigen Sohnes entsprechen, der noch unbedarft und erhaben über traditionelle Geschlechterrollen Glitzerturnschuhe zum Geburtstag haben möchte, weil die Nachbarstocher solche trägt? Wenn nicht Mutti, wird doch spätestens Papi die Nase darüber rümpfen und zu den coolen Sneakers greifen! Und spätestens mit dem Beginn des Schulbesuchs kommen härtere Zeiten auf die Kleinen zu. Denn dann geht es darum, sich unter den Kameraden zu behaupten. Weichere und sensiblere Jungs haben da schlechte Karten. Die früh antrainierte Strategie ist daher: Zähne zusammenbeißen – auch bei Krankheiten. In Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit oder Antriebslosigkeit sieht ein Mann selbst noch lange keine Anzeichen für eine Depression, obwohl dies die typischen Merkmale dafür sind. “Wenn Männer schon drei oder vier Symptome für Depression zugeben, dann ist meistens davon auszugehen, dass es in Wirklichkeit mehr sind”, so Martin Hautzinger von der Universität Tübingen, der sich bereits seit 30 Jahren mit Klinischer Psychologie auseinander setzt. “Bei psychischen Erkrankungen gehen Männer selten zum Arzt.” Dabei haben sie zunehmend das Gefühl, die Probleme würden ihnen über den Kopf wachsen. Die Betroffenen sehen dann oftmals nur noch im Freitod einen Ausweg. Die Selbstmordrate ist in den vergangenen 20 Jahren zwar gesunken, doch liegt sie bei Männern immer noch höher als bei Frauen. Laut Statistischem Bundesamt war 1983 die Zahl der Suizide bei Männern mit 32 Sterbefällen je 100 000 Einwohnern doppelt so hoch wie bei Frauen mit 16 Sterbefällen. 2003 waren es mit 20 Männern dreimal so viele Suizidfälle als bei Frauen mit 7 Suizidfällen je 100 000 Einwohner. Dabei könnte 80 Prozent aller Erkrankten geholfen werden, so das Berliner Bündnis gegen Depression.Wenn die Krankheit erkannt und behandelt wird. Auch hier machen sich die Rollenunterschiede bemerkbar. “Das weibliche Rollenmodell führt dazu, dass Frauen eher über Probleme und Beschwerden sprechen. Vielleicht gehen sie nicht unbedingt gleich zum Arzt, aber sie reden wenigstens mit der Freundin darüber”, sagt Birgit Babitsch. Dabei ist jedoch zu betonen, dass nicht nur auf Seiten der Patienten das Rollenverständnis festgelegt ist. Auch Ärzte, Helfer und Berater reagieren Männern gegenüber anders, gibt Psychologe Martin Hautzinger zu Bedenken. “Es ist vorstellbar, dass bei einem Mann die Diagnose eher mal darauf abgestellt wird, dass er wohl gerade etwas zu viel Stress hat und dass er sich einfach etwas Ruhe gönnen sollte. Bei einer Frau hingegen wird vielleicht hier und da schneller mal ein Antidepressivum vorgeschlagen.” Der Mann vernachlässige sich nicht nur selbst, er werde auch vernachlässigt, beklagt Urologe Weißbach. So entspräche die Krebsvorsorgeuntersuchung bei Frauen den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dagegen sei die von den Krankenkassen angebotene Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs für den Mann “antiquiert” und “darüber hinaus entwürdigend”, da es sich um eine rektale Tastuntersuchung der Prostata handele. Den wesentlich angenehmeren, modernen PSA-Test, bei dem lediglich eine Blutprobe entnommen wird, müssten die Männer selbst bezahlen. Die Kosten hierfür liegen bei etwa 25 Euro. Vor allem die Politik müsste hier mehr eingreifen. “So gibt es einen Gesundheitsbericht der Bundesregierung für die Frau und es gibt Professuren und Forschungsprojekte, die sich speziell mit der Frauengesundheit beschäftigen”, so Weißbach. Für einen bundesweiten Männergesundheitsbericht sehe man allerdings keine Notwendigkeit. Dagegen zeigt sich die bayerische Landeshauptstadt München fortschrittlich. Diese hat gerade den “Ersten Münchner Männergesundheitsbericht 2005″ veröffentlicht, um “eine Planungsgrundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen und Maßnahmen bereitzustellen”, wie es darin heißt. Auch Professor Lothar Weißbach macht sich stark für die Sache. “Wir befassen uns derzeit mit der Gründung einer Stiftung ‚Männergesundheit‘.” Ziel sei es, die verschiedenen Fachdisziplinen zu einem Netzwerk zusammenzuschließen und so “dem Thema zu einer gesellschaftlichen Anerkennung” zu verhelfen. In deutschen Großstädten werden zudem zunehmend Männergesundheitstage, -konferenzen und dergleichen abgehalten. Gleichzeitig denken allmählich auch die Männer selbst um.Martin Hautzinger ist zuversichtlich: “Wir können sagen, dass das Wahrnehmen von Beschwerden in der nachwachsenden Generation anders ist.” Beim Umgang mit dem eigenen Körper und mit Emotionen sei die Sensibilität bei den Herren gewachsen. Das stünde in einem starken Kontext zum gesellschaftlichen Wandel.Der Bier trinkende Couchpotato mit kompromisslosen Macho-Ansichten ist mittlerweile überholt. Der körperbewusste Freizeitsportler, der Sensoren für sich und seine Umwelt hat, entspricht mehr dem Ideal. Erste Erfolge werden übrigens deutlich. Denn die Männer haben in den vergangenen elf Jahren bei der Lebenserwartung aufgeholt. Während ein neugeborener Junge laut Statistik damals eine um 6,5 Jahre niedrigere Lebenserwartung hatte als ein neugeborenes Mädchen, sind es inzwischen nur noch 5,7 Jahre. Er kann durchschnittlich mit einer Lebenserwartung von fast 76 Jahren rechnen, während ein Mädchen demnach knapp 82 Jahre alt wird. Unterdessen wird bei den Frauen in puncto Gesundheit ein gegenläufiger Trend sichtbar.Weil diese ihren “Drogenkonsum an den der Männer anpassen”, erklärt Professor Lothar Weißbach die jüngsten Entwicklungen. Vor allem die mittlerweile hohe Anzahl an Raucherinnen hat fatale Folgen. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe hat sich die Zahl der Todesfälle durch Lungen- und Bronchialkrebs bei Frauen innerhalb von 20 Jahren verdoppelt – 2003 starben 10 833 Frauen daran. In den USA ist Lungenkrebs bereits die häufigste Todesursache bei Frauen, und in Deutschland ist man Experten zufolge nicht mehr weit davon entfernt. Auch der berufliche Aufstieg von Frauen in stressige Managerjobs, oftmals mit der zusätzlichen Doppelbelastung durch Haushalt und Kindererziehung, hat noch unübersehbare Folgen für ihre Gesundheit.

Anuschka Schmid