Rudolph Moshammers Vermächtnis

Mit der Versteigerung der Juwelen aus dem Nachlass von Rudolph und Else Moshammer zugunsten des „Rudolph Moshammer Verein Licht für Obdachlose e.V.“ ist das Vermächtnis des Toten nun erfüllt. Zuvor waren bereits ein Hemd Napoleons und drei Autos der Marke Rolls-Royce zugunsten des Vereins versteigert worden. Im Testament steht diesbezüglich: „Das Vermächtnis ist zweckgebunden dahin, daß es einschließlich laufender Erträge aus der Verwaltung der Gelder ausschließlich dazu zu verwenden ist, Obdachlose als Verkäufer Lesen Sie weiter bei »Rudolph Moshammers Vermächtnis«…

Sich zu beheimaten ist ein ziemlich aufwändiges Projekt

Ein Interview mit Professor Dr. Heiner Keupp über „Wohnen“, ein Thema, das ans Eingemachte der menschlichen Existenz geht

Gehört Wohnen zu unseren Grundbedürfnissen? Professor Dr. Heiner Keupp: Wohnen scheint auf den ersten Blick ein ziemlich unspektakuläres Phänomen. Was ist es mehr als ein Sammelbegriff für die „vier Wände“, die wir brauchen, um unseren Hausstand unterzubringen? Für uns in Mitteleuropa ist es im Grunde selbstverständlich, dass man irgendwo wohnt. Doch wie mit vielen Selbstverständlichkeiten, so ist es auch mit dem Wohnen: Erst wenn sie nicht oder nicht mehr bestehen, also ihren Charakter des selbstverständlich Gegebenen verlieren, bekommen wir eine Ahnung von ihrer existenziellen Bedeutung. Lesen Sie weiter bei »Sich zu beheimaten ist ein ziemlich aufwändiges Projekt«…

Suche Zimmer in WG

Es gibt Alternativen zum Altenheim. In München entwickeln sich allmählich kreative Wohnformen fürs Alter. Wichtig dabei – Eigeninitiative

„Wohnen im Alter“ ist ein Thema, mit dem viele Menschen sich nicht gern beschäftigen. Es erinnert zu stark daran, dass wir vermutlich alle irgendwann einen Teil unserer Selbstständigkeit aufgeben und Pflege in Anspruch nehmen müssen. Doch immer mehr Menschen werden immer älter. Gleichzeitig wachsen die Löcher im sozialen Netz – Grund genug, kreative Wohnformen als Alternative zum Altenheim zu entwickeln. Doch: „Viele alte Menschen scheuen den Wechsel in eine fremde Umgebung. Sie leben bereits Jahrzehnte lang in derselben Wohnung. Sie kennen die Nachbarn, den Metzger, den Friseur und den Gemüsehändler, sie haben sich in ihrem Viertel eingerichtet“, sagt Michael Klingseisen, Architekt und fachlicher Leiter der Beratungsstelle für barrierefreies Wohnen der Bayerischen Architektenkammer. Erst erheblicher Leidensdruck führt dazu, dass sie sich zu diesem radikalen Schritt entschließen. David Stoll, im Sozialreferat der Landeshauptstadt für die Planung der Altenhilfe zuständig, hat ausgerechnet, dass in München bis zum Jahr 2015 etwa 1200 Wohnungen für Senioren fehlen werden. „Diese Zahl umfasst auch Plätze in Heimen, aber es ist völlig klar, dass wir sie nicht ausschließlich dort schaffen können“, sagt er. Bereits jetzt wächst der Bedarf an alternativen Wohnformen, doch in München tut man sich dabei schwerer als andernorts. „Das liegt vor allem am konstant angespannten Wohnungsmarkt“, sagt Stoll. Eine Senioren-WG, die aus sechs bis sieben Bewohnern besteht, benötigt etwa 250 Quadratmeter Wohnfläche. Stoll: „Diesen Platz hatte früher eine großbürgerliche Familie zur Verfügung.“ In München stehen in vielen Stadtteilen Altbauten, in denen zu Beginn des 20. Jahrhunderts genau diese Art von Wohnraum existierte. Im Laufe der Jahre wurden die Wohnungen jedoch mehrfach geteilt und einzeln vermietet. „Die Großwohnungen könnte man hier gar nicht bezahlen“, sagt Stoll. Anders in Berlin. Weil die Mieten dort nie Münchner Niveau erreichten, blieben die Wohnungen, wie sie waren. „Außerdem ist Berlin ein Bundesland und hat deshalb die Möglichkeit, sich einen eigenen gesetzlichen Rahmen zu verschaffen. Das erleichtert die Planung erheblich“, sagt Stoll. In München kann das Sozialreferat lediglich auf Neubaugebiete direkt einwirken, die von der Stadt ausgewiesen werden. „Dort wollen wir von Anfang an solche Wohnprojekte einplanen“, sagt Stoll. Der Altersforscher registriert wachsendes Interesse. „Noch vor zwei Jahren hätten wir mit diesem Thema kaum Aufmerksamkeit erregt, aber mittlerweile mehren sich die Beratungswünsche.“ David Stoll hütet ein zartes Pflänzchen, denn bislang existieren in München nur wenige Wohngemeinschaften für ältere Menschen. „Es ist sehr schwierig zu sagen, wie viele es tatsächlich sind, weil für private Initiativen schließlich keine Meldepflicht besteht.“ Vor allem in der Messestadt Riem werden sich künftig innovative Wohnformen konzentrieren. Die WOGENO (Genossenschaft für selbstverwaltetes, soziales und ökologisches Wohnen) hat an der Caroline-Herschel-Straße eine Anlage mit 28 Wohnungen errichtet, von denen 70 Prozent barrierefrei konzipiert sind. Die Gebäude sind 2001 fertig gestellt worden und voll belegt. Auch die FrauenWohnen eG hat sich dort eingekauft. Die Genossenschaft wird voraussichtlich im Mai 2006, nach der Bundesgartenschau, in der Messestadt Ost einen Komplex mit 50 Wohnungen fertig stellen. „Von den frei finanzierten Wohnungen sind noch drei frei, von den geförderten Wohnungen sind noch 20 zu vergeben“, sagt Barbara Yurtdas, eine der Vorständlerinnen der Genossenschaft. Das gesamte Gebäude ist barrierefrei und rollstuhlgerecht geplant. Besonderen Wert haben die Frauen darauf gelegt, die Infrastruktur so zu gestalten, dass sie die problemlose Kommunikation zwischen den Bewohnerinnen fördert. In dem Haus wird es unter anderem einen Gemeinschaftsraum geben, Büroräume, die auch an Externe vermietet werden können, und vor allem einen grünen Innenhof, auf den alle Wohnungen ausgerichtet sind. Das Angebot gilt ausschließlich für Frauen. „Wir schreiben vertraglich ein lebenslanges Wohnrecht der Mieterin fest“, sagt Yurtdas. Sie betont das ausdrücklich, weil in dieser Genossenschaft Pflegebedürftigkeit kein Grund zum Auszug sein soll. Frauen, die hier wohnen wollen, zahlen mindestens 18 000 Euro als Eigenkapitalanteil in die Genossenschaft ein. Barbara Yurtdas: „Natürlich ist das sehr viel Geld, aber die Summe wird beim Auszug erstattet.“ Mit der „Rothenfußer Wohngemeinschaft“ an der Giesinger Chiemgaustraße zeigt der ambulante Pflegeverein Carpe Diem, dass alternative Wohnformen auch für schwer demenzkranke Menschen nicht nur geeignet sind, sondern ihren speziellen Bedarf nach Schutz und Betreuung besonders gut gewährleisten können. In der Wohnung, die ursprünglich als WG für Körperbehinderte eingerichtet wurde, leben sieben Frauen, die jeweils einen eigenen Mietvertrag unterschrieben haben. „Daran lässt sich schon erkennen, wie sich unser Konzept von anderen Pflegeeinrichtungen unterscheidet. Die Frauen sind hier Hausherrinnen, die Pflegenden kommen als Gäste“, sagt Ulrike Reder, Geschäftsführerin von Carpe Diem. Im Früh- und Spätdienst kümmern sich jeweils zwei Pflegende um die Bewohnerinnen, in der Nacht ist eine Pflegekraft anwesend. Dieser Stellenschlüssel ermöglicht eine sehr zugewandte Betreuung, in der Zeit kaum eine Rolle spielt. „Zu Beginn haben unsere Kritiker vermutet, dass wir Bewohner aussuchen würden, die nur ein kleines bisschen verwirrt sind“, sagt Reder. Doch ganz im Gegenteil. Jede Bewohnerin der WG hat eine jahrelange Leidensgeschichte erlebt, denn alle galten in anderen Einrichtungen als nicht betreubar. „Für sie hätte nur noch der Weg in eine geschlossene psychiatrische Unterbringung offen gestanden.“ Allein können die Pflegekräfte die Arbeit jedoch nicht leisten. „Wir brauchen mindestens vier Bewohner, deren Angehörige sich aktiv beteiligen“, sagt Ulrike Reder. Nicht bei der täglichen Pflege, wohl aber bei organisatorischen Fragen und vor allem in der kontinuierlichen Überwachung der Arbeit. Die WG fällt nicht unter das Heimgesetz und deshalb gibt es für sie keine Heimaufsicht. Hier übernehmen Angehörige sowie die gesetzlichen Betreuer den Part der Qualitätskontrolle, und die Mitarbeiter achten darauf, dass die Entscheidungen über den Alltag im gemeinsamen Gremium fallen. Beispiel: Bei Krankheit stellt sich immer wieder mal die Frage, ob man eine Bewohnerin ins Krankenhaus einweisen lassen soll. Demente reagieren jedoch heftig auf jeden Ortswechsel. Bisher entschieden sich die Angehörigen im gemeinsamen Gespräch fast immer für die notwendige Behandlung in der WG. „Glücklicherweise haben wir einen Arzt, der diese Entscheidungen mitträgt“, sagt Ulrike Reder. Bis spätestens zum Herbst 2005 sollen die Bewohnerinnen in ein Haus umziehen, das ebenfalls in der Messestadt gebaut wird. Dann wird es auch eine zweite Wohngemeinschaft geben, die, so wie es auch bei der ersten begonnen hatte, aus Frauen und Männern bestehen wird. „Etwa im Frühjahr werden wir mit der Auswahl der Bewohner beginnen“, sagt Ulrike Reder. Das ist ein schwieriger Prozess, der Sorgfalt erfordert, denn am Ende soll es eine Hausgemeinschaft sein, deren Mitglieder, Bewohner und ihre Angehörigen harmonisch miteinander leben. Ein WG-Platz kostet monatlich zwischen 3500 und 4000 Euro und liegt etwa gleichauf mit beschützenden Einrichtungen in Pflegeheimen. In einem wesentlichen Punkt unterscheidet sich die „Rothenfußer Wohngemeinschaft“ von anderen Projekten. Die Stadt München und der Bezirk Oberbayern fördern hier gemeinsam, und das reduziert den Eigenanteil der Bewohner. Das Sozialamt zahlt auch für Kost und Logis, wenn die Betroffenen nicht über die notwendigen Mittel verfügen.

Bernd Hein

Beratung im Sozialbürgerhaus Informationen zu allen Themen rund um das Wohnen im Alter sind bei den Fachstellen „Häusliche Versorgung“ erhältlich, die in den sieben Sozialbürgerhäusern der Landeshauptstadt München eingerichtet worden sind. Die Berater arbeiten sehr stark stadtteilbezogen und besitzen einen guten Überblick über die Angebote und Möglichkeiten in ihrem jeweiligen Bezirk. Die Telefonnummern der Sozialbürgerhäuser finden Sie im Telefonbuch.

Viele alte Menschen scheuen den Wechsel in eine fremde Umgebung. Sie leben bereits Jahrzehnte lang in derselben Wohnung voller Erinnerungen. Sie kennen die Nachbarn, den Metzger, den Friseur und den Gemüsehändler, sie haben sich in ihrem Viertel eingerichtet. Erst erheblicher Leidensdruck führt dazu, dass sie sich zu einem radikalen Schritt, also zum Umzug entschließen. Aber: Bis zum Jahr 2015 werden in München etwa 1200Wohnungen für Senioren fehlen

Der Nomade kehrt zurück

Fast scheint es so, als sei der moderne Mensch ständig auf der Suche nach einer neuen Bleibe mit einem Zimmer nur für sich

Clemens, sieben Jahre, wünscht sich für sein Zimmer ein Hochbett, am besten mit Seil und Leiter, damit man am Bett turnen und abenteuerlich spielen kann. Babette, seine Schwester und zehn Jahre älter, kann sich ebenfalls ein Hochbett vorstellen: „Das ist total schön, vor allem, wenn man es sich mit seinen besten Freundinnen darauf gemütlich machen kann.“ Allerdings, trotz des identischen Geschmacks bei der Frage der Schlafgelegenheit ist sie froh, dass sie ihr eigenes Zimmer hat: „Man kann schon ein gemeinsames Zimmer haben, aber nur bis zu einem gewissen Alter. Und man sollte die Möglichkeit haben, es ein wenig abzuteilen, damit man sich nicht immer beobachtet fühlt.“ Privatheit ist also wichtig, sei es, um ungestört am Seil Tarzan Konkurrenz zu machen oder das Freundinnen-Meeting nach eigenem Geschmack zu gestalten. „Kinder brauchen einen Raum außerhalb der Kontrolle der Eltern für ihre individuelle Freiheit“, erklärt Professor Dr. Walter Siebel von der Arbeitsgruppe Stadtforschung an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg. „Die familiäre Situation gilt als ausschlaggebender Faktor in Bezug auf schulische Erfolge“, so Siebel weiter. Schließlich kann man als Herr eines eigenen Reichs in Ruhe seine Hausaufgaben machen und noch viel mehr lernen, beispielsweise Ordnung halten, Eigenständigkeit, Organisationsfähigkeit sowie Respekt vor dem Bereich eines anderen. „Wir wollen einen eigenen Raum, weil wir einen Ort der Identität brauchen“, sagt Professor Dr. Walter Siebel. Den meisten Menschen vermittelt die eigene Wohnung das Gefühl von Geborgenheit und ist meist strikt getrennt von der Öffentlichkeit. „Der private Raum ist der Raum der Intimität und Emotionalität. Der öffentliche Raum ist steril. Handybesitzer und unter Umständen Obdachlose stören ihn dadurch, dass sie Privates in die Öffentlichkeit bringen“, sagt Soziologe Siebel. Bedürfnisse wie schlafen, essen und Körperpflege können auch im Hotel befriedigt werden, doch nur in der eigenen Wohnung lebt man seine Gepflogenheiten aus. Sie bietet nicht nur Schutz vor Wind und Wetter und den Blicken der anderen. Sie erfüllt auch das Bedürfnis nach individuellem Gestalten und emotionaler Bindung. Auf Individualität möchten auch junge Menschen nicht verzichten, die sich ihre erste eigene Bleibe suchen. Doppelzimmer in Studentenwohnheimen etwa gelten längst als unattraktiv, das Zimmer zur Untermiete ist aus der Mode gekommen. Statt dessen leben Studenten, die in eine andere Stadt ziehen müssen, am liebsten in Wohngemeinschaften; wer Glück hat, bekommt ein Ein-Zimmer-Appartement im Studentenwohnheim oder kann sich gar eine eigene Wohnung leisten. Die erste eigene Bleibe außerhalb der elterlichen Wohnung spiegelt die Persönlichkeit wider oder ist gar ein Ort der Selbstdarstellung. Ob Ordnung oder Chaos, ob Design oder Sperrmüll, Kreativität und Lässigkeit werden hier ausgelebt. Die jungen Frauen und Männer nutzen diese Phase des ersten selbstständigen Wohnens, um herauszufinden, wie sie in Zukunft leben wollen: „In dieser Phase finden wir sehr unterschiedliche Wohnformen. Der Mensch probiert aus und experimentiert auch mit verschiedenen sozialen Bindungen“, so Professor Siebel. Dabei zieht sich diese Phase manchmal in die Länge, und der eine oder andere richtet sich auf Dauer in ihr ein. Professor Siebel stellt fest: „Die Post-Adoleszens, also wenn der Mensch aus dem elterlichen Haushalt auszieht, aber noch keine eigene Familie hat, hat sich durch die finanzielle Situation, durch die Ausweitung des Bildungssystems und durch Liberalisierung und Toleranz enorm verändert.“ Beispielsweise denkt sich heute kein Mensch mehr etwas dabei, wenn eine junge Frau allein lebt. Doch bis in die 70er-Jahre entschlossen sich die meisten, nach dem Studium oder der Ausbildung eine Familie zu gründen. Wenn genügend Geld da war und der Job sicher, ging man daran, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, man wollte nun ein Zuhause ganz nach den eigenen Vorstellungen, möglichst im Grünen. Ein Wunsch, der sich auch in Peter S. regt: „Nur wenn man ein eigenes Haus hat oder auch eine eigene Wohnung, kann man alles so machen, wie man es möchte“, erklärt er seinen Entschluss, ein Haus zu bauen. Für seine Frau Nicole gehörte es schon immer zu ihrer Idealvorstellung, mit Kindern auf dem Land zu leben, im eigenen Häuschen. Das Idyll wird auch von der Politik gefördert, schließlich wird der Bau eines Eigenheims subventioniert. In den vergangenen 20 Jahren sind die Lebensformen allerdings vielfältiger geworden: „Es gibt jede Menge Singles, getrennt lebende Paare und Patchworkfamilien. Dies lässt sich im wesentlichen mit der veränderten Rolle der Frau erklären“, sagt Professor Siebel. Viele Frauen konzentrieren sich verstärkt auf den Beruf und verzichten zugunsten ihrer Karriere auf Kinder und Familie. Oder sie üben trotz Familie ihren Beruf weiter aus, nehmen für ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit eine enorme Doppelbelastung in Kauf. Die zunehmend geforderte Mobilität bringt auch eine Art flexibles Wohnen mit sich. Die Bindung an einen Ort oder gar an ein Haus hat im Laufe der letzten Jahre stark nachgelassen. „Fast könnte man meinen, der Mensch entwickelt sich zum Nomaden zurück, der ständig auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist“, stellt Elisabeth Wetsch in ihrem Buch „Bewußt wohnen“ fest. Was sich nie ändern wird: Wenn Kinder das Haus verlassen, bricht für die zurückbleibenden Eltern „die Phase des leeren Nests“ an. Eine Phase, die durch die lange Lebenserwartung noch recht viel Zeit bereithält. „Die Post-Adoleszens, die Nach- Familien-Zeit und unsere allgemeine Lebenszeit haben sich verlängert“, gibt der Soziologe Siebel zu bedenken. Tendenziell ist festzustellen, dass Eltern im „leeren Nest“ erst mal nicht viel verändern, sondern beibehalten möchten, was sie sich im Laufe der Jahre so schön hergerichtet haben. Im Alter leben viele Menschen eher zurückgezogen in ihrer Wohnung. Dennoch wird durch die Bevölkerungsentwicklung die Überlastung der Pflegeheime über kurz oder lang noch weiter zunehmen. Seniorenwohngemeinschaften oder gar Stadtviertel, die überwiegend von Senioren bewohnt werden, sind die Ideen für die Zukunft. Professor Siebel: „Selbstorganisierte Wohnformen für Senioren werden zunehmen, um Pflegemaßnahmen optimal nutzen und dem Problem der Vereinsamung begegnen zu können.“

Dorothea Büchele

Viele Frauen konzentrieren sich verstärkt auf den Beruf und verzichten zugunsten ihrer Karriere auf Kinder und Familie. Oder sie üben trotz Familie ihren Beruf weiter aus, nehmen für ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit eine enorme Doppelbelastung in Kauf

Die erste eigene Bleibe außerhalb der elterlichen Wohnung spiegelt die Persönlichkeit wider oder ist gar ein Ort der Selbstdarstellung

Ein Muss
DAS EIGENE ZIMMER FÜR JUGENDLICHE

„Ein eigenes Zimmer ist sehr wichtig, weil man sich da zurückziehen kann, wenn man seine Ruhe haben oder allein sein will“, sagt die 14-jährige Schülerin Eva Langgartner. Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf: Denn das eigene Zimmer, die „sturmfreie Bude“ gehört für Jugendliche zu den wichtigsten Dingen in ihrem Leben. In jedem Lebensalter und jeder Entwicklungsphase haben Kinder andere Bedürfnisse in puncto eigenes Reich: Kann das Bettchen eines Säuglings auch im Elternschlafzimmer stehen, wird das eigene Kinderzimmer im Lauf der Jahre immer wichtiger. So ist spätestens ab dem Schulalter ein eigener Bereich mit Arbeitsplatz wichtig, an dem die Hausaufgaben ohne Störungen erledigt werden können oder auch, um ungestört Besuch von Freunden zu bekommen. In der Pubertät hilft das eigene Zimmer, sich allmählich von den Eltern zu lösen, es erfüllt den größer werdenden Wunsch nach Privatsphäre und Individualität. „Ich habe mir die Möbel für mein Zimmer alle selbst ausgesucht“, erzählt Eva. „Da mein Zimmer gleichzeitig Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer ist, muss ich natürlich einiges unterbringen. Aber das ist schon in Ordnung. Für mich ist nur wichtig, dass jeder dieser Bereiche seinen eigenen Raum und seine eigene Atmosphäre hat. Mein Zimmer spiegelt wider, was mir wichtig ist. Ich habe zum Beispiel viele Kerzen herumstehen, an den Wänden hängen Fotos von meinen Freunden, damit ich sie immer sehe, ebenso Postkarten oder Erinnerungen an bestimmte Veranstaltungen. Am allerwichtigsten aber sind mir meine Stereoanlage und mein Wasserbett.“ Sich wohl fühlen und „auschillen“ (erholen) können, das muss im eigenen Zimmer möglich sein. Da kommt es dann nicht darauf an, ob alle Kleidungsstücke ordentlich im Schrank hängen oder ob die einzelnen Möbel perfekt in Farbe und Form zueinander passen. „Wie ein eigenes Zimmer aussehen soll, da hat letztlich jeder andere Vorstellungen“, meint Eva nachdenklich. „Aber mir gefällt mein Zimmer, weil es relativ groß ist, weil ich die Musik hören kann, die mir gefällt, und weil es mit den vielen Kerzen, Bildern und meinem Wasserbett richtig kuschelig ist. Diese Kuscheligkeit ist für mich einfach wichtig, sonst würde ich mich nicht wohl fühlen.“ Aber trotz aller Kuscheligkeit – das eigene Zimmer ist nicht selten ein Ort, der zu Streitigkeiten führt. Eltern wollen meist, dass es picobello aufgeräumt ist und zum Rest der Wohnung passt, Jugendliche wollen ihr Revier so ordentlich oder unordentlich haben, wie es ihnen gerade gefällt. Das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Vorstellungen ist da oft unvermeidlich. Für Eva ist das jedoch kein Problem. „Meine Eltern können jederzeit in mein Zimmer kommen, weil ich nichts zu verbergen habe. Wenn meine Mutter putzen möchte, kann sie das gern tun – allerdings gibt es außer Staubsaugen und Fensterputzen nicht viel zu machen, weil ich nicht so unordentlich bin. Was ich allerdings nicht okay fände, wäre, wenn meine Mutter in meinen Sachen herumkramen würde. Ich fände es furchtbar, wenn ich meine Sachen vor meinen Eltern wegsperren müsste, wie das andere Jugendliche manchmal machen. Aber zum Glück muss ich mir darüber keine Gedanken machen. Denn meine Eltern und ich haben Vertrauen zueinander.“

Bettina Wenzel

Der Rechtsbeugerpreis

Ende 2004 ging er an eine Kommune, die obdachlose Menschen vertreibt

Wohnungslose Menschen haben zur Überwindung ihrer Not das Recht auf bedarfsgerechte Hilfen: Das Angebot reicht von der Sicherung des Lebensunterhalts und einer Unterkunft über Schuldner- und Suchtberatung bis hin zu psychosozialen Hilfen. Doch diese Rechte – bisher verankert im Paragraph 72 des Bundessozialhilfegesetzes, künftig in den Paragraphen 67 bis 69 des Sozialgesetzbuchs XII – werden den betroffenen Menschen vielerorts verweigert. Dafür wird von den zuständigen Kostenträgern – zumeist Kommunen und kreisfreie Städte – eine Vielzahl von gesetzeswidrigen Schikanen eingesetzt: So wird „Ortsfremden“ nur für maximal drei Tage im Monat und nur sehr eingeschränkt Lesen Sie weiter bei »Der Rechtsbeugerpreis«…

Münchner Mangel

Die Landeshauptstadt hat alles, was Menschen glücklich macht, außer preiswerten Wohnraum

Obwohl Experten seit geraumer Zeit von einer eher entspannten Situation auf dem hiesigen Wohnungsmarkt sprechen, genügt ein Blick auf aktuelle Mietangebote, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Eine Einzimmerwohnung kostet meist zwischen 400 und 600 Euro, drei Zimmer sind kaum unter 750 und oft nur über 1000 Euro zu bekommen. Willkommen in München, der Stadt, in der es sich so wunderbar leben ließe, gäbe es die hohen Mieten nicht. Menschen mit geringem Einkommen haben das Nachsehen. „Preislich günstige Wohnungen sind Mangelware“, betont Sybille Färber, die Geschäftsführerin des Mietervereins. Lesen Sie weiter bei »Münchner Mangel«…