Film »Hotel BISS – Vision einer Bürgerbewegung« auf dem Internationalen Dokumentarfilmfestival München

Hotel BISS – Vision einer Bürgerbewegun Wolfgang Ettlich, der für seine Dokumentarfilme schon zweimal mit dem Grimme Preis ausgezeichnet wurde, hat das Projekt Hotel BISS von 2007 bis 2011 begleitet und einen Film darüber gedreht. Dieser Film wurde nun auf dem Internationalen Dokumentarfilmfestival in München gezeigt. »Hotel BISS – Vision einer Bürgerbewegung« dokumentiert unser gemeinsames Bemühen um das alte Münchner Frauengefängnis Am Neudeck.

Die Premiere war am Donnerstag, den 3. Mai um 21:00 Uhr
im ARRI Kino in München, Türkenstraße 91.

Eine zweite Vorstellung gab es am Samstag, den 5. Mai um 15:30 Uhr
im City 3 Kino in München, Sonnenstraße 12.

Das Bayerische Fernsehen zeigt »Hotel BISS – Vision einer Bürgerbewegung«
am Dienstag, 12. Juni 2012 von 23:40 Uhr bis 0:55 Uhr.

Weitere Informationen
Link zur DOK.fest-Webseite zum Film
PDF-Seite aus DOK.fest-Programm zum Film
PDF-Artikel »Die verlorene Vision« aus der Süddeutschen Zeitung von Bernd Kastner

Auf der Jagd nach dem besonderen Moment

Die Teilnehmer des Streetfotografie-Workshops

Die Teilnehmer des Streetfotografie-Workshops. Ihre Kursbeiträge gingen als Spende an BISS. Erste Reihe: Die Organisatoren Bastian Staude (links) und Thomas Leuthard mit der Chefredakteurin Isa Hoffinger

Am 24. und 25. März 2012 fand ein Streetfotografie-Workshop bei BISS statt. 18 passionierte Hobbyfotografen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren auf den Straßen von München unterwegs, auf der Suche nach authentischen Augenblicken und interessanten Gesichtern. Unter dem Motto „Begegnungen“ spazierten sie wie gewöhnliche Touristen durch die Stadt, um im richtigen Moment alltägliche Szenen in Bars, Parks oder in der U-Bahn einzufangen. Veranstaltet wurde der Workshop von dem Schweizer Streetfotografen Thomas Leuthard. Er gilt als einer der besten Streetfotografen in der Szene, die international immer mehr Anhänger findet und sich in Internetforen austauscht. Seine Bildbände, die er auf seiner Homepage www.85mm.ch zum kostenlosen Download anbietet, zeigen Porträts und Szenen aus verschiedenen Städten. Bei BISS war Leuthard nun schon zum zweiten Mal zu Gast. Er und sein Co-Referent Bastian Staude verzichteten auf ein Honorar und spendeten statt dessen die Kursbeiträge der Teilnehmer an den BISS e.V.. Im ersten Workshop, der im Herbst 2011 stattfand, waren die Fotografen unterwegs, um „Die andere Seite“ Münchens zu entdecken und mit den Menschen auf der Straße zu sprechen. Die schönsten Bilder haben wir hier für Sie zusammengestellt.
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Ungewöhnliche BISS Aktion: Pfandflaschen als Werbemedium – BISS wirbt Flaschensammler als Verkäufer an

Das Münchner Straßenmagazin BISS startete am Donnerstag, den 6.10., mit Unterstützung von Sozialreferentin Brigitte Meier, Charles Schumann, „Sportfreunde Stiller“, Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec eine einzigartige Anwerbeaktion. Weil es zunehmend Menschen in München gibt, die von Armut bedroht sind, sucht BISS aktuell Mitarbeiter, die das monatlich erscheinende Straßenmagazin verkaufen. Es sollen mit der Aktion mehr Bedürftige erfahren, welche Chance eine Anstellung bei BISS bietet.

Klebten Etiketten für die BISS-Kampagne zur Gewinnung neuer Verkäufer: Abt Johannes und Frater Emmanuel von der Abtei St. Bonifaz, die Tatort-Kommissare Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, der weltberühmte Barkeeper Charles Schumann, Sozialreferentin Brigitte Meier und die Sportfreunde Stiller. Vielen Dank!
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Wettbewerbsfilm zur BISS-Pfandflaschenaktion

Eine Hager Moss Film Produktion / nach einer Idee von DDB Tribal Berlin / Johannes Hicks

BISS-Ausgabe Mai 2012 | Stoppt die Sklaverei!

Cover der BISS-Ausgabe Mai 2012

Cover der BISS-Ausgabe Mai 2012

Aktuelles | 6 Armutsfalle Leiharbeit: Sie werden eingekauft und abbestellt – wie Material. Das Heer der Leiharbeiter wird immer größer. Ein Report aus der Szene | 12 „Leiharbeit ist moderne Sklaverei“ Der Publizist und Ökonom Albrecht Müller kritisiert die neoliberale Wirtschaftspolitik. Ein Gespräch über die SPD, Hartz IV und die Schwäche der Gewerkschaften | 14 Kehraus: Wer sorgt dafür, dass München so sauber ist? Unterwegs mit Straßenreinigern | 18 Spiel‘s noch einmal, Hans! Als DJ brach er Frauenherzen, heute ist Hans fast 80 und hat über 15 Tonnen Schallplatten gesammelt | 20 Frau Hiendl und die Drogenfahnder: Stromdiebstahl, Bombendrohungen – was passiert in einer Wohnanlage, in der 126 Parteien leben? Eine Hausmeisterin packt aus | 22 Nachts an der Schäftlarnstraße: Die Großmarkthalle wird 100 Jahre alt. Wen trifft man dort vor Sonnenaufgang? | Schreibwerkstatt | 4 Standplatz | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | 30 Janas Kolumne: Im Mai | Rubriken | 3 BISS intern | 28 Patenuhren | 26 Hotel BISS – Ein Film über das Projekt feiert Premiere | 29 Freunde und Gönner | 30 Impressum | 31 Adressen

Radlverrückt

Mit 25 Jahren leistete ich mir mein erstes gutes Fahrrad. Damals bin ich selten damit gefahren und wenn, dann nur am Wochenende. Als 1990 der Busverkehr zu meiner damaligen Arbeitsstelle eingestellt wurde, fuhr ich fast ein halbes Jahr lang mit dem Rad zu den Nacht- und Wochenendschichten, das waren hin und zurück zusammen etwa 75 Kilometer. Von 1991 bis 2003 vernachlässigte ich das Radfahren wieder. Aber seit 2003 radle ich fast täglich.

Mein Fahrrad ist mein Kultobjekt. Ausgerüstet mit Radio, einem Korb, Taschen und kleinen Plüschtieren, ist es in München mittlerweile bekannt. Viele meiner BISS-Kunden sehen mein Rad und wissen, dass ich nicht weit sein kann. Ich radle täglich mindestens 20 Kilometer, so bin ich unabhängig vom MVV, und beim Radeln spüre ich auch meinen Rheumaknoten an der großen Zehe nicht, der mir beim Gehen manchmal Probleme bereitet.

Meine längste Fahrt war eine zum Kochelsee, bepackt mit Schlafsack, Decke, Badesachen und einer Stereoanlage am Lenkrad. Früh um sechs Uhr fuhr ich in Solln los, gut gelaunt und mit toller Musik. Bis Kochel sind es 68 Kilometer, dafür brauchte ich viereinhalb Stunden. Eine Frau, die ich am Ortseingang nach dem Weg zum See fragte, wollte kaum glauben, dass ich die ganze Strecke von München mit dem Rad gekommen war. Ich verbrachte drei schöne Tage am Kochelsee und radelte dann wieder zurück.

2010 wurde mir meine Stereoanlage vom Rad geklaut, während ich nur zehn Minuten in einem Geschäft war. Dabei hatte ich die Anlage am Lenkrad festgeschraubt, der Dieb hat sie regelrecht herausgerissen. Das machte mich wirklich traurig. Ein Leben ohne mein Fahrrad kann ich mir nicht mehr vorstellen.

Standplatz: Am Ostbahnhof und in Neuperlach

Martin Berrabah an seinem Standplatz | Foto: Barbara Donaubauer

Martin Berrabah an seinem Standplatz | Foto: Barbara Donaubauer

Neuperlach wurde in den sechziger Jahren als Trabantenstadt gebaut, heute leben dort viele Sozialhilfeempfänger. Mein Verkaufsplatz vorm Perlacher Einkaufszentrum ist kein leichter, viele Kollegen haben ihn vor mir wieder hingeschmissen, zwei Jahre lang hat dort sogar gar keiner verkauft, weil man da angeblich so wenige Hefte loskriegt. Ich jedoch habe treue, sympathische Kunden, die sagen, sie kaufen nur bei mir. Es ist zwar so, dass ich viele aggressionsgeladene Situationen beobachte und Verhaltensweisen, bei denen ich mir denke, das ist halt eine ganz andere Generation. Aber ich persönlich werde eigentlich in Ruhe gelassen.

Wenn ich mal blöd angeredet werde, dann immer von Deutschen, obwohl 90 Prozent der Leute hier Ausländer sind. Ich gehe zweimal die Woche ins Karatetraining, auch aus dem Grund, weil ich es wichtig finde, Zivilcourage zu zeigen, und dazu möchte ich auch mit 60 noch in der Lage sein und nicht gezwungenermaßen weggucken müssen, wenn zum Beispiel jugendliche Gewalttäter jemanden angreifen. Ich war 20 Jahre lang drogensüchtig und lebte auf der Straße. Vor 13 Jahren kam ich über einen Verkäufer, den ich in der Drogenszene kennengelernt hatte, zu BISS. Wir waren damals etwa 20 neue Kollegen, viele von ihnen sind mittlerweile schon gestorben. Daheim, an einer Pinnwand, habe ich zur Erinnerung Bilder von ihnen aufgehängt sowie auch von einigen netten Kunden, die jahrelang bei mir gekauft haben und dann plötzlich nicht mehr aufgetaucht sind. Manchmal bekam ich von irgendwelchen Bekannten noch Fotos von ihnen.

Als ich bei BISS fest angestellt wurde, überredete mich die Chefin, mir eine eigene Wohnung zu nehmen. Für mich war das am Anfang ungewohnt, ich wollte lange Zeit eigentlich gar keine haben und hätte sie wohl auch wieder aufgegeben, wenn nicht schon meine zwei Katzen bei mir gelebt hätten. Sie und meine Hündin Maja bedeuten mir viel. Von Tieren wird man nicht enttäuscht, ihre Liebe ist ehrlich. Ansonsten bin ich viel allein, ohne Pflichten, ohne Verantwortung. Beziehungsfähig war ich eh noch nie. In meiner Freizeit übe ich Gitarre oder Mundharmonika. Bei BISS haben wir übrigens einen, der mindestens so gut Mundharmonika spielen kann wie Michael Hirte, der angebliche Sozialhilfeempfänger aus der “Supertalent”- Show. Dessen Mitleidsmasche würde ich für mich aber nicht wollen.

»Wir haben unsere Werteorientierung verloren«

Leiharbeit verletzt Grundrechte. Warum regt das so wenige Menschen auf? Ein Gespräch mit dem Publizisten Albrecht Müller

Albrecht Müller | Foto: Privat

Albrecht Müller | Foto: Privat

In Deutschland gibt es rund eine Million Leiharbeiter, so viele wie nie zuvor, Tendenz steigend. Warum regt sich nur wenig Widerstand gegen diese prekären Arbeitsverhältnisse?
Es gibt keinen Aufstand, weil viele der Betroffenen einfach keine Alternative haben. Die Mehrheit der jungen Arbeitnehmer ist gezwungen, auch Leiharbeit anzunehmen. Wir haben in Deutschland wie auch anderswo in den westlichen Industrienationen eine Reservearmee von Arbeitslosen. Und das ist politisch gewollt.

Wer sagt das?
Zum Beispiel Alan Budd, ein englischer Notenbanker. Er hat es in einem Interview sehr schön auf den Punkt gebracht, als er sagte: Wirtschaftsexperten unter Margaret Thatcher hätten bereits erkannt, dass die von ihnen verfolgte Politik, die Staatsausgaben konsequent zu senken, zu mehr Arbeitslosigkeit führe. Diese Erhöhung der Arbeitslosigkeit sei aus der Sicht dieser Leute wünschenswert gewesen, um die Arbeiterklasse zu schwächen und so die Profite der Unternehmer zu steigern.
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BISS-Ausgabe April 2012 | Wir Bayern

Cover der BISS-Ausgabe April 2012

Cover der BISS-Ausgabe April 2012

Aktuelles | 6 Geschafft! Hinter Birgül Bastürk liegt ein langer, steiler Weg. Ihre Eltern können nicht lesen und schreiben. Sie boxte sich durch und studierte. Das Porträt einer Kämpferin | 10 Auf der anderen Seite: Muslime sind radikal und grenzen sich selbst aus. So wurde eine Studie interpretiert, die für ausländerfeindliche Schlagzeilen sorgte. Die Wahrheit ist komplizierter. Wir haben einen türkischen und einen deutschen Schüler über mehrere Wochen begleitet | 16  Hinter der Fassade: Brennende Autos, marodierende Ghettokids: Georg M. Oswald hat einen Krimi über Banlieues geschrieben. Er spielt ausgerechnet im beschaulichen München. Ein Gespräch über Kratzer im Bild der Wohlstandsidylle | 18 Ziemlich beste Freundin: Michèle Peron betreut seit 20 Jahren wohnungslose Menschen. Eine Hommage an die couragierte Französin | 20 Schluss mit der Stadtflucht!  Das Leben in Großstädten kann sich bald kein Normalverdiener mehr leisten. Höchste Zeit, um etwas gegen die steigenden Mieten zu tun, meint Andrea von Grolman. So können Sie sich wehren | Schreibwerkstatt | 4 Standplatz | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | 30 Janas Kolumne: Das Rennen | Rubriken | 3 BISS intern | 27 Patenuhren | 22 Aus aller Welt:  Alle reden über den Euro-Rettungsschirm. Hängt unser Glück wirklich von der Wirtschaft ab? | 28 Freunde und Gönner | 30 Impressum | 31 Adressen

Schwangerschaftskonflikte

Die Sonne lugte durch die Vorhänge, Julia lag noch im Bett und träumte vor sich hin. Zärtlich strich sie über ihren Bauch. Sie war im achten Monat schwanger. Da riss die laute Stimme ihres Mannes sie aus ihren Gedanken: “Julia!” Missmutig stieg sie aus dem Bett, schlüpfte in ihren Morgenmantel und betrat die Küche. “Guten Morgen, Schatz, was gibt es?”, fragte sie gähnend. “Hast du deinen Arzttermin vergessen?”, sagte ihr Mann. “Beeil dich, wir kommen sonst zu spät!” Natürlich, sie hatte ja den Termin beim Gynäkologen.

Als sie ins Auto stiegen, bemerkte sie seine Sporttasche. “Ich gehe derweil zum Fitness, und wenn du fertig bist, hole ich dich wieder ab”, erwiderte ihr Mann ihren kritischen Blick. “Wie, du holst mich ab?”, fragte sie. “Gehst du wieder nicht mit, unser Kind im Ultraschall anschauen?” Während der ganzen Schwangerschaft hatte sich ihr Mann nicht besonders für das Baby interessiert. “Magst du unser Kind nicht?”, fragte sie eisig. “Doch”, antwortete er, “aber ich kann nun mal mit Ultraschall-Bildern nichts anfangen.” Sie war stinksauer.

Früher waren sie immer zusammen zum Fitness gegangen, und jetzt fühlte sie sich allein gelassen. “Ich freue mich die ganze Woche auf den Sport”, verteidigte er sich, “und später kaufen wir für das Baby ein und gehen zum Essen.” Julia war besänftigt und es wurde doch noch ein schöner Tag. Als ein paar Wochen später die Wehen einsetzten, fuhren sie zusammen in die Klinik. Beide waren sehr aufgeregt. Er blieb während der ganzen Geburt bei ihr und hielt schließlich überglücklich seine Tochter in den Armen.