Ungewöhnliche BISS Aktion: Pfandflaschen als Werbemedium – BISS wirbt Flaschensammler als Verkäufer an

Das Münchner Straßenmagazin BISS startete am Donnerstag, den 6.10., mit Unterstützung von Sozialreferentin Brigitte Meier, Charles Schumann, „Sportfreunde Stiller“, Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec eine einzigartige Anwerbeaktion. Weil es zunehmend Menschen in München gibt, die von Armut bedroht sind, sucht BISS aktuell Mitarbeiter, die das monatlich erscheinende Straßenmagazin verkaufen. Es sollen mit der Aktion mehr Bedürftige erfahren, welche Chance eine Anstellung bei BISS bietet.

Klebten Etiketten für die BISS-Kampagne zur Gewinnung neuer Verkäufer: Abt Johannes und Frater Emmanuel von der Abtei St. Bonifaz, die Tatort-Kommissare Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, der weltberühmte Barkeeper Charles Schumann, Sozialreferentin Brigitte Meier und die Sportfreunde Stiller. Vielen Dank!
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Wettbewerbsfilm zur BISS-Pfandflaschenaktion

Eine Hager Moss Film Produktion / nach einer Idee von DDB Tribal Berlin / Johannes Hicks

BISS-Ausgabe Januar 2012 | Emmas Enkel

Cover der BISS-Ausgabe Januar 2012

Cover der BISS-Ausgabe Januar 2012

Aktuelles | 6 Die neuen Emmas: Ende der siebziger Jahre wurde die Zeitschrift Emma gegründet. Nun setzen sich Frauen, die zur selben Zeit geboren wurden, wieder für feministische Ziele ein | 8 Allein unter Männern: Michaela Pichlbauer kämpft dafür, dass Frauen im Beruf nicht benachteiligt werden. Ein Besuch bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt | 12 Ein liebes Paar: Erich Kirsner hat Demenz. Eine ehrenamtliche rechtliche Betreuerin hilft ihm, sein Leben zu meistern | 16 Arm im Alter? Wolfgang Ettlich führte lange eine berühmte Kneipe. Aber auch er hat Angst, dass seine Rente nicht zum Leben reicht | 18 “3 Wochen arbeiten, 1 Woche Ibiza!”: In München findet man Traumjobs an jeder Straßenecke. Was steckt hinter den Aushängen an Ampeln und Laternen? | 20 Im Schlingerkurs: Die Piraten wollen den Stadtrat erobern, aber was genau hat diese Partei eigentlich vor? Ein Interview mit dem Vorsitzenden Holger van Lengerich Schreibwerkstatt | Schreibwerkstatt | 4 Standplatz | 22 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | 30 Janas Kolumne: Die süße Versuchung | Rubriken | 3 BISS intern | 28 Patenuhren | 24 Aus aller Welt: Ein britischer Veteran erzählt aus seinem Leben | 29 Freunde und Gönner | 30 Impressum | 31 Adressen

Der Pierrot

Janinas Urlaub war zu Ende. Erholt und guter Laune näherte sie sich ihrem Geschäft, einem Trödelladen, in einer belebten Straße einer großen Stadt. Da bemerkte sie, dass sich vor ihrem Schaufenster ein als Pierrot verkleideter Mann aufgebaut hatte. Sobald ein Passant Geld in die vor ihm stehende Büchse warf, machte er lächelnd eine höfische Verbeugung. “So ist das also”, dachte sie. “Von mir kriegst du nichts.” Aber sie grüßte den Mann freundlich, während sie ihren Laden aufschloss. Wie automatisch verneigte er sich sogleich vor ihr, obwohl sie ihm keinen Cent gegeben hatte. “Ein verrückter Kerl”, dachte sie und betrat kopfschüttelnd ihren orientalisch anmutenden Laden, in dem die Sachen bunt durcheinanderstanden.

Sie hatte auch eine Angestellte, die aber momentan noch im Urlaub war. Bald kamen die ersten Kunden und sie vergaß den Mann. Doch von nun an wiederholte sich jeden Morgen das gleiche Spiel: das Lächeln und die Verbeugung. Bald grüßte Janina ihn nicht mehr freundlich. Sie begann, den Typen zu hassen. Das unnatürliche Gesicht, das übertriebene Gehabe, die Undurchsichtigkeit seiner Maske. Sie bekam schon ein flaues Gefühl in der Magengegend, wenn sie ihn nur sah. Was wollte er von ihr? Sie sehnte sich nach dem Tag, an dem ihre Angestellte zurückkommen würde, dann wäre sie wenigstens nicht mehr allein, denn der Pierrot machte ihr Angst. Und endlich war der Tag da. “Sag mal”, fragte sie, “der Mann da draußen, verbeugt der sich vor dir auch so?” “Nein”, gab diese zur Antwort, “sollte er denn?” Janina zuckte die Schultern. Kunden kamen und wollten bedient werden. Am nächsten Morgen, als der Pierrot wieder sein Spielchen machte, schrie Janina ihn unbeherrscht an: “Was willst du von mir? Geh weg, ich kann dich nicht mehr sehen!” Der Mann sagte nichts darauf.

Als sie am nächsten Morgen wieder ihren Laden aufschloss, grüßte er sie nicht. Auch nicht die Tage darauf und überhaupt gar nicht mehr. Er schaute sie nicht einmal an. “Das hat gewirkt”, dachte Janina zufrieden. Da sah sie durchs Fenster zufällig, wie er jetzt seine typische Verbeugung vor ihrer Angestellten machte, die daraufhin mit einem seltsamen Lächeln an ihre Arbeit ging. Misstrauisch beobachtete Janina dieses Geschehen nun jeden Morgen, die übertrieben ehrfurchtsvolle Verbeugung des Mannes, das Lächeln der Frau. Obwohl Janina ein freundschaftliches Verhältnis mit ihrer Mitarbeiterin pflegte, zog sie sich nun von ihr zurück. Eines Tages kündigte sie ihr. Als der Pierrot merkte, dass die Mitarbeiterin nicht mehr da war, kam auch er nicht mehr.

Standplatz: Am Max-Weber-Platz

Gottfried Wassermann an seinem Standplatz | Foto: Barbara Donaubauer

Gottfried Wassermann an seinem Standplatz | Foto: Barbara Donaubauer

Ich bin Jungfrau von Sternzeichen. Man sagt diesen Menschen ja nach, dass sie Wert auf eine schöne Wohnung legen, häuslich und sparsam sind. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich jeden Vormittag sehr gewissenhaft meine Buchführung mache, obwohl ich ja kein Banker bin und das nicht gelernt habe. Ich schreibe jedes Limo, jedes Mittagessen, jede Einnahme und Ausgabe genau auf. Am Monatsende analysiere ich, wo ich besser gespart und wo ich besser mehr Geld ausgegeben hätte. Manche sagen, das sei Krampf, aber jeder muss selber wissen, was für ihn gut ist.

Ich kam 1969 darauf, als ich in Kronberg im Taunus als Hoteldiener arbeitete und noch Schulden hatte. Schulden zu haben tut seelisch weh. Dabei kann das Leben doch so schön sein, wenn man es nur richtig macht und finanziell im Reinen ist. Ich stamme von einem Bauernhof aus der Gegend von Memmingen. Mit fünfzehn Jahren verließ ich das Elternhaus und ging arbeiten, zuerst als Knecht, später unter anderem als Spüler in einem Hotel, dann als Tierstallhelfer im Max- Planck-Institut und als Stewart bei der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt. Wäre ich doch in Düsseldorf geblieben. Dass ich von dort weggegangen bin, bereue ich, denn im Vergleich zu den finanziellen Problemen, die ich später in München hatte, waren meine beruflichen Probleme in Düsseldorf ein Klacks.

Mit sechzig Jahren wurde ich erwerbsunfähig. Seit über fünf Jahren stocke ich meine geringe Rente mit BISS-Verkaufen auf. Ich war froh, als ich den Verkaufsplatz am Max- Weber-Platz zugeteilt bekam, weil es hier einen Aufzug und eine Toilette gibt. Das ist für mich als Diabetiker wichtig, denn ich muss mich regelmäßig spritzen. Außerdem kann ich seit einer Knieoperation mit anschließender Infektion und der mittlerweile zweiten Knieprothese nur sehr schlecht gehen. Die großen Glückssteine, die ich um den Hals trage, sollen mir Gesundheit, Glück und viel Kundschaft bringen. Ich halte mich an die Steinelehre der Hildegard von Bingen, von der ich ein paar Bücher gelesen habe. Außer Lesen hat mir früher auch Fotografieren großen Spaß gemacht. Ich bin schon sehr gespannt, mit welcher Kamera die BISS-Fotografin das Bild von mir aufnehmen wird.

„Man muss Optimist bleiben“

Wolfgang Ettlich ist Künstler. Er führte lange eine berühmte Kneipe in Schwabing, das „Heppel & Ettlich“. Bald geht er in Rente. Genau wie viele andere Menschen macht er sich Sorgen, im Alter zu verarmen

Wolfgang Ettlich könnte auf vieles verzichten, nur seine schöne Wohung aufzugeben würde ihm schwerfallen

Wolfgang Ettlich könnte auf vieles verzichten, nur seine schöne Wohung aufzugeben würde ihm schwerfallen

Im Mai werde ich 65. Ein Alter, das ich mir lange überhaupt nicht vorstellen konnte. Erst recht nicht, dass man für diese Zeit vorsorgen sollte: Ich kam 1968 mit ein paar Freunden aus Berlin nach München, wir gründeten in der Elisabethstraße eine der ersten Wohngemeinschaften in Deutschland. Vorsorge für das Alter, eine Lebensversicherung oder eine Eigentumswohnung? Fand ich total spießig, das war etwas für Kapitalisten. Wir wollten frei sein, das Leben in München genießen, ein Leben ohne Mauer und DDR-Grenze. In Berlin hatte ich noch als Briefträger gearbeitet, aber dann verlangten die Chefs, dass wir Uniform tragen und die Haare kurz schneiden sollten. Ausgerechnet in einer Zeit, wo alles um die Frage kreiste: Bist du Beatles- oder Stones-Fan? Also habe ich die Post hinter mir gelassen, wir lehnten damals jede Autorität ab und wollten uns einfach nicht ausbeuten lassen. Es ging schließlich auch ohne festen Job. Lesen Sie weiter bei »„Man muss Optimist bleiben“«…

BISS-Ausgabe Dezember 2011 | Winterzauber

Cover der BISS-Ausgabe Dezember 2011

Cover der BISS-Ausgabe Dezember 2011

Aktuelles | 6 Vorhang auf! Seit zwölf Jahren war Christine Muskat abends nicht mehr unter Leuten. Wie ist es, endlich wieder auszugehen? Eine Reportage über einen besonderen Theaterbesuch | 10 Mein Freund, der Baum: Die kleinen Märkte mit Tannenbäumen kennt jeder, aber wer verkauft das duftende Immergrün eigentlich? Ein Besuch bei einer bezaubernden Händlerin | 12 Miss Santa Claus: Gerlinde Adler-Kemmer spielt seit über zwanzig Jahren den Nikolaus. Manchmal muss sie eher die Eltern rügen | 14 Schöner schenken: Manager kassieren hohe Abfindungen, aber Erzieher oder Müllmänner dürfen keine Geldgeschenke annehmen. Warum es besser wäre, Ausnahmen zu machen | 16 Singen für den Frieden: Weihnachtslieder sind kitschig? Stimmt nicht. Viele alternative Songs erzählen tiefsinnige Geschichten | Schreibwerkstatt | 4 Standplatz | 18 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | 30 Janas Kolumne: Mein feiner Braten | Rubriken | 3 BISS intern | 20 Patenuhren | 23 München klebt für BISS | 26 Aus aller Welt: Die Geschichte der Obdachlosigkeit in den USA | 29 Freunde und Gönner | 30 Impressum | 31 Adressen

Weihnachten

Der Weihnachtsbaum wird von meinem Enkel ausgesucht, und das sehr genau. Er muss eine schöne Spitze haben, gespreizte Äste, und der untere Bereich soll breit auseinandergehen. Mit etwas Kraft wird der Baum nach Hause getragen, wo er in einen Christbaumständer eingebaut wird. Mit Elan wird er von meiner Lebensgefährtin und deren Tochter geschmückt. Die Spitze kommt am Schluss dran. Da wird es dann schon langsam Abend.

Vor der Bescherung gibt es Würstchen zum Essen: Wiener, Kalbs- und Wollwürste. Dann werden die Kinder ins Kinderzimmer geschickt und die Geschenke unter den Weihnachtsbaum gelegt. Mit einer Glocke holen wir die hübsch hergerichteten Kleinen wieder zum Weihnachtsbaum. Dann wird fleißig das Weihnachtspapier zerrissen und mit großen Augen werden die Geschenke bewundert. Mit Spielen und Reden der Erwachsenen geht der Abend zu Ende.